Mann gähnt
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Wer an chronischer Fatigue leidet, kämpft ständig mit schwerer Erschöpfung.

Chronisch müde

Ständig erschöpft nach Covid-19 – Coronavirus-Spätfolge macht selbst Zähne putzen zur Tortur

  • Juliane Gutmann
    vonJuliane Gutmann
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Wer krank ist, fühlt sich schlapp und müde. Doch was, wenn die Erschöpfung nach überstandenem Infekt nicht vergehen will? Covid-19-Patienten können betroffen sein.

  • An Covid-19 als "junger" Erkrankung mit dem ersten gemeldeten Fall im Dezember 2019 wird intensiv geforscht.
  • Langzeitstudien fehlen, jedoch finden Mediziner immer neue Hinweise, wie sich die Krankheit im Körper manifestiert* und welche Auswirkungen sie hat.
  • Auch die Erfahrungsberichte von Patienten spielen eine maßgebliche Rolle. So gibt es Betroffene, die noch lange nach einer überstandenen Coronavirus-Infektion an chronischer Erschöpfung leiden.

Covid-19 ist noch lange nicht vollständig erforscht. Immer neue Studien helfen Medizinern und Forschern, die Krankheit besser zu verstehen und so den Grundstein für neue wirksame Medikamente und Impfstoffe zu legen. In Hinblick auf die Spätfolgen beziehungsweise bleibende Schäden durch Covid-19 beunruhigen erste Studien Ärzte und Fachleute. So kann es auch nach überstandener Erkrankung zu eingeschränkter Lungenfunktion kommen und auch anhaltende Herzprobleme sind möglich. Ob diese allerdings langfristig bestehen bleiben, ist noch ungewiss.

Was Medizinern ebenfalls Sorge bereitet: Einige Patienten berichten von einer bleiernen Erschöpfung, die sie auch lange nach einer Coronavirus-Infektion quält. Dieser Zustand wird von Medizinern auch als Chronisches Fatigue Syndrom (CFS) bezeichnet und kann soweit gehen, dass Betroffene nicht mehr arbeiten können. Selbst Gespräche mit Freunden oder das morgendliche Anziehen kann lange Erholungspausen danach nötig machen.

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Chronische Erschöpfung nach Covid-19: Betroffene kann nicht mehr arbeiten

Zeit.de sprach mit einer Covid-19-Patientin, die genau das durchmacht. Die 33-Jährige, die nicht namentlich genannt werden möchte, erkrankte im März 2020 an Covid-19, gilt aber seit rund drei Monaten wieder als gesund. Doch so fühlt sich die junge Frau nicht. Wo sie früher als Freiberufliche in der Filmbranche bis zu zwölf Stunden Arbeit am Tag ohne weiteres weg steckte, ist sie heute nach rund drei Stunden enorm erschöpft. Selbst längere Gespräche mit Freunden oder der Gang in ihre Wohnung, die im dritten Stock liegt, strengen sie derart an, dass sie danach Ruhe braucht, so zeit.de.

Ärzte sprechen bei derartigen, lange anhaltenden Symptomen vom Chronischen Fatigue Syndrom (CFS), das auch nach Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus, dem Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers, auftreten kann. Typisch für die schwere Erschöpfung ist, dass sie nicht auf fehlenden Schlaf zurückzuführen ist und auch nicht durch Anstrengung ausgelöst wird. Im Fall von Covid-19 führen Mediziner CFS auf die Infektion mit Coronaviren zurück. Allerdings ist noch nicht klar, ob die schwere Erschöpfung bei manchen Coronavirus-Patienten wieder vergeht oder chronisch wird. Um diese Frage zu beantworten, müssen noch weitere Studien folgen. (jg) *Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Mit chronischer Erschöpfung leben

Dauernd kaputt, Konzentrationsprobleme, Muskelschmerzen: Das sind Symptome des Chronischen Fatigue-Syndroms. Foto: Bildagentur-online/Ron Koeberer
An Treppensteigen war für Edelgard Klasing früher nicht zu denken: Ein halbes Jahr war die damals 35-Jährige wegen des Chronischen Fatigue-Syndroms (CFS) bettlägerig. Foto: Franziska Gabbert
Als Vorsitzende des Bundesverbands der Patientenorganisation "Fatigatio" kümmert sich Edelgard Klasing bundesweit um Menschen, die unter CFS leiden. Sie erstellt die Vereinszeitschrift, berät Betroffene und stellt Kontakt zu Ärzten her. Foto: Franziska Gabbert
Nach draußen gehen, arbeiten, Freunde treffen: Dank ihrer täglichen Disziplin kann Edelgard Klasing heute gut mit CFS leben. Foto: Franziska Gabbert
Mit chronischer Erschöpfung leben

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