Eltern in "Kiffer"-Therapie einbeziehen

Berlin - Die Eltern und Freunde von Jugendlichen, die eine Therapie machen, um sich das "Kiffen" abzugewöhnen, haben laut einer Studie einen größeren Einfluss als bisher gedacht.

Bei der Therapie von jugendlichen Cannabis- Süchtigen spielen Eltern und Umfeld eine größere Rolle als bislang gedacht. Das hat eine Studie zum Kiffen bei Jugendlichen gezeigt, deren Ergebnisse der Verein “Therapieladen“ am Freitag in Berlin vorstellte. In der Einrichtung wurden erstmals in Deutschland 60 Jugendliche von 13 bis 18 Jahren nach der in den USA entwickelten Multidimensionalen Familientherapie behandelt. Der Cannabis-Konsum sei um 75 Prozent gesunken, sagte Geschäftsführer, Andreas Gantner. Er sprach von einem “nachhaltigen und signifikanten“ Rückgang. Bei einer Kontrollgruppe von 60 Jugendlichen, die nach der herkömmlichen Methode überwiegend in Einzeltherapie behandelt wurden, verringerte sich der Konsum hingegen nur um 50 Prozent.

Die Studie habe gezeigt, dass Eltern kiffender Jugendlicher nicht systematisch vernachlässigt werden dürften. “Sie sind die eigentliche Medizin und haben auch in der Jugendzeit noch einen großen Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder“, erklärte der Psychologe. “Es geht beim Cannabismissbrauch Jugendlicher nicht nur um Suchtentwicklung, sondern auch um andere Verhaltensprobleme sowie familiäre und auch schulische Konflikte.“ Eltern und andere Bezugspersonen wie Geschwister, Freunde, Lehrer oder andere Betreuer wurden daher aktiv einbezogen. In den bis zu sechs Monaten dauernden Behandlungen besuchten die Therapeuten die Teilnehmer auch zu Hause, in der Schule oder am Ausbildungsplatz. “Eltern mit Trennungskonflikten wurden unterstützt, um zum Wohle ihrer Kinder wieder als Team zusammenzuarbeiten“, erklärte Gantner. Die positiven Veränderungen seien für die Therapeuten beeindruckend gewesen. Etwa 75 Prozent der Teilnehmer kämen aus unvollständigen, geschiedenen Familien. Auch Alkohol spiele oft eine Rolle. “Wir müssen mehr an den Stärken der Eltern arbeiten, auch wenn es manchmal noch so schwierig ist“, betonte Gantner.

Die vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Untersuchung ist Teil der Studie “International Cannabis Need of Treatment“ (INCANT), an der sich 480 Jugendliche, auch aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz beteiligen. Die Studie soll helfen, langfristig ein wissenschaftlich geprüftes Behandlungskonzept für Jugendliche mit Cannabis-Sucht in die Praxis einzuführen. Die Ergebnisse für alle europäischen Länder lägen im Herbst vor, sagte Gantner. In den Niederlanden sei das Konzept bereits jetzt auf 30 Einrichtungen ausgedehnt worden. Auch in Deutschland ist eine Ausweitung aus Sicht des Therapeuten sinnvoll, sei jedoch eine Kostenfrage. Bis 2006 sei der Cannabiskonsum hierzulande stetig gestiegen und erst jetzt langsam rückläufig. Für Kinder und Jugendliche, die schon mit 12, 13 Jahren zum Joint greifen, sei Cannabis “Gift“ und blockiere die kognitive, emotionale und psychosoziale Entwicklung.

dpa

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