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Für viele Raucher ist die E-Zigarette inzwischen zur Alternative geworden.

Raucher suchen nach Alternativen 

Ist die E-Zigarette wirklich gesünder als die Kippe?

München - Das Rauchen steht in der Kritik, trotzdem bleibt Nikotin für viele ein geliebtes Genussmittel. Die E-Zigarette verspricht verheißungsvoll, unschädlich zu sein. Wir prüfen, ob das stimmt.

Rauchen ist ungesund. Soweit der Konsens. Die, die trotzdem rauchen, beharren auf ihrem Recht, frei über ihre Gesundheit zu verfügen. Trotzdem drängen "gesündere" Alternativen auf den Markt - und die scheinen besonders bei Ex-Rauchern gut anzukommen.

Die E-Zigarette beispielsweise eroberte im Jahr 2007 den Weltmarkt. Seither hat sie auch die Herzen einer beträchtlichen Zahl ehemaliger Raucher gewonnen. Der Markt boomt und die Gemeinschaft der Dampfer wird immer größer. Die meisten sind ehemalige Zigarettenkonsumenten, die aus den verschiedensten Gründen umsteigen. In einem Film des Wissensmagazins „Welt der Wunder“ gibt Versuchsperson Birgit beispielsweise an, ganz mit dem Rauchen aufhören zu wollen. Benedikt hingegen stört einfach der Gestank. Beide möchten die E-Zigarette für sich ausprobieren, denn sie wollen eigentlich nicht auf Nikotin verzichten - und das ist ja auch in vielen E-Zigaretten drin.

Raucher-Rituale sind wichtig

Aber warum greifen sie nicht zu Nikotinpflastern oder -kaugummis? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Lieb gewonnene Rituale und Gewohnheiten will man nicht einfach über Bord werfen. Man hört auch immer wieder von eingefleischten Rauchern: "Raucher sind die geselligeren Menschen", "Raucher haben mehr Freunde" oder auch "Raucher teilen gerne". Ein junger Berliner griff diese Slogans auf und gründete ein Start-Up-Unternehmen, das Aufkleber für Zigarettenschachteln herstellt. Sie sollen die unschönen Schockbilder verdecken, die seit 2016 auf den Verpackungen prangen. Man will also irgendwie "Raucher" bleiben, mal für fünf Minuten auf ne kurze Zigarette nach draußen verschwinden, aber dabei das gesundheitliche Risiko reduzieren.

Für viele Menschen ist die E-Zigarette also das, was Pflaster und Bonbons niemals sein werden: Sie ist eine Pseudo-Zigarette. Man kann an ihr ziehen und sie in der Hand halten wie eine Kippe. Nur eben eine gesündere. Das hoffen zumindest Fans der Dampfgeräte. Gesicherte medizinische Erkenntnisse liegen noch nicht vor. E-Zigarettenhersteller verweisen gerne auf Einzelstudien, von denen es mittlerweile einige gibt. Sie können jedoch keine Langzeitstudien ersetzen. Das Problem: Man weiß nicht, wie genau die inhalierten Stoffe im Körper wirken.

E-Zigaretten schädlich? Vergleich zur normalen Zigarette

Bei einer normalen Zigarette wird Papier und Tabak verbrannt. Dabei entstehen viele schädliche Stoffe wie Kohlenmonoxid, Stickstoffoxide und Schwefeloxid. Zigarettenraucher atmen diese Verbrennungsprodukte mit jedem Zug ein. Die E-Zigarette kommt ganz ohne Rauch aus und enthält daher keinen der genannten Schadstoffe.

Die E-Zigaretten funktionieren ähnlich wie Nebelmaschinen in Diskotheken. Propylenglycol ist die Basis und der Trägerstoff für das Nikotin. Die Flüssigkeit wird erhitzt und zerstäubt. Die Propylenglycol-Partikel verbinden sich mit dem Nikotin und werden mit dem Dampf eingeatmet. Über die Wirkung der vielen Zusätze und des Trägerstoffs Propylenglycol sind sich die Forscher noch nicht einig. Die meisten Ärzte vermuten aber, dass das Propylenglycol unschädlich ist. Man findet es auch als Zusatz in Tabletten und Kaugummis oder in Kosmetikprodukten. Das eigentliche Problem könnten die Aromastoffe sein. Meist ist nicht klar, wie der Körper auf die Stoffe reagiert. Bei Lebensmitteln dürfen nur zugelassene Aromastoffe verwendet werden. Für die Liquids jedoch gibt es bisher keine Beschränkungen. 

E-Zigarette schädlich? Das sagt das Krebsforschungszentrum

Das deutsche Krebsforschungszentrum hat bereits 2014 eine Stellungnahme zur Kontroverse um die Ersatz-Zigarette veröffentlicht. Die Wissenschaftler stützen sich dabei auf zahlreiche Einzelstudien zu dem Thema. Darin heißt es einerseits, eine Langzeitgefährdung durch den E-Zigarettenkonsum könne nicht ausgeschlossen werden. Die Wissenschaftler stellen vorweg klar, dass Nikotin ein bedenklicher Stoff sei. Nikotin macht nachweislich abhängig und steht im Verdacht, Krebs zu fördern. In dieser Hinsicht seien nikotinhaltige E-Zigaretten definitiv ein Gesundheitsrisiko.

Andererseits wird festgestellt, dass E-Zigaretten weniger schädlich seien als herkömmliche Zigaretten. Für Nichtraucher sei das Dampfen trotzdem nicht zu empfehlen, denn man inhaliere ein mehr oder weniger unbekanntes Chemikaliengemisch. Den Freunden der elektrischen Zigarette bleibt also nichts anderes übrig, als erstmal zu vertrauen und zu hoffen, dass der Umstieg auf die rauchfreie Variante die richtige Wahl ist. Frei nach dem Motto: "Basst scho."

lg

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