+
Die 22-Jährige Beth Goodier ist ein reales Dornröschen. Seit zweieinhalb Monaten ist sie nicht mehr aufgewacht.

Sie hatte so große Pläne!

„Dornröschen-Syndrom“: 22-Jährige schläft seit Monaten

  • schließen

Stockport - Die 22-Jährige Beth Goodier leidet unter dem „Dornröschen-Syndrom“ und verbringt 75 Prozent ihres Lebens schlafend. Was wie ein Märchen klingt, ist für alle Betroffenen jedoch ein Albtraum.

Im Märchen schläft Dornröschen 100 Jahre lang, ohne aufzuwachen, bis sie schließlich von einem Prinzen wachgeküsst wird. In der Realität ist das "Dornröschen-Syndrom", im Fachbegriff "Kleine-Levin-Syndrom“ (KSL) genannt, allerdings eine ebenso seltene wie ernstzunehmende Krankheit. Wie schlimm sich diese auswirken kann, zeigt nun das Beispiel der 22-Jährigen Beth Goodier, aus dem britischen Stockport. Sie ist seit Monaten nicht mehr aufgewacht.

This is my real account. I made it to connect with you guys :)

Ein von Beth Goodier (@beth_goodier) gepostetes Foto am

Nur etwa 1000 Betroffene weltweit

Bereits im Jahr 2011 war bei der damals 16-Jährigen die seltene Krankheit diagnostiziert worden, nachdem Beth wochenlang über Müdigkeit und Erschöpfung geklagt hatte. Irgendwann schlief sie schließlich einfach ein, und ihre Mutter schaffte es in keinster Weise, sie wieder aufzuwecken, so berichtet die Daily Mail. Sie habe „nur gebrabbelt, im Tonfall einer Fünfjährigen“, so die Mutter Janine Goodier (48). Die Ärzte vermuteten zunächst einen Hirntumor. 

Tatsächlich aber hatte eine frühere Mandelentzündung eine weitere Entzündung in den Gehirnbereichen des Thalamus und Hypothalamus verursacht und somit das „Dornröschen-Syndrom“ ausgelöst, denn diese Hirnbereiche sind für den Schlaf und die Sensorik zuständig. Nur etwa 1000 Fälle der Erkrankung sind weltweit bekannt. Betroffene schlafen bis zu 22 Stunden am Tag. Etwa zwölfmal pro Jahr fallen sie in besonders lange Schlafphasen, die normalerweise zwischen sieben und 14 Tagen andauern.

When I was having test in hospital. Took a while to get all the glue off! #kleinelevinsyndrome

Ein von Beth Goodier (@beth_goodier) gepostetes Foto am

Seit zweieinhalb Monaten keine Wachphase

Beth schläft nun allerdings bereits seit dem 13. September 2016, also seit zweieinhalb Monaten. Wann sie wieder aufwacht, kann man nicht sagen. Mutter Janine hat bereits ihren Job aufgegeben, um rund um die Uhr bei ihrer Tochter sein zu können - selbst wenn diese davon kaum etwas mitbekommt.

Wenn Beth schläft, schlafwandelt sie. "Beth schleicht wie in Trance durch das Haus, geht auf die Toilette und nimmt das Essen, was ihr über den kompletten Tag fehlt, zu sich", erzählt Janine Goodier. Keine lauten Geräusche, kein zwanghaftes Wecken und keine Medikamente können Beth aus ihrer Traumwelt befreien.

Die Mutter leidet mit ihrer jungen und schönen Tochter mit, die so viele Pläne im Leben hatte, die zur Zeit nicht realisierbar sind.  "Das härteste Jahr war, als ihre Freunde mit dem A-Level (in Deutschland vergleichbar mit dem Abitur, Anm. d. Red.) abschlossen und anfingen zur Uni zu gehen, denn Beth wusste, als sie wach wurde, dass sie eigentlich da dazugehören sollte, und es verletzte sie sehr“, berichtet die Mutter. 

Beth wollte studieren und Kinderpsychologin werden. Doch das ist unmöglich. Seit der Diagnose hatte die junge Frau kaum wache Momente. Und selbst diese sind nicht ungetrübt: "Das schlimmste Symptom dieser Krankheit ist die Verwirrung. Wenn sie für ein paar Stunden am Tag wach ist, weiß sie plötzlich nicht mehr, wo sie sich befindet und ist sehr aufgewühlt.“ 

Ihr Prinz ist an ihrer Seite

Neben ihrer Mutter gibt es allerdings noch eine weitere Person, die jede freie Minute am Bett der schlafenden Beth wacht, nämlich ihren Freund. Seit drei Jahren sind die beiden bereits ein Paar. „Wenn sie wach ist, führen sie eine ganz normale erwachsene Beziehung. Er ist ein guter Mann“, sagt Mama Janine. Der 25-jährige Grundschullehrer besucht seine dauerschlafende Freundin aktuell so oft es ihm möglich ist. “Fast jeden Tag kommt er, setzt sich zu ihr, redet mit ihr und wartet darauf, dass das Mädchen, in das er sich verliebt hat, zurück kommt“, sagt Janine Goodier. Wachküssen konnte er seine Prinzessin bislang jedoch nicht. 

Trotz der aktuell akuten Situation, gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer: Bei einigen Patienten, die am „Dornröschen-Syndrom“ litten, verschwanden die Symptome so plötzlich, wie sie gekommen waren. Es besteht also die Möglichkeit, dass Beth eines Tages wieder gesund wird und endlich das Leben auskosten kann, dass sie zur Zeit fast nur im Schlaf erlebt.

kah

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nächtlicher Husten: Asthmatiker sollten mit Arzt sprechen
Wenn Asthmatiker nachts von Hustenattacken gequält werden, sollten sie immer einen Arzt aufsuchen. Denn hinter nächtlichem Husten kann vieles stecken.
Nächtlicher Husten: Asthmatiker sollten mit Arzt sprechen
Die Krätze ist auf dem Vormarsch - und sie ist hochansteckend
Die Krätze kommt wieder stärker denn je, behaupten Dermatologen. Die juckende Hauterkrankung ist nicht nur nervig – sondern auch gefährlich.
Die Krätze ist auf dem Vormarsch - und sie ist hochansteckend
Mann hat riesiges Loch im Schädel - wegen zu vieler Energydrinks
Energy-Drinks machen munter, schmecken süß und sind beliebte Alltag- und Partydrinks. Doch diese bewegende Geschichte erzählt die dunkle Seite der Koffein-Booster.
Mann hat riesiges Loch im Schädel - wegen zu vieler Energydrinks
Auch Kinder können eine Reha in Anspruch nehmen
Nach einer Operation steht bei Erwachsenen oft eine Reha an. Was für die Großen selbstverständlich ist, gilt auch für die Kleinen. Für Kinder werden verschiedene …
Auch Kinder können eine Reha in Anspruch nehmen

Kommentare