Dunkelziffer liegt höher

Grippewelle legt Bayern flach - 5000 Erkrankte

Erlangen - Volle Praxen, überfüllte Klinik-Notaufnahmen hier - ververwaiste Werkhallen und Büros dort: Die Grippe hat Bayern fest im Griff. Allerdings warnen Experten vor einer Dramatisierung.

Die Grippewelle greift in Bayern weiter um sich und hat nun auch weite Teile Frankens erfasst. Seit Jahresanfang hätten Ärzte und Kliniken den Behörden 4942 Influenza-Fälle gemeldet; dies seien fast siebenmal so viele wie zum selben Zeitpunkt des Vorjahres, teilte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen mit. Allein in der vergangenen Woche seien 1833 neue Grippeerkrankungen nachgewiesen worden. Die Dunkelziffer liegt nach Mediziner-Einschätzung um ein Vielfaches höher.

Der Schwerpunkt der Grippewelle liegt nach den jüngsten Daten weiterhin in der Oberpfalz; dort seien den Gesundheitsbehörden allein in dieser Woche 436 neue Influenza-Erkrankungen gemeldet worden, gefolgt von Oberbayern mit 388 und Niederbayern mit 312, berichtet die Landesbehörde. Schlusslicht sind Schwaben mit 123 und Unterfranken mit nur 75 Neuerkrankungen.

LGL warnt vor Dramatisierung

Wie eine Infektionskarte der Arbeitsgemeinschaft Influenza beim Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) zeigt, ist die Grippewelle in der vergangenen Woche auch nach Mittelfranken und ins westliche Oberfranken geschwappt. Für beide Regionen verzeichnen die Fachleute inzwischen eine stark erhöhte Zunahme von Erkrankungen. Ost- und Südostbayern liegt schon seit mehr als zwei Wochen in der Zone.

Das LGL warnte dennoch vor einer Dramatisierung der Lage. Zwar räumte eine Behördensprecherin ein, „dass der jahreszeitliche Anstieg der Influenza-Fälle heuer etwas stärker ausfällt als sonst“. Ein Grund zur Sorge bestehe aber nicht. Die Grippewelle verlaufe Jahr für Jahr sehr unterschiedlich - mal starte sie wie dieses Jahr sehr früh, in anderen Jahren erreiche sie erst im März ihren Höhepunkt. Sie erinnerte daran, dass im Jahr 2011 zum jetzigen Zeitpunkt sogar 5800 Menschen an Influenza erkrankt waren.

Hausarzt-Praxen und Krankenhäuser überfüllt

Unterdessen stöhnen Hausärzte und die Notaufnahmen der Krankenhäuser weiter über die große Zahl von Patienten mit Grippe-Symptomen. Verschärft wird die Lage dadurch, dass inzwischen auch Klinikmitarbeiter häufig ausfallen. „In dieser Woche hat es auch uns erwischt. Im Laufe der Woche hat sich das stark gesteigert. Aber weggebrochen ist uns deswegen noch nichts“, versicherte der Sprecher des Nürnberger Klinikums, Peter Petrich.

Dass auch medizinisches Personal an der Grippe erkrankt, liegt möglicherweise auch daran, dass eine Impfung bei längst nicht allen Ärzten obligatorisch ist. So habe im Jahr 2006 und 2007 eine telefonische Befragung ergeben, dass von den 700 interviewten Medizinern zu diesem Zeitpunkt lediglich 73 Prozent gegen Grippe geimpft waren, berichtete eine RKI-Sprecherin. Bei den niedergelassenen Ärzten habe nach einer Umfrage von 2010 nur 61 Prozent der 1600 Befragten angegeben, sich regelmäßig gegen Influenza zu impfen.

dpa

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