Klinische Studie

Erster Mensch bekommt mRNA-Impfstoff gegen Grippe gespritzt: Neue Impfstoffgeneration mit immensem Vorteil

  • Juliane Gutmann
    VonJuliane Gutmann
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In Deutschland werden Erwachsenen in der Regel Totimpfstoffe gegen Grippe verabreicht. Doch das könnte sich bald ändern: Der erste mRNA-Grippe-Impfstoff wird erprobt.

Totimpfstoffe enthalten inaktivierte Viren bzw. Bestandteile der Viren, wie das Robert Koch-Institut als Leitforschungseinrichtung der deutschen Bundesregierung informiert. Die mRNA-Technologie ist eine andere: RNA-Impfstoffe enthalten die Erbinformation von Viren in Form von Boten-RNA (messenger RNA, mRNA), die den Bauplan der Virusoberfläche umfasst. Diese Erbinformation wird von Körperzellen genutzt, um das spezifische Antigen selbst zu produzieren. Als Antigene werden Stoffe bezeichnet, die der Körper als fremd erkennt und gegen die er Antikörper bildet. Das können etwa Eiweiße auf der Zelloberfläche von Viren sein, wie das Portal Gesundheitsinformation informiert.

Das Resultat der Impfung mit mRNA-Impfstoffen: Der Körper produziert Antikörper gegen das Virus* und kann bei späterem Kontakt mit dem Krankheitserreger diesen gezielt bekämpfen, so das Paul-Ehrlich-Institut als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel.

Es handelt sich um eine relativ neue Technologie: Bislang sind nur mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 auf dem Markt. Doch Moderna entwickelte eine mRNA-Grippe-Impfung, die aktuell in einer ersten Studie an Menschen getestet wird.

Die bisher zugelassenen Grippe-Impfstoffe in Deutschland könnten in nicht allzu ferner Zukunft Zuwachs bekommen.

Herkömmliche Grippe-Impfstoffe nur bis zu 60 Prozent wirksam

Wie die Pharmazeutische Zeitung (PZ) informiert, ist der Impfstoff mRNA-1010 laut Mitteilung von Moderna der erste saisonale Grippe-Impfstoffkandidat des Unternehmens, der in einer klinischen Studie getestet wird. Es handele sich um einen tetravalenten saisonalen Influenza-Impfstoffkandidaten, der die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Zusammensetzung von Grippe-Impfstoffen einschließlich Influenza-A(H1N1) und Influenza-A(H3N2) sowie Influenza-B Yamagata und Influenza-B-Viren der Victoria-Linie abdeckt. Der erste US-Amerikaner habe Moderna zufolge das Präparat im Rahmen einer Studie verimpft bekommen. Insgesamt 180 Erwachsene sollen insgesamt geimpft werden, heißt es weiter. Ziel der aktuellen Studie ist es, herauszufinden, ob der Impfstoff eine Immunreaktion im menschlichen Körper auslöst. Auch die Sicherheit des Impfstoffes soll belegt werden.

Moderna zufolge liegt der Vorteil des mRNA-Grippe-Impfstoffs darin, dass er wie andere bereits zugelassene mRNA-Impfstoffe eine hohe Wirksamkeit aufweist und vergleichsweise schnell zu produzieren ist. Wie die PZ informiert, zeigen bisher zugelassene Grippe-Impfstoffe* eine Schutzwirkung von nur etwa 40 bis 60 Prozent und die Herstellung sei langwierig. Die Zusammensetzung der Impfstoffe müsse bereits sechs bis neun Monate vor Impfstart feststehen, da die Produktion der Antigene in Hühnereiern einen langen Vorlauf benötigt, so die Pharmazeutische Zeitung. Das ist vor allem vor dem Hintergrund problematisch, dass sich Grippe*-auslösende Influenzaviren schnell verändern können. (jg) *Merkur.de und 24vita.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Mehr Quellen: https://www.pei.de/SharedDocs/FAQs/; https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Influenza/FAQ06.html

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Rubriklistenbild: © Lukas Schulze

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