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Starke Bauchschmerzen können viele Ursachen haben. Eine davon liegt im Darm, auf der Illustration orange dargestellt. Bilden sich darin Ausstülpungen, sogenannte Divertikel, sammelt sich Stuhl darin und es kommt leicht zu Entzündungen. Die Folge: Heftige Schmerzen – und zwar vor allem auf der linken Bauchseite.

Alarm im Darm

Divertikel: Was Sie bei Ausstülpungen im Darm tun können

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Kleine Ausstülpungen der Darmschleimhaut finden sich vor allem bei älteren Menschen. Eine Expertin erklärt, was zu tun ist, wenn diese sich entzünden.

Viele Veränderungen im Körper bleiben lange unbemerkt – bis sie Probleme machen. Divertikel im Darm sind so ein Fall. "Mehr als 60 Prozent der über 70-Jährigen haben diese erworbenen Ausstülpungen im Darm", sagt Prof. Brigitte Mayinger, Chefärztin für Innere Medizin am Helios Klinikum München West in Pasing. "Divertikel betreffen aber zunehmend auch jüngere Patienten und sie können zu Beschwerden führen." Schuld an der Bildung der Darmsäckchen sei dabei oft der Lebensstil – das Risiko hierfür steigt, wenn man sich ballaststoffarm ernährt, übergewichtig ist und sich zu wenig bewegt.

Divertikulose und Divertikulitis: Was ist eigentlich der Unterschied?

Prof. Brigitte Mayinger erklärt ist Chefärztin für Innere Medizin am Helios Klinikum München West in Pasing.

Von einer "Divertikulose" spricht man, wenn sich Aussackungen in der Darmschleimhaut gebildet haben. Das allein ist aber noch kein Fall für den Arzt. Betroffene haben allerdings ein gewisses Risiko: Die Säckchen können sich mit keimbelastetem Stuhl und mit "Kotsteinen" füllen, also steinhart gewordenem Stuhl. Dies kann zu einer "Divertikulitis" führen, einer Entzündung der Darmwand.

Diese ist erst meist lokal, kann sich aber stark ausdehnen und muss dringend behandelt werden. Es droht ein Darmdurchbruch, dabei können Bakterien und Stuhl in die Bauchhöhle gelangen. Und: Entzündliche Schübe können sich wiederholen und zu chronischen Vernarbungen und Engstellen im Darm führen. Bei einer Divertikulose kann es zudem zu Blutungen kommen, nämlich wenn Blutgefäße am Divertikelhals plötzlich reißen.

Woran erkennt man entzündete Divertikel?

Erste Anzeichen einer akuten Entzündung sind leichte, ziehende Schmerzen im linken Unterbauch oder oberhalb der Harnblase. Betroffen ist nämlich in aller Regel der linksseitige Abschnitt des Dickdarms. Im fortgeschrittenen Stadium haben Patienten auch bei Erschütterung Schmerzen, also etwa beim Laufen. Drückt man auf den linken Unterbauch, ist das sehr schmerzhaft. Mediziner sprechen von einer "Linksseiten-Appendizitis" – weil sich die Beschwerden wie eine Blinddarmentzündung anfühlen, nur eben auf der anderen Seite. Auch Fieber und erhöhte Entzündungswerte im Blut deuten auf eine schwere Entzündung hin.

Solche Beschwerden können auf viele Ursachen hindeuten. Wie findet der Arzt die richtige?

"Manchmal werden diese Symptome fehlinterpretiert", sagt Expertin Mayinger. Ähnliche Beschwerden könnten durch eine schwere Blasenentzündung, bei Frauen auch durch eine Eierstockentzündung hervorgerufen werden. "In aller Regel sind Patienten mit einer Divertikulitis älter als 50 Jahre", sagt Mayinger. "Wir sehen aber eben auch zunehmend jüngere Patienten mit diesem Krankheitsbild."

Bei der Basisuntersuchung tastet der Arzt den Bauch ab und horcht ihn ab. Die Körpertemperatur wird gemessen, zudem die Entzündungswerte im Blut bestimmt und eine Urin-Analyse durch geführt. Ein erfahrener Arzt kann die entzündete Darmwand per Ultraschall erkennen. Die Computertomografie sei aber das sicherste Diagnoseinstrument. Eine Darmspiegelung sei bei einer akuten Divertikulitis nicht sinnvoll, sagt Mayinger. Sie sollte gegebenenfalls nach dem Abklingen der Entzündung erfolgen.

Welche Therapie hilft den Betroffenen?

Grundsätzlich wird eine unkomplizierte akute Divertikulitis zunächst "konservativ" behandelt, also ohne Operation. Das bedeutet aber: Nulldiät. Zumindest in den ersten Tagen dürfen Patienten nichts essen, da Stuhlgang und eine vermehrte Darmaktivität die Entzündung verstärken können.

Stattdessen heißt es: viel trinken! Die Patienten bekommen eine Abführlösung und Antibiotika. Ist die Entzündung lokal, muss der Patient oft nicht in die Klinik. Anders, wenn diese ausgedehnt ist, sich ein Abszess gebildet hat oder auch bei einem Riss der Darmwand. Wenn der Patient nicht auf die konservative Therapie anspricht oder bei einem Darmdurchbruch, ist eine OP nötig.

Welche Folgen hat eine chronische Erkrankung?

Kommt es immer wieder zu Entzündungen, kann das zu Vernarbungen, Verwachsungen und Engstellen des Darmes führen. Betroffene haben oft Bauchschmerzen und erhebliche Beschwerden mit dem Stuhlgang. Verstopfung ist die Folge. "Gerade ältere Patienten gewöhnen sich an diesen Zustand und nehmen oft dauerhaft Abführmittel", sagt Mayinger. Das kann aber richtig gefährlich werden. Dann nämlich, wenn es zu einem Darmverschluss oder Darmdurchbruch kommt.

Wie hoch ist das Risiko bei Divertikeln?

In 70 Prozent der Fälle führen Divertikel nicht zu Beschwerden. Das bedeutet aber auch: 30 Prozent der Menschen mit Darmdivertikeln entwickeln eine Erkrankung. Bei fünf Prozent davon kommt es zu Komplikationen wie Abszessbildung, Verengungen, Fisteln oder einem Darmdurchbruch.

Gibt es Medikamente, die die Divertikelkrankheit fördern?

Ja. Dazu gehören etwa Kortison, Opioide und "nicht-steroidale Antirheumatika" (NSAR), also häufig angewandte Schmerzmittel wie zum Beispiel Ibuprofen oder Diclofenac. Auch Immunsuppressiva, wie sie nach einer Organtransplantation eingesetzt werden, erhöhen das Risiko.

Was müssen Betroffene wissen, die Gerinnungshemmer nehmen?

Vor allem viele ältere Menschen nehmen Gerinnungshemmer ("Blutverdünner") ein. Diese Arzneien erhöhen allgemein das Risiko für Blutungen: Reißt ein Blutgefäß am Divertikelhals, kann es zu schweren inneren Blutungen kommen. "Viele Patienten wissen wenig über dieses Risiko", warnt Mayinger.

Patienten mit chronischer Divertikulitis: Was hilft?

Ob eine OP Sinn mache, sei dabei eine sehr individuelle Entscheidung, sagt Mayinger. Galt früher die Devise "möglichst früh!", sei man heute zurückhaltender. "Wir beobachten den klinischen Verlauf und entscheiden dann gemeinsam mit dem Patienten und den Chirurgen, wann eine OP sinnvoll ist", sagt die Ärztin. Auch mit einer gesunden Lebensweise lassen sich der nächste Schub und eine chronische Erkrankung verhindern.

Haben sich bereits narbige Engstellen gebildet und führen Verwachsungen des Darmes zu Beschwerden, raten Ärzte zu einem Eingriff. Operiert wird meist durch kleine Zugänge, durch die die OP-Instrumente und eine Art Minikamera eingeführt werden. Der Arzt entfernt dabei den entzündeten Teil des Darms.

Welche Behandlung hilft Patienten mit chronischer Divertikulitis?

Haben sich bereits narbige Engstellen gebildet und führen Verwachsungen des Darmes zu Beschwerden, raten Ärzte zu einem Eingriff. Operiert wird meist durch kleine Zugänge, durch die die OP-Instrumente und eine Art Minikamera eingeführt werden. Der Arzt entfernt dabei den entzündeten Teil des Darms.

Ob eine OP Sinn mache, sei dabei eine sehr individuelle Entscheidung, sagt Mayinger. Galt früher die Devise "möglichst früh!", sei man heute zurückhaltender. "Wir beobachten den klinischen Verlauf und entscheiden dann gemeinsam mit dem Patienten und den Chirurgen, wann eine OP sinnvoll ist", sagt die Ärztin. Auch mit einer gesunden Lebensweise lassen sich der nächste Schub und eine chronische Erkrankung verhindern.

Kann man einer Divertikelbildung vorbeugen?

Im Alter sind Divertikel am Darm fast normal. Die kleinen Säckchen sind dann Folge einer altersbedingten Bindegewebsschwäche. Es gibt aber auch Risikofaktoren, die man beeinflussen kann. Der wichtigste: Meiden Sie Lebensmittel mit wenigen Ballaststoffen! Dazu gehören etwa Weißbrot, Hartweizennudeln, Süßigkeiten, Chips und viele Fertiggerichte. Diese lassen den Stuhl fest werden: Der Darm hat weniger zu tun, es kommt leicht zu einer Verstopfung.

Auch Übergewicht und Bewegungsmangel machen den Darm träge – das Risiko für Divertikel steigt. Ein weiterer Faktor können Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder chronische Nierenerkrankung sein.

Vollkornprodukte und Joghurt: So senken Sie Ihr Risiko!

Leinsamen helfen, den Stuhl weich zu halten – bei Divertikeln besonders wichtig.

Selbst wenn der Arzt Divertikel gefunden hat, müssen diese keine Beschwerden bereiten. Ein gesunder Lebensstil trägt dazu bei. Dazu gehört: Übergewicht abbauen, sich regelmäßig bewegen – bei der Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt man mindestens 150 Minuten pro Woche – und gesund essen.

Der Darm braucht vor allem ballaststoffreiche Kost. Sie macht den Stuhl weich, er kann den Darm dann besser und schneller passieren. Harter Stuhl führt dagegen zu Verstopfung – und erhöht den Druck auf die Divertikel, die sich dadurch entzünden oder reißen können.

Auf dem Speiseplan sollten zum Beispiel stehen: Vollkornnudeln und -mehl, Naturreis, Äpfel, Birnen oder Pflaumen, Brokkoli, Paprika und Tomaten. Joghurt, Kefir, Buttermilch oder Sauerkraut fördern zusätzlich die Verdauung. Schwer verdaulich sind dagegen Spargel, Kohlrabi, Steinobst, Kohl, Rhabarber oder Ananas.

Vorsicht: Viel rotes Fleisch und Rauchen können das Risiko für Divertikel sowie das Risiko für Komplikationen bei einer Entzündung erhöhen! Um Beschwerden zu lindern und das Risiko für Entzündungen zu senken, rät man bei der Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention: Täglich Haferkleie oder Leinsamen essen, die Dosis dabei langsam auf bis zu 40 Gramm steigern. Dazu sollten Sie genug trinken– täglich etwa 1,5 bis 2,5 Liter stilles Wasser, ungesüßten Tee oder stark verdünnte Saftschorlen.

Lesen Sie außerdem, wie Sie sich vor EHEC-Erregern schützen können.

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Von Nadja Katzenberger

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