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Das Augenlicht wird bei vielen im Alter schwächer. Diagnose: Grauer Star. Doch es gibt Auswege.

Therapiemethoden

"Fast jeder bekommt den Grauen Star" - und was Sie tun können

Krankheiten an den Augen können unangenehm sein – und manche machen sogar Angst: So geht es Betroffenen oft beim Grauen Star.

Die Augenkrankheit "Grauer Star" ist eine Trübung der Linsen – Die Gefahr zu erblinden ist trotzdem gering. Sie tritt vor allem im Alter auf und fast immer ist eine Operation nötig. Wie diese abläuft und wann der ideale Zeitpunkt dafür ist, erklärt der Direktor der Augenklinik der LMU München Prof. Siegfried Priglinger.

Prof. Siegfried Priglinger erklärt die Risiken und Behandlungsmethoden des Grauen Stars.

Wie kam der Graue Star zu seinem Namen?

Prof. Siegfried Priglinger: Der Name stammt noch aus dem Mittelalter und hat nichts mit dem Singvogel zu tun. Im achten Jahrhundert bezeichnete man den starren Blick der Blinden als "Starer blind". 1583 benutzte dann Georg Baritz im ersten Augenkundebuch der Welt das Wort "Star" für alle Augenerkrankungen.

Deswegen gibt es den grauen, weißen und grünen Star. Das Wort "grau" kommt daher, weil das Sehen bei zunehmender Trübung der Linse in einem späten Stadium trüb und gräulich erscheint.

Wie entsteht der Graue Star?

Priglinger: In der Linse werden kontinuierlich neue Linsenfasern gebildet, zugleich nimmt der Flüssigkeitsanteil ab und farbige Ablagerungen nehmen zu. Dies führt zu einer kontinuierlichen Eintrübung der Linse. Das einfallende Licht kann nicht mehr ungehindert bis zur Linse durchkommen. Der Blick wird unscharf. Das dauert meistens viele Jahre.

Sind immer beide Augen betroffen?

Priglinger: Meistens ist das so. Allerdings kann es sein, dass er in einem Auge verstärkt auftritt oder früher anfängt. Das ist möglich, wenn er nach einem Trauma wie einem Schlag entstanden ist. Das andere Auge muss nun stärker arbeiten und versucht, die Schwäche auszugleichen. Denn am Ende werden die von den beiden Augen unterschiedlich aufgenommenen Bilder im Gehirn zu einem Bild zusammengesetzt.

Gibt es Warnhinweise?

Priglinger: Das Erste, was Patienten meistens bemerken, ist, dass sie schneller geblendet werden. Das heißt, sie fahren zum Beispiel abends Auto und stellen fest, dass die Scheinwerfer der entgegenkommenden Autos extrem hell und diffus sind. Außerdem erscheinen Farben oft nicht mehr so intensiv, sondern gräulich. Und sie können Kontraste nicht mehr so stark wahrnehmen.

Wer ist gefährdet?

Priglinger: Die Augenkrankheit bekommen eher ältere Leute. Das liegt vor allem an der UV-Strahlung, der sie im Laufe ihres Lebens ausgesetzt waren. Außerdem kommen noch andere Umwelteinflüsse hinzu. Auch Diabetes fördert die vorzeitige Entstehung des Grauen Stars. Die Krankheit ist aber nicht erblich.

Generell gilt: Fast jeder bekommt sie im Laufe seines Lebens, man muss nur alt genug werden. Allerdings gibt es Menschen, die bereits mit 50 Jahren eine altersbedingte Trübung beider Linsen haben. Man kann nicht vorbeugen.

Fördern manche Medikamente diese Krankheit?

Priglinger: Es gibt Patienten, die Kortison einnehmen müssen und deswegen gefährdet sind. Aber eigentlich kann man sagen, dass es nur wenige Medikamente gibt, die als mögliche Nebenwirkungen eine Linsentrübung haben. Wenn jemand bereits einen Grauen Star hat, gibt es kein Medikament, das dann nicht eingenommen werden darf.

Wenn ich nicht zum Arzt gehe: Wie hoch ist die Gefahr zu erblinden?

Priglinger: Heute ist die Gefahr sehr gering. Ein Grauer Star ist auch kein akutes Problem, bei dem man sofort handeln muss. Wenn jemand das Gefühl hat, dass das Sehen schlechter wird, sollte er zum Augenarzt gehen. Aber ab 50 Jahren sollte sowieso jeder regelmäßig zur Kontrolle gehen.

Wie läuft eine Untersuchung im Hinblick auf den Grauen Star ab?

Priglinger: Zuerst misst der Arzt die Sehstärke und schaut, ob eine Brille ausreicht. Danach erfolgt eine Untersuchung mit der Spaltlampe, einem Mikroskop mit einer Kinnstütze. So kann der Arzt mit verschiedenen Vergrößerungen die Bindehaut, Hornhaut, Vorderkammer, Linse sowie hinten im Auge die Netzhaut anschauen.

Ist die Linse getrübt und gibt es noch andere Augenkrankheiten, kann eine Operation sinnvoll sein: Die Linse wird durch eine Kunstlinse ersetzt. Mit Medikamenten kann man nichts machen.

Kann ich den Zeitpunkt für eine OP verpassen?

Priglinger: Wenn der Betroffene merkt, dass er nur noch 50 Prozent sieht, dann ist das der ideale Zeitpunkt für eine OP. Heute ist das Komplikationsrisiko so extrem gering, dass wir auch oft Patienten mit geringen Sehfehlern haben. Sie wollen dann nur ihre Brille weghaben.

Bis in die 70er-Jahre hinein war die OP eine große Gefahr für das Auge. Damals hat der Arzt mit einem Messer das halbe Auge aufgeschlitzt. Heute macht man das nur noch so, wenn die Linse bereits braun und hart ist. Das ist bei mir etwa zehnmal im Jahr der Fall.

Wie läuft heute eine OP ab?

Priglinger: Das eine Auge wird abgedeckt, das kranke wird mit Tropfen betäubt. Der Patient ist also bei Bewusstsein. Dann wird das Auge mit einem Ultraschallgerät vermessen und mehrere Schnitte am Hornhautrand gemacht. Die Linse wird mit dem Ultraschallgerät zerkleinert und herausgesaugt.

Über diesen Tunnel wird dann die neue Linse hineingeschoben. Sie klemmt sich fest im sogenannten Kapselsack, dem Halterungs-Apparat der ursprünglichen Linse. Nach der OP kann der Patient sofort nach Hause gehen.

Wieso bekommt der Patient keine Vollnarkose?

Priglinger: Wir machen das nur in Notfällen. Zum Beispiel wenn der Patient Platzangst hat oder wenn es Kinder, Behinderte oder demente Patienten betrifft. Manche unserer Patienten aber bekommen eine Beruhigungstablette.

Generell gilt: Die Augen sind sehr gut betäubt, die Patienten haben also keine Schmerzen. Der Patient sieht während der OP auch nicht viel, denn er wird maximal geblendet und soll genau dorthin schauen. So fixiert er den Augapfel und dieser wandert während der Operation nicht herum.

Welche Linsen setzen Sie ein?

Priglinger: Es gibt verschiedene Linsensorten, die wir je nach Material, Form und Stärke auswählen. Man kommt von den Silikonlinsen weg und nimmt solche mit Acryl. Die Stärke ist abhängig davon, wie lang der Augapfel oder die Stärke der Hornhaut ist und wie der Patient nach der OP sehen möchte.

Man kann die Linse zum Beispiel so wählen, dass der Patient später in der Ferne scharf sieht, für die Nähe aber eine Lesebrille braucht. Aber genauso geht es, dass der Patient zum Lesen keine Brille braucht, dafür aber eine für den Kinobesuch.

Warum kann der Patient nicht beides haben?

Priglinger: Es gibt mittlerweile Linsen, die beides können. Diese sogenannten Multifokallinsen werden immer häufiger eingesetzt. Das geht aber nur, wenn die Augen gesund sind.

Denn sie mindern unter anderem die Kontrastschärfe beim Sehen, wenn der Betroffene noch andere Erkrankungen wie den Grünen Star oder eine altersbedingte Makuladegeneration hat.

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nur die konventionellen Linsen.

Kann sich die Sehschärfe nach der OP wieder verschlechtern?

Priglinger: Sie kann schlechter werden, wenn Erkrankungen an der Netzhaut dazukommen. An der Linse selbst kann es sein, dass sich ein sogenannter Nachstar bildet. Dabei entwickelt sich eine dünne Zellschicht, die die Kunstlinse trübt.

Das ist etwa bei jedem fünften Patienten der Fall und kann sich auch erst fünf, zehn Jahre nach der OP einstellen. Der Nachstar ist aber harmlos und kann gut mit einem Laser behandelt werden.

Von Angelika Mayr

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