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Blick in den Darm: Bei einer Koloskopie untersucht der Arzt den Darm mit einem Endoskop.

Peinlich, aber wichtig

Wie die Darmspiegelung Leben rettet

Unangenehm, schmerzhaft und peinlich: So stellen sich viele eine Darmspiegelung vor und verzichten lieber auf die Untersuchung. Doch sie hilft Darmkrebs früher zu erkennen und Leben zu retten.

An ihm kommt derzeit kaum einer vorbei: Überall hängen die Plakate, die einen Mann mit grauem Haar und Vollbart zeigen. Das karierte Hemd hat er wie ein Holzfäller hochgekrempelt, die kräftigen Arme um eine Frau gelegt. Er mag ein wenig in die Jahre gekommen sein, sieht aber kerngesund aus – und doch steht da dieser Satz: „Wer seinen Partner liebt, schickt ihn zur Darmkrebsvorsorge.“

Den Mann auf dem Plakat werden die meisten sofort erkennen: Es ist Paul Breitner, früher Fußballprofi, heute Lebensretter. Zusammen mit seiner Frau wirbt er nämlich für eine Untersuchung, die viele scheuen. Doch ist die Darmspiegelung die zuverlässigste Methode, um Darmkrebs früher zu erkennen: Dann, wenn der Tumor noch klein ist, die Heilungschance aber umso größer. Oft kann damit sogar die Entstehung von Krebs verhindert werden.

Denn das Risiko, zu erkranken, ist hoch: Für 2014 rechnet man beim Robert Koch-Institut in Berlin mit etwa 64.000 Neuerkrankungen in Deutschland. Pro Jahr sterben hierzulande etwa 26.000 Patienten an Darmkrebs.

Einer von ihnen war auch Felix Burda, Sohn des Verlegers Hubert Burda. Er war gerade 31, als er die Diagnose bekam, der Krebs war da schon weit fortgeschritten. Kaum zwei Jahre später war Felix Burda tot. Seine Botschaft aber lebt in der nach ihm benannten Felix-Burda-Stiftung weiter: Diese wirbt schon seit vielen Jahren für die Krebsvorsorge. Den März hat man zum Darmkrebsmonat erklärt und setzt dann verstärkt auf Kampagnen wie der mit Paul Breitner.

Denn die Vorsorge wird immer noch zu wenig genutzt. Dabei ist sie seit vielen Jahren Kassenleistung: 50 bis 54-Jährige haben jährlich Anspruch auf einen Test, bei dem eine Stuhlprobe auf Blut untersucht wird (Artikel unten). Das kann ein Hinweis auf Darmkrebs sein, aber auch auf häufige und harmlose Beschwerden wie Hämorrhoiden. Ein Tumor führt indes meist erst zu einer Blutung, wenn die Erkrankung weit fortgeschritten ist. So ist das auch mit anderen Hinweisen wie Veränderungen, starker Gewichtsverlust und Bauchschmerzen.

Da das Risiko für Darmkrebs mit dem Alter steigt, bezahlen die Kassen ab 55 Jahren auch eine Darmspiegelung. Bei der Kassenärztliche Bundesvereinigung fordert man jetzt sogar, dass Männer bereits früher Anspruch darauf haben sollten: Sie erkranken im Schnitt häufiger und früher als Frauen.

Die Darmspiegelung oder Vorsorge-Koloskopie, wie sie auch genannt wird, sollte nach zehn Jahren wiederholt werden, wenn dabei nichts Auffälliges festgestellt wurde, ansonsten bereits früher. Der Arzt führt bei dieser Untersuchung ein Endoskop in den Darm ein, einen fingerdicken Schlauch, der mit einer kleinen Kamera ausgestattet ist. Der Patient bekommt davon nichts mit – ein Medikament versetzt ihn in eine Art Dämmerschlaf. Und er kann ruhig einschlafen: Das Risiko für Komplikationen ist gering. Zu einer Verletzung der Darmwand kommt es einer aktuellen Studie zufolge bei weniger als einem von 1000 Untersuchten. Wegen einer Blutung ins Krankenhaus müssen gar nur fünf von 10.000 Patienten.

Untersucht wird der ganze Dickdarm. Fast alle Tumoren bilden sich in diesem Teil des Organs. Weitaus häufiger findet der Arzt aber Polypen. Das sind gestielte Ausstülpungen der Darmschleimhaut, die gutartig sind. Doch gelten sie als Vorstufen eines Tumors: Je größer die Polypen, desto größer auch das Risiko, dass sie entarten. Doch lassen sie sich bei einer Koloskopie sofort entfernen. Damit lässt sich Krebs also nicht nur früher erkennen, sondern in vielen Fällen sogar verhindern.

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Untersuchen lässt sich der Darm aber nur, wenn er leer und sauber ist. Patienten müssen daher schon am Vortag eine Abführlösung trinken und dürfen danach nichts mehr essen. Für die meisten ist die Darmreinigung im Rückblick der schlimmste Teil der Untersuchung.

Eine solche kann übrigens auch schon für Jüngere ratsam sein. Sind bereits nahe Angehörige erkrankt, deutet viel auf eine genetische Vorbelastung hin. Betroffene haben dann ein höheres Risiko zu erkranken – und das oft schon recht früh. Sie sollten daher schon zehn Jahre vor dem Alter zur Darmspiegelung gehen, zu dem bei ihrem Angehörigen die Diagnose gestellt wurde – spätestens jedoch mit 40 Jahren. Sind sogar mehrere nahe Angehörige früh erkrankt, sollte man sich beraten lassen und bereits ab 25 Jahren zur Vorsorge-Koloskopie gehen. Felix Burda hätte es das Leben retten können.

Andrea Eppner

Experten-Hotline

Fragen zur Vorsorge und Therapie von Darmkrebs beantworten zwei Experten des Klinikums rechts der Isar in München. Heute Mittwoch 12. März 2014 von 18 bis 20 Uhr erreichen sie Dr. Dirk Wilhelm (Tel. 089/ 4140-5036) und am morgigen Donnerstag von 18 bis 20 Uhr Dr. Stefan von Delius (Tel. 089 4140-5973).

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