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Astrid S. am Bett ihrer Mutter. Am Montag musste sie von ihr Abschied nehmen.

Astrid S. erhebt schwere Vorwürfe

"Die Ärzte haben meine Mutter sterben lassen ..."

München - Woran ist meine Mutter gestorben? Diese Frage beschäftigt Astrid S. Tag und Nacht, lässt ihr keine Ruhe. Am Montagabend musste sie sich von ihrer geliebten Mama (90) im Schwabinger Klinikum für immer verabschieden.

Die 53-Jährige erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Klinik und die Ärzte: „Die haben meine Mutter sterben lassen, denn sie haben ihr die Dialyse verweigert!“ Die Klinik weist die Vorwürfe von sich.

„Mit der Behandlung hätte meine Muter wahrscheinlich noch länger gelebt“, ist die Tochter überzeugt. „Sie hatte die Blutreinigung auch ausdrücklich gewünscht – und zwar in ihrer Patientenverfügung“, sagt die Tochter über ihre krebskranke und nierengeschädigte Mutter.

Der Leidensweg von Luise S. beginnt vor rund zwei Wochen. Wie schon seit Jahren geht sie zur Dialyse ins Schwabinger Klinikum. Dort bekommt sie plötzlich starke Schmerzen. Diese hat sie seit einer schlimmen Infektion vor ein paar Jahren öfters. Sofort wird sie stationär aufgenommen.

Astrid S. eilt zu ihrer Mutter ins Krankenhaus. Luise S. erzählt ihr, dass sie etwas unterschrieben habe, wonach sie keine Dialyse mehr möchte. Doch dieses Schriftstück hat Astrid S. bis heute nie zu Gesicht bekommen. „Es ist unklar, ob es dieses überhaupt gibt. Ich habe es jedenfalls nie gesehen“, sagt auch ihr Anwalt Jürgen Hardinger.

Die Münchnerin lässt ihre Mutter am Krankenbett daraufhin ihre Patientenverfügung, die aus dem Jahr 2005 stammt, in punkto Dialyse-Wunsch erneut bestätigen. Handschriftlich, denn außer Stift und Block ist nichts da. Sie weiß: „Wird das Blut meiner Mama nicht gereinigt, stirbt sie!“ Doch vergebens: Es gibt trotz wiederholten Wunsches keine Dialyse. Den genauen Grund dafür erfährt sie nicht. Ein Klinikums-Sprecher teilte mit, „dass jeder Patient bei uns eine Dialysebehandlung erhält, wenn diese medizinisch begründet ist – unabhängig vom Alter“.

Patientenverfügung und Vollmacht: Darauf muss man achten!

Dann der nächste Schock für Astrid S.: Sie verliert das Betreuungsrecht für ihre Mutter im medizinischen Bereich und auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Die Klinik habe beim Gericht einen medizinischen Vormund beantragt. „Das ging sehr schnell, quasi übers Wochenende“, sagt Anwalt Hardinger. Deshalb sei der Beschluss erst einmal nur mündlich erteilt worden.

Astrid S. versteht die Welt nicht mehr. Schließlich hatte ihre Mutter in einer Betreuungsverfügung sie als Betreuerin bestimmt. Doch nun entscheidet ein Anwalt über das medizinische Wohl ihrer Mutter. Sie ist nur noch für die Finanzfragen zuständig.

Luise S. hat in der Klinik immer noch keine Dialyse bekommen, es geht ihr zusehends schlechter. Täglich besucht Astrid S. nach ihrer Arbeit an der Uni München ihre Mutter. Doch Mitte vergangener Woche ist die 90-Jährige plötzlich nicht mehr in ihrem Zimmer. Sie wurde ins Christophorus-Hospiz der Barmherzigen Brüder verlegt. Er habe dies aber nicht angeordnet, erklärt der medizinische Vormund auf Nachfrage der tz. Weiter wollte er sich zu dem Vorfall nicht äußern.

Auf Druck von Astrid S.’s Anwalt kommt die Mutter am vergangenen Freitag wieder nach Schwabing. Zudem sprach sich der medizinische Vormund für die Dialyse aus. „Doch wieder passiert nichts“, hadert die Tochter. Schließlich stirbt Luise S. am Montag.

Das Klinikum Schwabing möchte sich zu dem Fall im Detail nicht weiter äußern und beruft sich auf die ärztliche Schweigepflicht.

Astrid S. hat mittlerweile die Polizei eingeschaltet. Bei der Staatsanwaltschaft München I läuft ein sogenanntes Todesermittlungserfahren. „Wir prüfen derzeit, ob es Anhaltspunkte für eine Fremdverschulden gibt“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Luise S.’s Tod ist nun ein Fall für die Rechtsmedizin.

Eva Dobler

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