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In der Kapsel sind zwei Kameras. Sie sollen alle Falten des Dickdarms abfilmen

Kapsel als Alternative zur Darmspiegelung?

Diese Kamera-Tablette kann Leben retten

München - Es hat ein bisserl was von Science Fiction – das sagt auch der AOK-Chef. Dr. Helmut Platzer hat eine Kapsel vor sich auf dem Tisch. Ein Tablette, die blau blinkt.

Diese Kapsel, die eine Kamera enthält, soll eine zusätzliche Waffe in der Darmkrebsvorsorge werden. Gestern stellten Experten das Gerät in München vor.

Bisher ist die Darmspiegelung die gewöhnliche Methode zur Früherkennung. Doch viele Patienten finden das „irgendwie greislig“, wie Platzer sagt. Darum gehen die wenigsten freiwillig zur Vorsorge. Dabei erkranken allein in Bayern jährlich rund 10 000 Menschen an Dickdarmkrebs. Es ist die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland.

Mit der neuen Tablette soll die Bereitschaft zur Vorsorge steigen. „Die Kapsel ist nicht schmerzhaft“, sagt Marwan Khoury vom Medizinischen Versorgungszentrum Hochfranken (siehe auch Interview auf dieser Seite). In der Region Hof (besonders hohe Darmkrebsrate) hat die AOK jetzt ein zweijähriges Pilotprojekt gestartet. Bei Erfolg soll die Kapsel in ganz Bayern zum Einsatz kommen.

Die Tablette ist etwas dicker als ein Bleistift und etwa so lang wie ein Daumennagel. Sie wandert durch Magen und Dünn- in den Dickdarm, danach wird sie ausgeschieden. An den Enden sind Kameras integriert, die Bewegtbilder an einen Rekorder senden. Wie ein Handy, nur mit weniger Strahlung, so der Hersteller.

Den Rekorder trägt der Patient am Gürtel – so kann man die Zeit der Untersuchung daheim verbringen. Der Doktor sucht später auf den Bildern nach Polypen, die nach einer Entwicklungszeit von sieben bis zehn Jahren zum Krebs werden. Die Kapsel wurde in mehreren Studien getestet. „Sie ist sehr zuverlässig“, berichtet Khoury. Nebenbei würde die Kapsel der AOK viel Geld sparen. Die Kasse zahlt aktuell knapp 700 Euro pro Kapsel. „Ein festgestellter Darmkrebs kostet 100 000 Euro“, sagt Khoury.

Das Wichtigste ist dem Mediziner aber, den Menschen zu helfen. Jährlich 29 000 Menschen sterben hierzulande an Darmkrebs. Durch eine frühe Diagnose der Erkrankung würden die Chancen auf erfolgreiche Behandlung steigen. Da soll die Kapsel helfen.

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"Nach vier bis sechs Stunden ist die Kapsel raus"

Herr Khoury, seit 1. August läuft das Pilotprojekt. Wie wird es angenommen?

Dr. Marwan Khoury (Projektbetreuer): Viele haben seitdem bei uns angerufen. Unsere Termine zur Kapsel-Endoskopie sind bis Ende August ausgebucht.

Wie gut ist denn nun die Kapsel?

Khoury: Untersuchungen ergaben, dass sie zur Koloskopie ( Darmspiegelung, die Redaktion) diagnostisch vergleichbar ist. Sie ist außerdem nicht schmerzhaft, darum ist die Akzeptanz für die Vorsorge höher.

Worauf muss man bei der Einnahme achten?

Khoury: Man sollte an diesem Tag einen halben Liter Abführmittel trinken - vor dem Schlucken und nachdem sie durch den Dünndarm ist. Damit soll sichergestellt werden, dass die Kapsel schnell genug durch den Dickdarm wandert. Die Kapsel hat für ihre Kameras zehn Stunden Batterie.

Wohin sendet die Kapsel die Bilder?

Khoury: Der Patient bekommt einen Gürtel, darauf ist der Sensor. Der Patient nimmt alles mit und kann nach Hause gehen. Nach vier bis sechs Stunden ist die Kapsel raus. Der Arzt analysiert später die Bilder.

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