400 Experten im Alten Rathaus

Fachtag zu Psychopharmaka-Gefahr in Heimen

München - Gut 400 Experten – von Heimleitern, Betreuern bis hin zu Pflegekräften – hatten sich im Alten Rathaus versammelt, um über die Problematik der „durch Medikamente ruhig gestellten“ Senioren zu diskutieren.

Die Worte von Reinhard Nemetz waren deutlich. „Es geht nicht, dass fehlende Pflegekräfte durch Psychopharmaka ersetzt werden“, sagte der Präsident des Münchner Amtsgerichts am Donnerstag beim großen Fachtag zum Thema „Psychopharmaka in Alten- und Pflegeheimen“. Gut 400 Experten – von Heimleitern, Betreuern bis hin zu Pflegekräften – hatten sich im Alten Rathaus versammelt, um über die Problematik der „durch Medikamente ruhig gestellten“ Senioren zu diskutieren.

Und das mit guten Grund, wie die Zahlen zeigen. In München bekommen gut 51 Prozent der Bewohner von Alten- und Pflegeheimen Psychopharmaka mit beruhigender oder sedierender Wirkung verordnet, wie eine Studie im Sommer zeigte. Viele davon eben ohne den nötigen richterlichen Beschluss. Wie kann das geändert werden? Warum wird nicht eine Art Katalog mit „verbotenen Medikamenten“ entworfen? So die Fragen bei der Tagung. Amtsrichterin Sylvia Silberzweig musste da den Kopf schütteln: „Das ist keine Lösung, weil ja jeder Fall individuell betrachtet werden muss.“ Für manche Patienten sei die Einnahme der Medikamente sinnvoll, bei manchen habe sie einen anderen Zweck. Das Ruhigstellen. Und genau das müsse das Gericht prüfen. Daran führe kein Weg vorbei – trotz der dadurch zunehmenden Bürokratie und Arbeit für Ärzte, Betreuer und Pfleger.

tz

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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