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Harmlos oder Hautkrebs? Ganz genau kontrolliert dieser Arzt ein Muttermal bei einem Patienten.

Frühe Diagnose ist wichtig

Die dunkle Seite der Sonne: Das rät der Experte, um Hautkrebs schnell zu erkennen

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Immer mehr Menschen in Deutschland bekommen die Diagnose schwarzer Hautkrebs. Im besten Fall bringt dann ein kleiner Eingriff bereits Heilung. Doch der Hauttumor neigt dazu, schon früh in andere Organe zu streuen. Wie sich das verhindern lässt, erklärt unser Experte.

Vor ein paar Wochen war da nur ein dunkler Fleck auf der Schulter: ein Muttermal unter vielen – scheinbar harmlos. Doch jetzt sieht es irgendwie anders aus, etwas größer vielleicht. Auch die Farbe ist nicht mehr so gleichmäßig braun wie zuvor.

In so einem Fall sollte man zügig zum Arzt gehen, rät Prof. Lars E. French, seit November neuer Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Klinikum der Universität München (LMU). Verändere sich ein Muttermal in irgendeiner Weise, könne das nämlich ein Hinweis auf ein „malignes Melanom“ sein, auf schwarzen Hautkrebs also – eine Diagnose, die hierzulande immer häufiger gestellt wird. „Man schätzt, dass die Zunahme jährlich bei ungefähr fünf Prozent liegt“, sagt French. Hier verrät er, wie Sie Hautkrebs rechtzeitig erkennen.

Prof. Lars E. French, Direktor der Dermatologie und Allergologie am Klinikum der Universität München.

Warum ist es gerade bei schwarzem Hautkrebs wichtig, schnell zu sein?

Zunächst muss man wissen, dass es verschiedene Arten von Hautkrebs gibt: Heller Hautkrebs entsteht aus Plattenepithel- oder Basalzellen der Haut, die kein Pigment produzieren. Er wächst langsam und bildet nur selten Metastasen. Anders ist das bei schwarzem Hautkrebs, der sich aus meist dunklen Pigmentzellen entwickelt: Zwar lasse sich der sehr gut behandeln, doch dazu muss man ihn rechtzeitig erkennen. Wächst nämlich der Tumor unbemerkt in tiefere Hautschichten, wird nicht nur die Therapie aufwendiger. Auch das Risiko, dass sich Ableger in anderen Organen bilden, steigt – „und solche Metastasen sind wirklich lebensgefährlich“, warnt French.

Welche Anzeichen machen ein Muttermal verdächtig?

Veränderungen sind immer verdächtig. Das gilt auch, wenn ein Leberfleck asymmetrisch ist oder einen unregelmäßigen, unscharfen Rand hat. Auffällig sind auch Flecken, deren Farbe nicht überall gleich ist: Sie sind dann zum Beispiel an einer Stelle eher grau oder haben einen schwarzen Punkt. Sehr große angeborene Muttermale sollte man ebenfalls kontrollieren lassen. Wichtig zu wissen: Es gibt auch „maligne Melanome“, die hautfarben sind, allerdings selten. Darum sollte man argwöhnisch werden, wenn sich unpigmentierte Hautflecken verändern.

Helfen Smartphone-Apps und künstliche Intelligenz bei der Einschätzung?

Den verdächtigen Fleck mit der Handykamera fotografieren, schon zeigt ein Miniprogramm auf dem Smartphone an, ob das Muttermal harmlos ist oder ein Fall für den Arzt: Das versprechen Anbieter diverser Hautkrebs-Apps. Solche digitalen Werkzeuge können eine gute Hilfe sein, wenn der Fall recht klar ist, sagt French. Die Einschätzung eines Facharztes können sie aber nicht ersetzen. „Das Risiko trägt der Patient“, warnt French. Denn: „Das ist ein Bereich, der noch in der Entwicklung ist.“ Aber: „Digitalisierung und künstliche Intelligenz werden hier einmal so gut sein wie der Facharzt“, prophezeit French.

Sollte man seine Haut regelmäßig überprüfen?

Veränderungen an Muttermalen fallen nur auf, wenn man genau hinschaut. Am besten überprüft man seine Haut daher selbst hin und wieder. „Nicht jeden Tag, aber drei bis vier Mal pro Jahr wäre sinnvoll“, sagt French. Für Hautstellen, die schwer einsehbar sind, kann man einen Spiegel nehmen. Oder: Man bittet den Partner, die Haut am Rücken zu überprüfen. Die Selbstuntersuchung ist eine gute Ergänzung zur Früherkennung beim Arzt.

Was wird bei der Früherkennung gemacht?

Seit 2008 können sich gesetzlich versicherte Patienten ab dem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre auf verdächtige Hautveränderungen untersuchen lassen. Der Arzt kontrolliert die Haut dabei von Kopf bis Fuß – im Wortsinn: Er schaut sich nämlich selbst Kopfhaut und Fußsohlen an. Angeboten wird die Früherkennung von Hausärzten mit einer entsprechenden Weiterbildung und von Hautärzten. Die Krankenkassen bezahlen dabei nur die Untersuchung mit bloßem Auge. Für Menschen ohne erhöhtes Risiko sei das auch ausreichend, findet French. Wünschen sich Patienten, dass der Arzt bei der Untersuchung ein „Dermatoskop“, also ein Auflichtmikroskop, einsetzt, müssen sie das selbst bezahlen. Das spezielle Licht dieser Lupen erlaube es dem Arzt, Strukturen unter der Hornhaut zu erkennen, erklärt der Experte. Das könne die diagnostische Sicherheit erhöhen. Manche Hautärzte setzen auch ein „digitales Dermatoskop“ ein: Die Aufnahmen werden auf einen Bildschirm übertragen und darauf vergrößert dargestellt. So lassen sie sich besser beurteilen – und die Bilder für den nächsten Arztbesuch speichern: Beim direkten Vergleich fallen dann schon kleine Veränderungen auf.

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Für wen lohnen sich solche Extra-Angebote?

Kostenpflichtige Angebote lohnen sich unserem Experten zufolge vor allem für Menschen mit höherem Risiko. Dazu gehört, wer eher helle Haut, viele Muttermale hat oder bereits viele Sonnenbrände hatte. Auch, wenn nahe Angehörige an Hautkrebs erkrankt waren, ist das Risiko höher. Ebenso, wenn bei einem selbst bereits verdächtige Muttermale entfernt wurden, die Krebsvorstufen enthielten.

Wie prüft der Arzt den Verdacht auf Hautkrebs?

Dazu muss er das Muttermal entfernen: Der Patient erhält per Spritze eine örtliche Betäubung, dann wird der betroffene Bereich entfernt. Das Gewebe wird von Experten unter dem Mikroskop genau untersucht. Handelt es sich tatsächlich um ein Melanom, war dieses aber unter 0,8 Millimeter dünn, reicht meist eine „Nachexzision“: Der Arzt entfernt also zur Sicherheit zusätzlich etwas gesundes Gewebe. So will er verhindern, dass doch noch irgendwo bösartige Zellen zurückgeblieben sind, die einen neuen Tumor bilden können. Im besten Fall ist die Therapie damit aber abgeschlossen. Nötig sind dann nur noch regelmäßige Kontrollen. Die Prognose ist meist sehr gut, wenn der Krebs so früh erkannt wird. Zehn Jahre nach der Diagnose leben French zufolge ca. 95 Prozent der Patienten, bei denen ein Tumor mit einer Dicke bis zu einem Millimeter entdeckt wurde und sich noch keine Metastasen gebildet haben.

Wie schließt man aus, dass der Tumor gestreut hat?

Bei sehr dünnen Tumoren reicht meist eine klinische Untersuchung, die durch einen Ultraschall der Lymphknoten ergänzt werden kann. Ist das entfernte Melanom dicker, ist eine Schnittbildgebung, zum Beispiel per Computertomografie (CT), nötig, um Metastasen auszuschließen. Bei Tumoren ab einer Dicke von 0,8 Millimetern wird zudem der „Wächterlymphknoten“ entfernt und untersucht – so nennt man den Lymphknoten, den die Lymphflüssigkeit vom Tumor her kommend als Erstes erreicht. Finden sich darin Krebszellen, muss den Betroffenen zur Sicherheit meist eine ergänzende medikamentöse Therapie verabreicht werden. Solche zielgerichteten medikamentösen oder Immuno-Therapien verbessern die Prognose heute auch bei Patienten, bei denen Metastasen in Lymphknoten anderen Organen gefunden wurden.

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