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Das Ebola-Virus kann hämorrhagisches - mit Blutungen einhergehendes - Fieber auslösen.

Große Skepsis bei Experten

Russland will Ebola-Mittel bei WHO präsentieren

Seit Jahrzehnten sucht die Weltgemeinschaft händeringend nach einem Mittel gegen das tödliche Ebola-Virus. Russland will diese medizinische Wunderwaffe gefunden haben, doch es fehlen Beweise.

Russland nimmt für sich eine medizinische Sensation in Anspruch: Nichts Geringeres als einen wirksamen Impfstoff gegen Ebola wollen russische Wissenschaftler entwickelt haben. Präsident Wladimir Putin ging selbst an die Öffentlichkeit mit dieser guten Nachricht, nachdem der Jahresbeginn in Russland sonst eher von Hiobsbotschaften geprägt war - der Ölpreis fällt, der Rubel sackt ab, im Haushalt fehlt Geld. Der russische Wirkstoff sei einzigartig auf der Welt, schwärmte der Kremlchef in Moskau. Jedoch kennen weder ein deutscher Spitzenforscher noch die Weltgesundheitsorganisation WHO Daten dazu.

Medizinische Sensation aus Russland

Die Wissenschaft im Ausland reagierte entsprechend skeptisch. Gerade erst ist die Epidemie des Tropenfiebers in Westafrika mit 11 300 Toten vorbei. Die WHO hat Liberia am Donnerstag als letztes betroffenes Land für ebolafrei erklärt. Impfstoffe, an denen in vielen Ländern seit Jahren geforscht wird, kamen auch für diesen Ausbruch des Virus zu spät. Immerhin werden in Guinea die Ergebnisse einer ersten großen Impfaktion gesammelt, mit der die Wirksamkeit des in Kanada entwickelten Stoffs rVSV-EBOV erprobt wurde.

Der WHO sei bekannt, dass in Russland an einem Ebola-Impfstoff gearbeitet werde, sagte Sprecher Tarik Ja?arevic in Genf. Man habe aber noch keinerlei Daten zur Sicherheit oder Wirksamkeit des Präparats gesehen.

Russlands Gesundheitsministerin Veronika Skworzowa spricht sogar von zwei Impfstoffen, wobei nicht ganz klar ist, ob es um eine vorbeugende Impfung oder um eine Therapie geht. Der eine Stoff neutralisiere mit einer Doppelstrategie das Virus vollständig, er stimuliere das Immunsystem auf Ebene der Zellen und der Körperflüssigkeit. Der andere sei speziell für Menschen mit Immunschwächekrankheiten wie Aids entwickelt worden, das in den Infektionsgebieten in Afrika häufig sei. Auch dieses Mittel sei wirksamer als westliche Präparate.

Die Stoffe stammen laut Skworzowa aus dem Gamaleja-Forschungszentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie mit Sitz in Moskau. Sie seien vorklinisch und klinisch erfolgreich getestet worden, für Russland gebe es eine Zulassung. „Wir sind bereit für den Export“, sagte die Ministerin am Donnerstag. 10 000 Ampullen könnten monatlich geliefert werden. Ob und wo der Stoff an Ebola-Patienten getestet wurde, sagte sie nicht.

Berichte über russische Ebola-Forschung gibt es seit 2014. Das Mittel namens Triazoverin soll demnach gleich gegen Grippeviren, Ebola und das Marburg-Fieber wirken. Demnach ging es den Wissenschaftlern zunächst eher um ein Mittel gegen Schweinegrippe (A/H1N1) oder Vogelgrippe (H5N1), die für Russland eine Bedrohung sind. Die Anwendbarkeit gegen Ebola- und Marburg-Viren könnte ein Nebeneffekt gewesen sein.

Westliche Forscher sind skeptisch

Auch der angeblich so kurze Weg zum Erfolg macht westliche Forscher skeptisch. Für die Zulassung eines Impfstoffs seien lange Testphasen vorgeschrieben, sagte der Marburger Virologe Thomas Strecker der Deutschen Presse-Agentur. Auf Tierversuche folgten klinische Tests an gesunden Menschen.

Die entscheidende dritte Stufe, eine Erprobung im Krankheitsgebiet, hat bei Ebola bislang nur das kanadische Präparat erreicht. „Hier wurden aufgrund der Epidemie alle Kräfte gebündelt und die Testphase auf ein Jahr verkürzt“, sagte Strecker, der selbst in Westafrika im Einsatz war. Die angeblichen russischen Erfolge kannte er nicht, sagte aber: „Es ist immer gut, wenn man unterschiedliche Strategien verfolgt und somit mehrere Optionen zum Schutz vor Ebola hat.“

dpa

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