Eurokrise, Inflation, Naturkatastrophen

Das sind die Ängste der Deutschen

München - Wovor haben wir Deutschen eigentlich Angst? So mehrdeutig diese Frage sein kann, so eindeutig gibt Jahr für Jahr darüber eine Studie der R+V Versicherung Auskunft.

2013 stieg hiernach der sogenannte Angstindex – der Durchschnitt aller langjährig abgefragten Ängste – um einen Prozentpunkt, bleibt mit 41 Prozent jedoch auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Bayern legt heuer indes um gleich fünf auf nun 44 Prozentpunkte zu (höchster Anstieg aller Bundesländer) und belegt im Vergleich Platz vier (hinter Spitzenreiter Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg) – in Westdeutschland sind wir sogar am ängstlichsten, während die Berliner am wenigsten Angst haben (33 Prozent).

Zum 14. Mal hintereinander auf Platz eins der 16 standardmäßig abgefragten Ängste rangiert die Sorge um steigende Lebenshaltungskosten (61 Prozent; Bayern: 66 Prozent) gefolgt von Naturkatastrophen (56 Prozent, Bayern: 65 Prozent) sowie der Vorstellung, im Alter ein Pflegefall (55, auch Bayern) zu werden. Politisch brisante Themen wie Terrorismus (43 Prozent) oder eigene Arbeitslosigkeit (36 Prozent) rangieren dagegen eher im (hinteren) Mittelfeld. Am meisten zugenommen hat die Sorge, ein Pflegefall zu werden (plus fünf Prozentpunkte), während die Angst vor Inflation seit 2004 zwar stets auf Position eins der Ängste geführt wurde, jedoch seither (bis auf 2008/2009) permanent abnahm, zuletzt um zwei Prozentpunkte.

Seit drei Jahren ergänzt die Umfrage ihre Standardfragen um Sonderfragen zur Euro-Schuldenkrise. Und wie im vergangenen Jahr zeigt sich hier die größte Angst überhaupt. Ganze 68 Prozent aller Bundesbürger fürchten, dass sie letztendlich die Kosten der Krisenbewältigung schultern müssen. Doch auch da waren die Befürchtungen früher noch größer (2011: 70 Prozent; 2012: 73 Prozent). Sehr hoch bleibt mit 53 Prozent auch die Furcht, dass die EU-Schuldenkrise den Euro gefährden könnte (2011: 60 Prozent; 2012: 65 Prozent). Und: Fast jeder zweite Deutsche (49 Prozent) befürchtet, dass niedrige Zinsen und Inflation seine Ersparnisse langfristig auffressen.

Die Überraschung der diesjährigen Ängste-Studie: Die Deutschen machen sich um die Überforderung ihrer Politiker weniger Sorgen. Im Vorjahr mit 55 Prozent noch auf Platz zwei der größten Sorgen, sinkt diese Angst um 10 Prozentpunkte auf 45 Prozent und erreicht nur mehr den sechsten Rang.

Außerdem fürchten sich Ost- und Westdeutsche erstmals gleich viel – und vor demselben. Größere Unterschiede gibt es allein bei der beiderseitigen Top-Angst „Steigende Lebenshaltungskosten“, die im Osten noch weiter ausgeprägt ist als im Westen (67 Prozent zu 59 Prozent), sowie vor dem Terrorismus, der wiederum in den alten Ländern verbreiteter ist (45 Prozent zu 36 Prozent). Auch Männer und Frauen fürchten sich ähnlich. Nur um die Gesundheit sind Frauen vermehrt besorgt: Ein Pflegefall zu werden, ängstigt 59 Prozent (Männer: 50 Prozent), schwer krank zu werden noch 55 Prozent (Männer: 42 Prozent).

Interessant ist auch: Trotz unvermindert hoher Scheidungsquoten bleibt die Angst vor dem Zerbrechen der Partnerschaft das Schlusslicht im Ängste-Ranking. Nur jeder fünfte Deutsche befürchtet eine Trennung (Frauen: 20 Prozent, Männer: 21 Prozent). Wer also an die Liebe glaubt, fürchtet sich zumindest nicht vor deren Ende. Wenn das kein Hoffnungsschimmer ist.

MPB

Rubriklistenbild: © dpa

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