Laut einer Studie gibt es in den ländlichen Regionen weniger Fachärzte als in Großstädten, wo nur ein Viertel der Bevölkerung lebt. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
+
Laut einer Studie gibt es in den ländlichen Regionen weniger Fachärzte als in Großstädten, wo nur ein Viertel der Bevölkerung lebt. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Fachärzte in Stadt und Land ungleich verteilt

Die medizinische Versorgung ist seit langem ein Ärgernis für Patienten. Das liegt auch am derzeitigen Verteilungsschlüssel. Der könnte geändert werden - wenn sich Ärzte und Kassen verständigten. Nun will der Gesetzgeber nachhelfen.

Berlin (dpa) - Bei der ärztlichen Versorgung in Stadt und Land bestehen weiterhin erhebliche Ungleichgewichte - zum Nachteil der ländlichen Regionen. Daran habe auch die vor zwei Jahren in Kraft getretene Bedarfsplanung nichts geändert, nach der Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen die Verteilung der Arztpraxen festlegen sollen. Dies ergab eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Die Planung weicht danach weiterhin bis zu 70 Prozent vom tatsächlichen Versorgungsbedarf ab.

Laut Studie praktiziert zum Beispiel die Hälfte aller Psychotherapeuten in Großstädten, obwohl hier nur ein Viertel der Bevölkerung lebt. Auch die Praxen der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Orthopäden, Nervenärzte und Urologen konzentrieren sich demnach in den Städten. "Die Folge: Es mangelt auf dem Land an Fachärzten, die wohnortnah verfügbar sein sollten."

Hintergrund ist die Bedarfsplanungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, des obersten Entscheidungsgremiums im Gesundheitswesen. Sie schreibt vor, dass auf einen Psychotherapeuten in der Großstadt 3079 Einwohner kommen, in ländlichen Regionen 5953 Einwohner, also fast doppelt so viele. Nervenärzte sollen auf dem Land sogar 127 Prozent mehr Menschen versorgen als ihre Kollegen in der Stadt. Begründet wird dies damit, dass Ärzte in Städten Patienten aus dem Umland mitversorgen sollen.

Die Bertelsmann-Stiftung kommt angesichts der Studie zu dem Schluss, dass der Planung Faktoren wie die Krankheitsbelastung einer Region etwa aufgrund vieler älterer Menschen oder die sozialen Strukturen und Einkommensverhältnisse zugrunde gelegt werden sollten.

Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann-Stiftung, erläuterte: "Die derzeitige Planung lässt den Menschen auf dem Land keine andere Wahl, als sich in der Stadt behandeln zu lassen. (...) Der von uns entwickelte Bedarfsindex stellt ein pragmatisches Modell dar, das die relevanten Faktoren berücksichtigt."

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Virologe Drosten mit düsterer Maskenpflicht-Prognose: „Auch wenn wir mit den Impfungen beginnen ...“
Virologe Drosten mit düsterer Maskenpflicht-Prognose: „Auch wenn wir mit den Impfungen beginnen ...“
Diese Menschen bleiben eher gesund: Vier Faktoren stärken Immunabwehr – auch mehr Schutz vor Covid-19?
Diese Menschen bleiben eher gesund: Vier Faktoren stärken Immunabwehr – auch mehr Schutz vor Covid-19?
Zwei Friseure schneiden dutzenden Menschen trotz Corona-Infektion die Haare – Behörden machen überraschende Entdeckung
Zwei Friseure schneiden dutzenden Menschen trotz Corona-Infektion die Haare – Behörden machen überraschende Entdeckung
Ibuprofen, Aspirin & Co. - Mediziner klärt auf, wie krank Schmerzmittel machen
Ibuprofen, Aspirin & Co. - Mediziner klärt auf, wie krank Schmerzmittel machen

Kommentare