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Ernestine Haaser mit ihrem Arzt Dr. Heinz ­Röttinger (rechts) und Physiotherapeut Sebastian Faul.

“Hatte ein bisserl Bammel“

Diese Münchnerin bekam zu ihrem 100. eine neue Hüfte

München - Bei einem Sturz hatte sich Ernestine Haaser einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen. So kam eine Münchnerin wieder auf die Beine:

Diese Frage treibt viele Senioren um: Wann ist man zu alt für ein künstliches Gelenk? „Eigentlich nie! Jedenfalls spricht nichts dagegen, solange das Herz-Kreislaufsystem intakt ist und eine relativ risikoarme Operation zulässt“, antworten Experten wie Dr. Heinz Röttinger. Der erfahrene Chefarzt im Chirurgischen Klinikum München-Süd hat jetzt seiner bislang ältesten Patientin eine neue Hüfte eingesetzt: Rechtzeitig zu ihrem 100. Geburtstag am Donnerstag kann Ernestine Haaser schon wieder vorsichtig laufen. Schritt für Schritt geht’s für die Jubilarin zurück in den Alltag.

Während viele Patienten infolge starker Arthrose ihre Endoprothese erhalten, war der Eingriff bei der gebürtigen Münchnerin einem Unfall geschuldet. Sie hatte sich bei einem Sturz den Oberschenkelhalsknochen gebrochen. Das Einsetzen einer neuen Hüfte war die Therapie der ersten Wahl, um die hochbetagte Dame wieder auf die Beine zu bringen. Ohne die OP wäre sie wahrscheinlich zur Bettlägrigkeit verdammt gewesen.

Denn Verletzungen wie ein gebrochener Oberschenkelhals entpuppen sich bei Senioren immer wieder als problematisch. Die Schrauben und Platten, die zur Stabilisierung des gebrochenen Knochens nötig sind, lassen sich oft nicht mehr belastbar verankern. Eine Folge der im Alter nachlassenden Knochenqualität. Gerade Frauen, die an Osteoporose (Knochenschwund) leiden, sind davon besonders häufig betroffen. „Das Risiko von Komplikationen ist hoch“, weiß Dr. Röttinger. „Deshalb ersetzt man bei Patienten über 65 Jahren, die sich den Schenkelhals gebrochen haben, in den meisten Fällen gleich das gesamte Hüftgelenk.“

Im Falle von Ernestine Haaser verlief der Eingriff reibungslos. Nach 45 Minuten im OP der früheren Rinecker-Klinik hatte sie das Schlimmste überstanden. Schon am Tag danach konnte sie wieder aufstehen und erste Gehübungen machen. „Diese sogenannte Frühmobilisation ist ganz wichtig, damit die Patienten ihre Beweglichkeit erhalten und schnell in den gewohnten Alltag zurückkehren können. Damit behalten sie auch ihre Selbstständigkeit und Lebensqualität“, erläutert der renommierte Endoprothetiker.

Ernestine Haase ist mit dem Ergebnis zufrieden

Seine bislang älteste Patientin ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden. „Mir geht’s gut. Ich bin erleichtert, dass alles so gut gelaufen ist“, erzählt sie der tz. „Denn ich muss schon gestehen, dass ich vor dieser Operation ein bisserl Bammel hatte.“

Dass sie die OP und auch die Narkose so prima verkraftet hat, verdankt Ernestine Haaser neben professioneller medizinischer Betreuung auch einer guten Gesundheit – vor allem mit Blick auf ihr biblisches Alter. „Mir fehlt eigentlich nichts“, sagt sie, „vielleicht auch deshalb, weil ich mich immer gesund ernährt und viel bewegt habe.“ So zählten Schwimmen (oft im Starnberger See) und Bergwanderungen – neben der Kunst – zu ihren liebsten Freizeitbeschäftigungen. Wann immer sich die Gelegenheit ergab, zog es die ledige Beamtin bei der Stadtverwaltung in die Münchner Hausberge. „Besonders gerne war ich am Spitzingsee unterwegs, bin zum Beispiel oft auf die Brecherspitze gegangen.“ Immer wieder steuerte sie auch den Wallberg an. Aber anders als mancher hungrige Kraxler verdrückte sie auf der Hütte keinen Schweinsbraten mit Knödel oder Schnitzel, sondern meist Gemüsegerichte oder Salat. „Ich habe immer auf Fleisch verzichtet.“

Nach der OP ist sie nun rechtzeitig wieder fit, um einen besonderen Gipfel in Angriff zu nehmen: ihren 100. Den feiert sie heute im Seniorenheim in der Grünwalder Straße. „Dort fühle ich mich wohl“, sagt Ernestine Haaser, „Gott sei Dank kann ich weiter täglich ein paar Schritte machen.“ Vielleicht ihr schönstes Geburtstagsgeschenk. 

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