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Die Trends von Morgen

„Eine echte Bewegung zur Achtsamkeit“

Matthias Horx ist zwar kein Prophet. Aber: Mit dem, was auf uns zukommt – damit kennt sich der Zukunftsforscher bestens aus. Und im Jahr 2016 wäre das vor allem der Trend zu einer neuen Achtsamkeit. 

Konkret heißt das: „Achtsamkeit ist verbunden mit einem anderen Umgang mit den Medien.“ Demnach verabschieden wir uns „in einer überreizten und übervernetzten Welt“ von „immer schrilleren Sensationen“.

Sie sind Zukunftsforscher – sie befassen sich mit den Trends von morgen. Welche gesellschaftlichen Phänomene werden uns 2016 beschäftigen?

Wir kommen in eine Zeit, in der die Gegentrends stärker werden als die Trends. Jede große Trendentwicklung erzeugt ja einen Widerstand. Globalisierung führt zu einer verstärkten Sehnsucht nach Heimat und Region. Individualisierung führt zu einer Suche nach Gemeinschaft. Immer mehr leerer Konsum führt zu einer neuen Sinnsuche.

Ganz konkret: Was resultiert daraus?

Matthias Horx (60) ist Trend- und Zukunftsforscher. Der studierte Soziologe arbeitete zunächst als Journalist – und gründete 1999 sein Zukunftsinstitut, das heute in Frankfurt am Main angesiedelt ist.

Jetzt entwickelt sich eine echte Bewegung zur Achtsamkeit – oder „Mindfulness“ auf Englisch. Das ist der Trendbegriff der kommenden Jahre. In einer überreizten und übervernetzten Welt versuchen immer mehr Menschen, ihre eigene mentale Souveränität wieder herzustellen. Zum Achtsamkeitstrend gehört der Yoga-Boom ebenso wie der Trend zu einer konstruktiv-positiven Psychologie, in der wir unsere Selbstwirksamkeit wiederfinden können.

Was sind Folgen dieses Trends, den Sie in ihrem Zukunftsreport 2016 aufgeführt haben?

Achtsamkeits-Menschen verabschieden sich von den immer schrilleren Sensationen und Angst-Produktionen der Medien. Sie steigen aus dem Panik- und Paranoia-Diskurs aus – und wenden sich wieder den menschlichen Beziehungen zu. Sie sind achtsam nicht nur der Welt und den Mitmenschen gegenüber, sondern auch den eigenen Gefühlen gegenüber. Sie lernen, ihre innere Angst vor der Zukunft zu moderieren. Sie verstehen, wie ihr Selbst mit der Welt zusammenhängt.

Gibt es einen weiteren prägnanten Trend?

Achtsamkeit ist verbunden mit einem anderen Umgang mit den Medien. Dabei geht es nicht darum, einfach offline zu gehen, sondern das Online besser in den Griff zu bekommen. Wir nennen das den „Omline-Trend“ ...

Wofür genau steht der Begriff „Omline“?

Das Om in „Omline“ stammt von der Meditationssilbe Om und bezeichnet den Zustand, in dem wir digitale Technologien achtsam und souverän im Sinne unserer psychischen Integrität einsetzen. Neue Kulturtechniken entstehen, die digitale und reale Welt geraten in eine neue Balance. Es geht um „selbstbestimmte Vernetzung“ auf einer humanen Basis. Die Technik darf nicht mehr unser Leben bestimmen – sondern umgekehrt!

Derzeit sind wir also eher fremdgesteuert?

20 Jahre nach dem Beginn des digitalen Booms gerät das Internet zum ersten Mal an seine Grenzen – und in eine echte Krise! So nützlich Digitalität in einigen Bereichen sein mag, so sehr erzeugt sie Nebenwirkungen im Sozialen.

Welche?

In den sozialen Medien herrscht eine darwinistische, brutale Vorführmentalität. Längst wird das Netz zum Denunzieren und Hassen verwendet: Statt Datenfreiheit erleben wir Überwachung, statt Verbundenheit eher digitalen Stress.

Hetze im Netz findet sich auch oft beim Thema Flüchtlinge – wie wird der Zustrom von Asylbewerbern die Gesellschaft in Deutschland beeinflussen?

Deutschland wird vielfältiger, reichhaltiger, komplexer – aber das ist nichts Neues. Weil Deutschland ja nie ein kulturell oder ethnisch „reines“ Land war, ist unsere Kultur aus ständiger Einwanderung entstanden: Die Hugenotten, die Polen im Ruhrgebiet, die Gastarbeiter in den 1960er-Jahren ...

Wie wirkt sich diese Einwanderung aus?

Unsere Kultur wird langsam mit höherer kultureller Vielfalt angereichert. Zwischen Ost und West gab es immer ein großes Gedränge und Geschiebe. Jetzt verschiebt sich das in den globalen Rahmen, und es herrscht große Unruhe. Aber das ist einfach eine neue Normalität. Allerdings stellen wir nun fest, dass wir im eigenen Land unintegrierbare Inländer haben: Menschen, die Hass und Abneigung predigen und sich seltsamen „Reinheitsideologien“ anschließen. Stichwort Pegida.

Interview: Jörn Perske

Weg mit dem Handy: Neun Tipps zum Abschalten

Wecker statt Handy: Seien wir doch mal ehrlich: Da man sich morgens ohnehin vom Handy wecken lässt, kann man doch gleich im Bett schon alle Neuigkeiten abarbeiten, oder? Nein! Verbannen Sie das Smartphone aus dem Schlafzimmer und ersetzen Sie es durch einen analogen Wecker. 

Treffen mit Freunden und Familie: Wenn man sich endlich mit Familie und Freunden trifft, sollte man die kostbare Zeit nutzen und ihnen die vollkommene Aufmerksamkeit schenken. Das bedeutet: Handy am besten ausschalten oder mindestens den Ton auf stumm stellen. Wenn alle mitmachen, fällt es auch leichter durchzuhalten und man kann die Zeit richtig genießen. 

Das Essen als Auszeit nutzen: Besonders wenn man alleine isst, sucht man Ablenkung und surft mit dem Handy oder am Computer. Stattdessen einfach mal die freie Zeit genießen und das Mittagessen als Pause vom Alltagsstress sehen! Dazu gehört auch, nicht erreichbar zu sein. 

Einen „Digital-Detox“-Tag einlegen: Entscheiden Sie sich für einen Tag, an dem Sie komplett aufs Handy verzichten. Das entspannt und macht den Kopf wieder frei. Zeitung lesen: Um auf dem neuesten Stand zu sein, muss man nicht andauernd aufs Handy schauen. Die tagesaktuellen Printmedien reichen meist aus, um grundlegend informiert zu sein. 

Benachrichtigungen abschalten: Entscheiden Sie selbst, wann Sie Mails und Nachrichten checken möchten. Wenn sich das Telefon ständig meldet, ist der Drang auch viel größer, es andauernd in die Hand zu nehmen. Einfach in den Einstellungen alle Benachrichtigungen ausschalten oder nur die wirklich wichtigen zulassen.

Nachtruhe einhalten: Für den Abend gelten dieselben Regeln wie für den Morgen: Das Handy ist vor dem Einschlafen tabu. Am besten alle elektronischen Geräte eine Stunde vorm Zubettgehen ausschalten oder in einen anderen Raum legen. 

Gute Vorsätze fassen: Die Erfahrungen aus der neu gewonnenen digitalen Freizeit sind perfekt als gute Vorsätze. Mit Disziplin spart man so über den Tag verteilt bis zu zwei Stunden, die man mit Hobbys füllen kann. 

Den Digital-Entzug zur Kultur machen: Nachdem man gemerkt hat, wie viel Zeit man spart, wenn man das Smartphone regelmäßig ausschaltet oder nur noch zu bestimmten Zeiten bedient, kann man seine positive Erfahrung im Freundeskreis und auch im Büro publik machen. Das schafft eine neue digitale Kultur und ermutigt auch andere, sich vom digitalen Stress zu lösen.

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