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Knie-Experten: PD Dr. Bernd Baumann, Prof. Christian Stief, Prof. Volkmar Jansson, PD Dr. Stefan Hinterwimmer (v. li.).

Experten beantworten Fragen zum Knie

Wie gut helfen Spritzen? Wann ist eine Knieprothese nötig? Die Besucher der Merkur- Sprechstunde hatten viele Fragen zum Thema Knie.

Die Experten: Prof. Volkmar Jansson ist Direktor der Orthopädischen Klinik in Großhadern, LMU München. PD Dr. Stefan Hinterwimmer ist Orthopäde am TU-Klinikum rechts der Isar in München. PD Dr. Bernd Baumann ist Chefarzt an der Schön-Klinik München Harlaching.

Nicht alle Fragen konnten bei der Veranstaltung geklärt werden. Eine Auswahl der Antworten:

Ich (über 60) habe einen Knorpelschaden von Grad IV. Ist in meinem Alter noch eine Mikrofrakturierung ratsam?

PD Dr. Bernd Baumann: Studien haben gezeigt, dass die Ergebnisse nach Mikrofrakturierung mit zunehmendem Alter schlechter werden. Vor allem weil sich der Körper im Alter schlechter regeneriert. Dennoch ist die Altersgrenze von 50 bis 60 Jahren nicht starr. Aufgrund der Gesamtkonstellation kann es durchaus Ausnahmen geben.

Ich habe von einem individuellen Knieimplantat (digitales 3-D-Verfahren) gehört. Was ist das?

Prof. Volkmar Jansson: Im Moment gibt es die Idee, beim Operieren individuell angefertigte Schneidblöcke oder sogar individuell an die Geometrie des Patienten angepasste Implantate zu verwenden, um die Achsausrichtung des Kunstgelenks zu verbessern. Leider ist letztere nur eines von vielen Problemen, die der Operateur berücksichtigen muss, sodass die „individuelle“ Anpassung der Implantate zwar sehr gut klingt, in der jetzigen Form aber keinen wirklichen Vorteil bietet. In Zukunft sind aber in dieser Richtung weitere interessante Entwicklungen zu erwarten.

Wie wirkt das Mittel Suplasyn? Mir wurde eine Spritzenkur empfohlen, als IGEL-Leistung für 338 Euro?

PD Dr. Stefan Hinterwimmer: Der Wirkstoff der Spritze ist Hyaluronsäure. Diese verbessert die „Fließeigenschaft“ der Gelenkflüssigkeit und so das Milieu im Knie. Die Beschwerden, verursacht durch Knorpelschäden oder -verschleiß, können dadurch erfolgreich behandelt werden.

Welche Materialien setzt man heute für Ersatzprothesen ein?

Jansson: Bei Kunstgelenken spielt die Härte des Metalls und die Verschleißfestigkeit des Polyethylens eine entscheidende Rolle. Deswegen bevorzugt man als Metall Kobalt/ Chrom-Legierungen, in denen auch etwas Nickel steckt, wenn der Patient keine Allergien dagegen hat. Bei allergischen Patienten kann man auf beschichtete Implantate zurückgreifen, bei denen das Metall mit einer Titannitridschicht überzogen ist. Bei den Polyethylenen werden heute bevorzugt quervernetzte Materialien verwendet, welche eine höhere Abriebfestigkeit aufweisen.

Ich habe nach einer Mikrofrakturierung das Gelenk gleich wieder voll belastet. War das sinnvoll?

Baumann: Im Allgemeinen wird nach einer Mikrofrakturierung eine Teilbelastung mit Unterarm-Gehstützen für sechs Wochen empfohlen. Sicherlich haben aber auch Größe und Lokalisation des Knorpelschadens einen Einfluss auf die Nachbehandlung, was in Ihrem Fall eine Rolle spielen könnte. Nach der OP ist die Verwendung einer Motorschiene zur Erhaltung des Beweglichkeitsumfangs und der Ernährung des Knorpels wichtig. Trotzdem sind manchmal Einschränkungen in der Beweglichkeit nicht ganz zu vermeiden, die man dann mit Physiotherapie und gegebenenfalls weiteren Maßnahmen angehen muss.

Ich habe einen Schaden am Innenmeniskus. Kann eine Änderung an der Schuhsohle am Außenrand helfen?

Hinterwimmer: Die Schuhaußenranderhöhung ändert nichts am Meniskusschaden selbst. Sie führt aber zu einer geringfügig anderen Belastung im Kniegelenk, in Ihrem Fall zu weniger Belastung auf der Innenseite und zu mehr auf der Außenseite. Damit können die Beschwerden durch den Meniskusschaden durchaus besser werden.

mm

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