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Erste Hilfe bei Schlaganfall: Das sollten Sie über Symptome und Maßnahmen wissen

Typische Anzeichen erkennen

Schlaganfall: Dieses Wissen rettet Leben

Beim Schlaganfall zählt jede Sekunde. Deswegen ist es wichtig erste Anzeichen sofort zu erkennen und sofort den Notarzt zu rufen. Experte Professor Helge Topka erklärt Symptome und Maßnahmen.

Manchmal erlebt Professor Helge Topka ein Wunder: Eingeliefert wird ein schwer kranker Patient mit halbseitiger Lähmung, der weder sprechen noch laufen kann.

Am nächsten Tag steht dieser vor dem Arzt, bedankt sich in eloquenten Worten und fragt: „Kann ich heute noch heim?“ Es gibt wirksame Therapien beim Schlaganfall, allerdings zählt jede Sekunde. Nur schnelles Handeln kann die Gehirnzellen vor dem Untergang retten.

Professor Helge Topka

Eine aktuelle Umfrage des Max-Planck-Instituts ergab jedoch, dass viele Deutsche typische Anzeichen eines Schlaganfalls nicht erkennen und 30 Prozent erst mal ins Bett gehen und sich ausruhen, statt den Notarzt zu rufen. Das ist fatal: von 270.000 Menschen, die jährlich in Deutschland einen Schlaganfall erleiden, sterben 20 Prozent binnen vier Wochen, weitere 17 Prozent innerhalb eines Jahres. Von den Überlebenden bleiben zwei Drittel auf Dauer behindert. Mehr Wissen über Schlaganfall rettet Leben, das eigene und das von Angehörigen, sagt Professor Helge Topka leitet die Stroke Unit im Klinikum Bogenhausen.

Wie viel Zeit bleibt für eine wirksame Behandlung?

Topka: Ein Schlaganfall sieht im CT im frühen Stadium recht harmlos aus. Im Zentrum kann dunkles Areal anzeigen, dass hier Nervenzellen absterben, vermutlich schon innerhalb weniger Minuten nach Beginn der Symptomatik. Doch um dieses Areal herum befindet sich eine Zone, die wir Penumbra nennen. Hier befinden sich Nervenzellen, die für eine gewisse Zeit in einem Schwebezustand sind und entweder ebenfalls untergehen oder aber weiterleben können. Dieses Areal zu retten, das ist unser Ziel. Dafür stehen uns zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Mit einer medikamentösen Lyse-Behandlung, die per Infusion gegeben wird, können wir das Blutgerinnsel auflösen, oder wir entfernen es über einen Katheter, der direkt in die Hirnarterie geschoben wird. Bei der intravenösen Lyse-Behandlung darf das Medikament nicht mehr als 4,5 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome gegeben werden. Danach ist das Risiko für Schäden durch Blutungen deutlich größer als der mögliche Nutzen. Es gibt überzeugende Studiendaten mit vielen Tausend Patienten, die klar zeigen, je früher der Patient in der Klinik ist und behandelt wird, desto besser ist das Ergebnis.

Wann hilft welche Therapie?

Wird ein Patient in die Stroke Unit eingeliefert, kommt er sofort in den CT um zu erkennen, welches Areal betroffen ist und ob es sich um ein Gerinnsel oder eine Blutung handelt.

Topka: Die Lyse-Behandlung geht besonders schnell, damit kann unter Umständen schon begonnen werden, während der Patient noch im CT liegt. Doch nur bei rund 15 Prozent unserer Patienten können wir diese Behandlung anwenden – für die anderen ist sie leider nicht geeignet: weil sie Blutverdünner wie Marcumar oder ähnliche Medikamente nehmen, weil zu viel Zeit vergangen ist oder aus anderen Gründen. Wenn es sich um ein großes Blutgerinnsel handelt, das ein wichtiges Gefäß verstopft, also ab etwa sechs Millimetern Länge, ist das venös gegebene Medikament oft für die Auflösung nicht ausreichend. In diesen Fällen ist ein Kathetereingriff die letzte Möglichkeit. Dieser Eingriff kann beeindruckende Erfolge haben, allerdings braucht er mehr Zeit und mehr Personal zur Vorbereitung: Der Patient braucht eine Kurznarkose, er muss intubiert werden, nötig ist ein speziell geschulter Neuroradiologe. Je länger die Vorbereitung dauert, desto mehr Hirnareal stirbt ab. Die überregionalen Stroke Units in München wenden diese Maßnahme so oft es geht an, trotzdem sind die Patientenzahlen noch im zweistelligen Bereich.

Was ist eine Stroke Unit?

Topka: Dort werden ausschließlich Schlaganfall-Patienten behandelt. Natürlich meint man mit dem Begriff Stroke Unit auch Räume und Krankenzimmer, die mit Überwachungsgeräten ähnlich einer Intensivstation ausgerüstet sind. Mindestens so wichtig ist eine Organisation rund um die Schlaganfall-Therapie, mit einem gut eingespielten Team von Pflege, Therapeuten, Neurologen, Internisten und Neuroradiologen, deren Ziel es ist, bei der Therapie keine Zeit zu verlieren.

Wie sieht der Ablauf aus, wenn ein Patient kommt?

Topka: Wird ein Patient in der Notaufnahme eingeliefert, sind sofort ein Internist und ein Neurologe zur Stelle. Es gibt ein EKG, Blut wird für die Laborwerte abgenommen. Der Patient kommt ins CT. Fällt die Entscheidung zur Lyse, kann sofort mit ihr begonnen werden. Fällt die Entscheidung zum Kathetereingriff wird dafür alles vorbereitet. Die Patienten bleiben anschließend auf unserer Stroke Unit unter ständiger Überwachung. Da ist es sehr wichtig, dass wir ein geschultes Pflegeteam und Therapeuten haben, die kleinste Anzeichen eines neuen Schlaganfalls oder andere Unregelmäßigkeiten wie eine Herzrhythmusstörungen sofort erkennen können. Ist der Patient stabil, bleibt er noch ein paar Tage auf der Normalstation.

Und dann?

Dann wird sofort mit der Behandlung begonnen. Denn in jeder Sekunde, die verstreicht, sterben Hirnzellen.

Topka: Schon bei der Aufnahme versuchen wir den späteren Reha-Bedarf der Patienten abzuschätzen und leiten erste Maßnahmen in die Wege. Da müssen dann Anträge gestellt und bewilligt werden. Ganz wichtig ist, dass wir die zugrunde liegende Erkrankung des Schlaganfalls erkennen, damit diese behandelt wird. Sehr häufige Ursache ist das Vorhofflimmern, bei dem die Herzkammer unregelmäßig schlägt, sodass Blut im Vorhof stehen bleibt und gerinnt. Das Gerinnsel wird beim nächsten starken Schlag angesaugt und in den Kreislauf gepumpt. Auch Arteriosklerose ist als Ursache bekannt, ebenso wie erhöhte Blutfette und Rauchen. Darum ist es entscheidend, dass die Patienten nicht nur in die Reha gehen, sondern eine möglichst fundierte Empfehlung zur Behandlung bekommen, damit sie keinen weiteren Schlaganfall erleiden.

So vermeiden Patienten einen tödlichen Irrtum

Der Infarkt im Hirn kann zwei verschiedene Ursachen haben: Ein Blutgerinnsel, das sich im Herzen gebildet hat, verstopft eine Hirnarterie. Oder die Arterie reißt, es kommt zu einer Blutung im Gehirn. Die Folgen sind gleich: Gehirnzellen werden nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, sie sterben.

Die ersten Anzeichen zu erkennen, ist nicht leicht: Von Kopfweh, halbseitigen Lähmungen,Schluckstörungen, Sprachstörungen, bis hin zu Schwindel und Bewusstseinstörungen, alle plötzlichen neurologischen Ausfallerscheinungen sind Alarmzeichen.

Professor Topka warnt: „Oft verschwinden die Symptome sogar wieder, und der Patient fühlt sich besser. Er sollte dennoch zum Arzt gehen. Denn nicht selten wird er ein paar Tage später einen Schlaganfall erleiden.“

Keine Angst vor einem Fehlalarm!

Rund 1200 Patienten werden jedes Jahr auf der Stroke Unit im Klinikum Bogenhausen behandelt. Mit Verdacht auf Schlaganfall werden jedoch sehr viel mehr Menschen eingeliefert. Das liegt für Professor Topka in der Natur der Sache: Einen Schlaganfall zu diagnostizieren, ist nicht einfach. Dafür braucht es Spezialisten und viel Erfahrung.

„Auch der Notarzt kann nicht immer sicher entscheiden, ob es sich um einen harmlosen Schwindel, einen epileptischen Anfall oder um einen Schlaganfall handelt. Und selbst wenn die Anzeichen eindeutig sind, muss geklärt werden, ob es sich um eine verschlossene oder gerissene Arterie handelt, denn davon hängt die Behandlung ab“, sagt Topka. Deswegen muss man auf jeden Fall in der Klinik klären, was passiert ist.

Schlaganfall-Symptom 

  • Lähmungserscheinungen
  • Nach einer Seite hängendes Gesicht
  • Neigung auf eine Seite zu fallen
  • Schwindelgefühle
  • Plötzliche Verwirrtheit
  • Taubheitsgefühle
  • Plötzliche Blindheit auf einem Auge
  • Speichelfluss aus dem Mund
  • Kribbeln
  • Erschöpfung
  • Probleme beim Essen
  • Schluckbeschwerden
  • Tränende Augen

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