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Die Blutegeltherapie ist eine der ältesten Heilverfahren der Medizingeschichte.

Blutsauger im Einsatz der Medizin

Einfach weggesaugt: Schmerzfrei mit der Blutegel-Therapie

Ob bei Arthrose, Rückenproblemen oder Entzündungen: Diese Würmchen zeigen bei der Schmerztherapie große Wirkung. Alles über das Comeback der Blutegel.

Zugegeben, niedlich sind sie nicht gerade, diese oliv-braunen, wurmartigen Gesellen. Im Gegenteil: Manch einen überkommt bei ihrem Anblick sogar ein leichtes Gefühl von Ekel. Die Rede ist von Blutegeln. Der Hirudo medicinalis, zu Deutsch der Medizinische Blutegel, ist die bekannteste Art der Egel und ist ursprünglich, wie die meisten seiner Art, in den süßen Gewässern Europas, Kleinasiens und Nordafrikas beheimatet.

Da die natürlichen Bestände durch den vermehrten Einsatz in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts allerdings stark zurückgegangen sind, werden die Tierchen heute für medizinische Zwecke speziell gezüchtet. 

Uraltes Heilverfahren 

Wie Menschen vor mehr als 5.000 Jahren auf die Idee kamen, sich aus gesundheitlichen Gründen Würmer auf die Haut zu setzen, ist heute nur schwer nachvollziehbar. Tatsache aber ist: Die Blutegel sind jetzt wieder zurück – und immer mehr Menschen, vor allem Schmerzpatienten, schwören auf die heilsamen Kräfte der kleinen Blutsauger.

Tatsächlich gilt die Blutegel-Therapie als eine der ältesten Heilmethoden in der Geschichte der Medizin. Erste Überlieferungen stammen aus Mesopotamien und gehen auf die Zeit um 3.300 vor Christus zurück. Es soll aber auch Hinweise darauf geben, dass Blutegel bereits in der Steinzeit zur Behandlung verschiedener Krankheiten verwendet wurden. 

Renaissance bei der Schmerztherapie

Auch in der traditionellen chinesischen Medizin ist die Blutegel-Therapie bekannt. Doch nirgends war sie so beliebt wie in Europa, wo sie seit der Antike bis ins 19. Jahrhundert hinein ein unverzichtbarer Bestandteil ärztlicher Behandlungen war und als ein anerkanntes Ausleitungsverfahren galt.

Nachdem sie einige Jahre wieder in Vergessenheit geraten war, erlebt die Therapie mit Blutegeln derzeit eine Renaissance in der Naturheilkunde: Immer mehr Menschen, vor allem Personen, die schulmedizinisch als austherapiert gelten, legen große Hoffnungen in die kleinen Tierchen. Besonders bei Gelenkbeschwerden und bei Arthrose hört und liest man immer wieder von großen Heilungserfolgen

Blutentgiftung auf natürliche Art 

Medizinische Blutegel, wie sie bei der Schmerztherapie zum Einsatz kommen, können bis zu 15 Zentimeter lang werden. Sie saugen sich auf der Haut fest und beißen sie leicht an, um das Blut des Wirtes zu saugen, was der Entgiftung dienen soll. Über Drüsen, die sich zwischen ihren Kiefern befinden, sondern die Tierchen dabei Speichel ab, der spezielle Substanzen enthält, die blutgerinnungshemmend, aber auch antithrombotisch, gefäßkrampflösend und lymphstrombeschleunigend wirken.

Die Behandlung ist deshalb besonders für Patienten mit Thrombosen und Venenentzündungen geeignet. Ist der Egel satt, was etwa nach 30 bis 60 Minuten der Fall ist, fällt das Tierchen ganz von selbst von der Haut ab. 

Medikamenten-Allrounder: Von jedem ein bisschen 

Auch wenn noch nicht alle Inhaltsstoffe des Egel-Speichels und ihre exakte Wirkung bekannt sind, steht doch so viel fest: Blutegel, die im Übrigen über herkömmliche Apotheken erworben werden können, sind kleine medizinische Allrounder. So konnten Wissenschaftler der Universität Lausanne nachweisen, dass das im Speichel der Tierchen enthaltene Polypeptid Hirudin nicht nur der derzeit stärkste weltweit bekannte Blutgerinnungshemmer ist, sondern dass es auch Gelenkentzündungen deutlich lindert.

Vor allem der erfolgreiche Einsatz von Egeln am Knie konnte durch mehrere Studien belegt werden. Der Biss an sich tut kaum weh, denn über den Speichel gelangen gleichzeitig verschiedene betäubende und schmerzstillende Stoffe in die Wunde, welche die Stelle lokal betäuben. 

Bei diesen Erkrankungen kann die Blutegeltherapie helfen:

  • Arthrose (Gelenkverschleiß), zum Beispiel am Knie oder am Daumengelenk 
  • Arthritis (Gelenkentzündungen)
  • schmerzhafte Sehnenentzündungen, wie zum Beispiel Tennisellenbogen 
  • Rückenschmerzen 
  • Thrombosen 
  • Venen-Entzündungen

Insbesondere am Kniegelenk führt die Therapie mit Blutegeln nachweislich zu beeindruckenden Erfolgen: Bereits nach etwa einer Woche nach einmaliger Anwendung mit vier bis sechs Blutegeln am Knie berichten 80 Prozent aller Patienten von einer Schmerzreduktion um mehr als die Hälfte. Da die Lymphe aktiviert wird und ein kleiner lokaler Aderlass stattfindet, schwillt das Gewebe rund um das Gelenk ab, weshalb das Gelenk deutlich besser bewegt werden kann.

Diese Wirkung hält bei mehr als zwei Dritteln länger als drei Monate an. Fast die Hälfte der Patienten (45 Prozent) verwendet nach einer Anwendung über zehn Monate hinweg deutlich weniger Schmerzmittel. Viele Patienten sind nach der Blutegeltherapie sogar schmerzfrei.

Egeltherapie dennoch weiterhin auf Selbstzahlerbasis

Doch trotz all der positiven Ergebnisse, die in zahlreichen Studien belegt wurden sowie der Tatsache, dass sich damit im Einzelfall Operationen vermeiden lassen würden, wird die Blutegeltherapie von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezuschusst. Demnach habe es wohl auch Studien gegeben, die Placeboeffekte vermuten ließen. Patienten müssen die Behandlung also noch immer aus eigener Tasche bezahlen. Und bei Kosten von r und 120 Euro pro Sitzung bei einer Kniearthrose, können sich das wieder nur die Besserverdienenden leisten.

Von Franziska Grosswald

Die 10 schrägsten Schönheitsbehandlungen 

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