Demenz

Erforschung neuer Therapiekonzepte zur Behandlung von Demenzen: Nutzung der stillen Reserve

Frühe Erkennung – frühe Behandlung

Dr. Markus Ebke. BREMEN/MAGDEBURG. Der Verfall geistiger Leistungsfähigkeit (Demenz) stellt ein Problem vorwiegend des höheren Lebensalters dar. An der Entstehung sind Gefäß- wie auch Gewebeprozesse (Neuro-Degeneration) beteiligt.

Die Anzahl der Neuerkrankungen an Demenzen zum Beispiel vom Alzheimer-Typ (AD) verdoppelt sich alle 20 Jahre. Im Jahr 2030 werden etwa 63 Millionen und in Deutschland mindestens zwei Millionen Menschen an der AD leiden.

Es ist somit wichtig, dementielle Entwicklungen in einem möglichst frühen Stadium zu erkennen, zu behandeln, die geistige Leistungsfähigkeit der Betroffenen damit zu stabilisieren und den Beginn der Unselbstständigkeit möglichst lange hinauszuzögern.

Doch trotz der Fortschritte in der Grundlagenforschung, also im Verständnis zur Entstehung der Erkrankungen, bleiben therapeutische Erfolge derzeit noch bescheiden.

Neuere Forschungsergebnisse haben jetzt aber gezeigt, dass höhere Hirnfunktionen wie das Denken in einem plastischen, also veränderbaren Nervennetzwerk im Gehirn organisiert sind. Somit „denken“ wir nicht von einem Ort aus, sondern aus dem Zusammenspiel verschiedenster Regionen im Gehirn. Weiter wurde erst kürzlich klar, dass im Beginn der Demenz überwiegend die Verschaltungen (Synapsen) und weniger die Strukturen des Gehirns (Grad der Plaque- oder Fibrillenablagerung) zerstört werden.

Die Netzwerkperspektive begründet den neueren therapeutischen Ansatz, durch spezifische Stimulations- und Trainingsprozeduren Lernprozesse zu aktivieren, die funktionelle Defizite bis zu einem gewissen Grad kompensieren können. Die geistige Leistungsfähigkeit könnte damit auf hohem Niveau erhalten bleiben, wobei eine geeignete „stimulative“ (soziale, intellektuelle) Umgebung und Lebensführung eine wichtige Rolle spielen. Therapien, die diese funktionellen Mechanismen der Informationsverarbeitung unterstützen, sind umso effektiver, je eher sie beginnen. Das Bundesministerium für Forschung und Bildung hat daher unlängst zum Thema Demenz eine große Forschungskampange ins Leben gerufen, die die Etablierung von „Demenzkompentenzzentren“ unterstützt. Eines davon ist das Magdeburger Institut für Demenzforschung, das sich insbesondere der Erforschung des Ansatzes von Stimulations- und Trainingstherapie bei Demenzen widmet. Es werden gezielt folgende Behandlungsstrategien verfolgt:

Frühestmögliche geistige Anregung

Um das schnelle Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern, ist es erforderlich, dass die höheren geistigen Prozesse angeregt und stimuliert werden, um unter bestimmten Bedingungen die Leistungsfähigkeit eines geschädigten Gehirns zu verbessern. Neue tierexperimentelle Studien zeigen, dass Gedächtnisstörungen, hervorgerufen durch massiven Verlust an Nervenzellen, durch geeignete Anregungen aufgehalten und zum Teil sogar gemildert werden können.

Klinische Studien demonstrieren positive Trainingseffekte am Gedächtnis durch geistige/kognitive Stimulation bei der Alzheimer- wie bei der vaskulären Demenz (nach Schlaganfällen).

Nutzung der stillen Reserve

Tatsächlich entwickeln sich bei der AD wie bei der vaskulären Demenz (nach Schlaganfällen) bereits lange Zeit vor dem Beginn klinischer Symptome neuropathologische Veränderungen. Nach Erstdiagnose einer leichten kognitiven Störung (MCI, Mild Cognitive Impairment) kann aber die geistige Leistungsfähigkeit noch einige Jahre auf relativ hohem Niveau erhalten bleiben, obwohl die Neurodegeneration fortschreitet. Offensichtlich verfügt das Gehirn über Kompensationsmechanismen und stille Reserven, die wir nutzen können. Diesen Vorgang haben wir aber längst noch nicht verstanden.

Fasst man diese doch sehr ermutigenden Entwicklungen zusammen, ist das Bündeln von Anstrengungen mit Blick auf Verbesserung der Behandlungsstrategien der Demenzerkrankungen um so erforderlicher.

Daher hat sich die Kooperation der Klinik für Neurologie (Stroke Unit) des Klinikums Bremen Mitte (KBM) der Gesundheit Nord gGmbh mit dem Universitätsklinikum Magdeburg ergeben. Gerade mit dem in Magdeburg neu entstehenden Institut für Demenzforschung (MID) hat sich jetzt eine innovative Kooperation, besonders zur Erforschung einer frühen Diagnosestellung mit rascher Behandlung von Demenzen, gebildet.

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