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Vegane Ernährung ist ein gesundheitliches Risiko in der Schwangerschaft, Stillzeit und im Kinder- und Jugendalter.

Gastbeitrag zweier Ärzte

An die Eltern, die sich und ihre Kinder vegan ernähren: Vorsicht!

Eltern, die beschließen, dass ihre Kinder ohne Fleisch, Milch und Eier, also vegan, aufwachsen, sollten die Gesundheitsgefahren kennen. Worauf es ankommt, beschreiben die Ärzte Alexandra Wagner und Stefan Eber in ihrem Gastbeitrag. 

Die vegane Ernährung ist eine seit vielen Jahren wachsende Ernährungsform (2015: 1,1 Prozent der deutschen Bevölkerung), zumeist aus gesundheitlicher oder ethischer Überzeugung. Noch vor einigen Jahren gaben nur wenige junge Frauen an (2008: 0,1 Prozent), sich vegan zu ernähren; jedoch scheint der Zuspruch gerade bei weiblichen Jugendlichen in den letzten Jahren deutlich zuzunehmen. Obwohl eine pflanzenbasierte Ernährung im Erwachsenenalter durchaus gesundheitliche Vorteile haben kann, vor allem metabolische und kardiovaskuläre Krankheiten betreffend,gehen mit der veganen Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit und von Kindern und Jugendlichen wesentliche gesundheitliche Risiken einher, über die wir im Folgenden aufklären wollen. Vorwiegend soll hier auf das blutbildende System eingegangen werden, das für die Synthese aller Zellreihen auf die Zufuhr verschiedener Nährstoffe aus tierischen Produkten angewiesen ist. Hierzu zählen vor allem Eisen, Vitamin K und Vitamin B12. 

Vor allem in Wachstumsphasen kann es zu Gesundheitsnachteilen durch den ernährungsbedingten Nährstoffmangel kommen, da hier im Rahmen der Zellbildung vermehrt Eisen (Hämoglobinbildung) und Vitamin B12 (DNS-Synthese, Zellbildung) verbraucht wird. Zusätzlich zu den für die Blutbildung essentiellen Nährstoffen zählen Proteine, Calcium, langkettige Omega 3 Fettsäuren und Jod zu potentiell kritischen Nährstoffen bei veganer Ernährung. Zu den vornehmlich von Nährstoffmangel betroffenen Risikopersonen in Wachstumsphasen zählen vor allem Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche.

Eisenmangel

Eisen ist ein Spurenelement, das über die Nahrung aufgenommen werden muss und das essentiell für die Blutbildung ist, da es fester Bestandteil von Hämoglobin (dem Sauerstoffträger der roten Blutkörperchen) ist. Die empfohlene tägliche Eisenzufuhr liegt bei Erwachsenen bei 10 (männlich) bis 15 (weiblich im gebärfähigen Alter) mg/Tag. Frauen im gebärfähigen Alter wird eine höhere Eisenaufnahme empfohlen, da sie durch die Monatsblutung regelmäßig Eisen verlieren. Schwangere und stillende Frauen haben aufgrund der Versorgung des Kindes einen noch weiter erhöhten Eisenbedarf. Hier wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. eine Eisenaufnahme von 20 (Stillende) bis 30 mg/Tag (Schwangere) empfohlen. Die Referenzwerte für Kinder in unterschiedlichen Altersstufen lesen Sie unten in der Tabelle 1. 

Eisen in seiner am besten resorbierbaren Form (zweiwertiges Eisen, Fe2+) ist vor allem in rotem Fleisch vorhanden. Erwachsenen wird eine wöchentliche Fleischkost von 300 bis 600 Gramm empfohlen. Nur 10 Prozent des in der Milch, aber 20 Prozent des im Fleisch enthaltenen Eisens werden vom Darm aufgenommen. Auch pflanzliche Nahrungsmittel können Eisen enthalten (Beispiele sehen Sie in Tabelle 3), allerdings liegt dies meist in einer Form vor, die der Darm schlechter aufnehmen kann (dreiwertiges Eisen, Fe3+, hoher Gehalt an Oxal- oder Phytansäure). Daher muss das Eisenangebot wesentlich höher sein als das tatsächlich im Darm aufgenommene Eisen. 

Um die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung zu steigern, kann man Lebensmittel so kombinieren, dass die Ausnutzung von Eisen gefördert wird. Eine Möglichkeit hierfür ist der gleichzeitige Verzehr von Vitamin C oder anderen organischen Säuren mit der Nahrungsaufnahme (zum Beispiel Orangensaft, Zitronensaft). Vitamin C hemmt als Sauerstoffradikalentgifter die Bildung von dreiwertigem Eisen und fördert somit die Eisenresorption. Tee, Milch und Kaffee hemmen die Eisenaufnahme, daher sollte das Trinken von Kaffee, Milch und Tee vor, während und nach eisenhaltigen Mahlzeiten vermieden werden. 

Ein Eisenmangel führt neben Veränderungen der Haut und der Schleimhäute (zum Beispiel trockene Haut, Einrisse am Mundwinkel, Zungenbrennen, brüchige Nägel und Haare) und unspezifischen neurologischen Symptomen wie Kopfschmerzen und Gereiztheit vor allem zu einer Blutarmut (da zu wenig Hämoglobin hergestellt werden kann, werden weniger rote Blutkörperchen gebildet). Letztere äußert sich vor allem in Leistungsminderung, Müdigkeit und Atemnot. Die Haut und die Schleimhäute sind blass. Ungeborene (Embryos), Säuglinge und Kinder jeden Alters sind hiervon besonders betroffen, da das gesamte Blutbildende System während der Schwangerschaft neu aufgebaut wird und mit dem Wachstum des Kindes der Bestand an roten Blutkörperchen regelmäßig erhöht werden muss, um den wachsenden Körper ausreichend mit Sauerstoff versorgen zu können.

Alter

Empfohlene Eisenaufnahme

(Milligramm pro Tag)

Männlich

Empfohlene Eisenaufnahme

(Milligramm pro Tag)

Weiblich

0 bis weniger als 4 Monate

0,5

0,5

4 bis weniger als 12 Monate

8

8

1 bis weniger als 4 Jahre

8

8

4 bis weniger als 7 Jahre

8

8

7 bis weniger als 10 Jahre

10

10

10 bis weniger als 19 Jahre

12

15

Tabelle 1: Empfohlene Eisenaufnahme pro Tag bei Kindern anhand verschiedener Altersstufen.


Vitamin-K-Mangel 

Nicht selten geht eine vegane Ernährung mit einem Vitamin-K-Mangel einher. Grund dafür ist, dass wir unseren Vitamin-K-Bedarf überwiegend aus dem Fleisch aufnehmen. Vitamin K ist insbesondere für die Blutgerinnung notwendig, da die wichtigen Gerinnungsfaktoren nur mit Vitamin K gebildet werden können. Es kommt beim Vitamin-K-Mangel daher zur Verminderung dieser Faktoren und dadurch zu einem verminderten „Quick“-Wert. Von den 21 Patienten mit Vitamin-K-Mangel in unserer Praxis ist dieser meist als Zufallsbefund (verminderter Quick) im Rahmen einer präoperativen Gerinnungsuntersuchung aufgefallen. Bei vermindertem Quick können die betroffenen Patienten länger und stärker bluten. Operationen wie zum Beispiel eine Polypenentfernung (Adenotomie) sind beim Kind nicht möglich, wenn der Quick-Wert vermindert ist. Wir führen in der Praxis in diesen Fällen eine dreitägige Vitamin-K-Gabe (je 10 mg eines sogenannten Micellen-Vitamin-K-Präparats) durch, um die Produktion von Vitamin K abhängigen Gerinnungsfaktoren wieder zu steigern und die Blutgerinnung funktionstüchtig zu machen. Wenige Fälle von Vitamin-K-Mangel sind in unserer Praxis symptomatisch geworden. Je einmal sind Nasenbluten und Petechien (Hauteinblutungen) aufgetreten.

Vitamin-B12-Mangel

Vitamin B12 muss über die Nahrung aufgenommen werden und ist vor allem in Tierprodukten (zum Beispiel Eier, Fleisch, Milch) enthalten. Daher zählen Veganer und Vegetarier zur Risikogruppe eines nahrungsbedingten B12-Mangels, sofern sie keine Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt eine Vitamin B12-Aufnahme von 3,0 µg/d bei Erwachsenen. Schwangere sollten 3,5 µg/d, Stillende 4,0 µg/d zu sich nehmen. Die Referenzwerte für Kinder in unterschiedlichen Altersstufen lesen Sie in der Tabelle 2. 

Eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 ist bei veganer Ernährung ohne die Einnahme von Ergänzungsprodukten nicht möglich. Vitamin B12 spielt als Coenzym eine große Rolle bei der Bildung von Vorstufen der Erbsubstanz (DNS-Synthese). Hieraus ergeben sich Gesundheitsnachteile vor allem in Wachstumsphasen, da hier im Rahmen der Zellbildung viel Erbsubstanz hergestellt wird. Zu den vornehmlich betroffenen Risikopersonen in Wachstumsphasen zählen somit auch hier Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche. Kinder haben im Vergleich zu Erwachsenen ein höheres Risiko für einen nahrungsbedingten B12-Mangel, da sie geringere Vitamindepots und einen relativ höheren Vitaminbedarf haben. Sie sind auf die Vitamin-B12-Zufuhr durch die Mutter angewiesen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 über die Mutter während der Schwangerschaft sowie in der Muttermilch oder in der Kleinkindkost. Ursache eines schweren Vitamin-B12-Mangels beim Säugling kann ausschließliches Stillen bei Vitamin-B12-Mangel der Mutter durch vegane Ernährung sein. Beim Vitamin-B12-Mangel kommt es zu einer verminderten Herstellung von Erbsubstanz. Diese äußert sich unter anderem im Auftreten einer Blutarmut (verminderte Bildung von roten Blutkörperchen) mit den Hauptsymptomen Leistungsminderung, Müdigkeit und Atemnot. Außerdem kann es zu einer verminderten Bildung von weißen Blutkörperchen (Neutrozytopenie) mit Infektneigung sowie einer verminderten Produktion von Blutplättchen (Thrombozytopenie) mit Blutungsneigung kommen. 

Neben der Bildung von Erbsubstanz (DNS-Synthese) ist Vitamin B12 ein wichtiger Cofaktor bei der Fettsäureherstellung. Bei Vitamin-B12-Mangel ergibt sich daraus ein Markscheidenschwund. Markscheiden ummanteln Nervenstränge und ermöglichen durch ihre isolierende Funktion eine schnelle Reizleitung. Bei Beschädigung der Markscheiden kommt es zu Störungen der Nervenfunktion, die sich zuerst in Gefühlsstörungen (zum Beispiel Verlust des Vibrationsempfindens, Missempfindungen, Gangunsicherheit) und Lähmungen äußert. Zudem kann ein Vitamin-B12-Mangel auch psychiatrische Symptome wie Manien, Psychosen, Müdigkeit, Gedächtnisstörungen, Reizbarkeit, Depression und Persönlichkeitsveränderungen bewirken. Bei Säuglingen sind Reizbarkeit, Wachstumsstörungen, Apathie, Appetitlosigkeit und Entwicklungsverzögerung wichtige Symptome. Außerdem können im Kindesalter therapierefraktäre Epilepsien und unbeherrschbares Schreien auftreten. Obwohl die Ursache hier fast immer ein mütterlicher Mangel ist, kann die Mutter frei von klinischen Symptomen sein. Die neurologische Symptomatik tritt oft schon vor einer Blutarmut auf. Im Frühstadium sind die neurologischen Symptome noch reversibel, allerdings kommt es mit andauerndem Vitamin-B12-Mangel zur Schädigung der Nervenstränge selbst und somit zur Irreversibilität der neurologischen Symptome. Zusätzlich kann es beim Vitamin-B12-Mangel zu Schleimhautveränderungen kommen. Typisch ist eine glatte und brennende Zunge. Auch Zahnfleischbluten oder Aphten können vorkommen. 

Die Patienten in unserer Praxis, die sich mit einem Vitamin-B12-Mangel vorstellen, fallen meist durch eine Blutarmut (Anämie) oder einen Mangel an weißen Blutkörperchen (Neutrozytopenie) auf. Unter 15 Patienten mit Vitamin-B12-Mangel ist einmal ein Krampfanfall aufgetreten. Anderweitige neurologische Symptome wie unbeherrschbares Schreien und Apathie begegnen uns häufiger. 

Ein Fallbeispiel aus unserer Praxis: Eine junge Mutter stellt ihren Säugling mit Gedeihstörung vor. Das Kind zeigt einen mäßigen Muskeltonus und ist im Kontakt entweder apathisch (kein Blickkontakt, schläfrig) oder schreit viel. Im Labor fällt ein Vitamin-B12-Mangel auf. Die Ursache ist zunächst unklar. Im Verlauf stellt sich heraus, dass der bekannte, durch vegane Ernährung bedingte Vitamin-B12-Mangel der Mutter nach Geburt nicht weiter mit Vitamin B12 substituiert wurde und das Kind ausschließlich gestillt wird. Durch den Vitamin-B12-Mangel der Mutter wird das Kind bei ausschließlichem Stillen mit Vitamin B12 unterversorgt und erleidet ebenfalls einen schweren Vitamin-B12-Mangel mit oben genannter neurologischer Symptomatik. Bei adäquater Substitution waren die Symptome des Säuglings rückläufig, schon einen Tag nach der intramuskulären Verabreichung von Vitamin B12 lächelt der Säugling und sieht die Mutter neugierig und zugewandt an.

Alter

Empfohlene Vitamin-B12-Aufnahme (Mikrogramm pro Tag)

0 bis weniger als 4 Monate

0,4

4 bis weniger als 12 Monate

0,8

1 bis weniger als 4 Jahre

1,0

4 bis weniger als 7 Jahre

1,5

7 bis weniger als 10 Jahre

1,8

10 bis weniger als 13 Jahre

2,0

13 bis weniger als 19 Jahre

3,0

Tabelle 2: Empfohlene Vitamin-B12-Aufnahme pro Tag bei Kindern anhand verschiedener Altersstufen.


Vegane Ernährung und Essstörung

Neben oben genannten Effekten der veganen Ernährung auf den Körper, muss vor allem bei Jugendlichen der Einfluss der Ernährung auf die Psyche bedacht werden. Vegane Ernährung und Essstörungen liegen häufig in zeitlichem Zusammenhang miteinander. Nicht selten liegt eine vegane Ernährung im Vorfeld der Essstörung. Wer vegan (oder auch ohne medizinische Indikation laktosefrei, glutenfrei oder kohlenhydratarm) isst, beschäftigt sich in der Regel viel mit seiner Ernährung. Diese kann immer einseitiger werden und sich auf immer weniger Nahrungsmittel beschränken. Eine solch eingeschränkte Ernährung kann zwanghaft werden. Eine große Rolle kann außerdem ein Gefühl der Kontrolle durch die Einschränkung der Ernährung spielen. Eine plötzliche Entscheidung zur veganen Ernährung kann bei Jugendlichen auch Ausdruck einer bereits bestehenden Essstörung sein. Durch die eingeschränkte Lebensmittelauswahl lassen sich gute Ausreden finden, um in sozialen Situationen nicht mitzuessen. Außerdem kocht der/die Betroffene bei vom Umfeld abgegrenzter Ernährung in den meisten Fällen selbst und kann somit genau die zugeführte Kalorienmenge bestimmen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. hält eine vegetarische und vegane Ernährung im Erwachsenenalter für sicher, sofern die Nährstoffversorgung regelmäßig geprüft und Mängel frühzeitig ausgeglichen werden. Um eine adäquate Nährstoffversorgung zu sichern, ist auf die gezielte Auswahl und Darreichungsform ausgewogener und nährstoffreicher Lebensmittel zu achten. Eine Ernährungsberatung kann helfen, den Umgang mit nährstoffreichen pflanzlichen Lebensmitteln und deren Darreichungsform sowie angereicherte Lebensmittel und Ergänzungspräparate kennenzulernen. Die Nährstoffzufuhr sollte regelmäßig mittels Blutentnahmen überprüft werden, um die Lebensmittelauswahl frühzeitig anzupassen und die Indikation einer ergänzenden Einnahme von Nährstoffpräparaten rechtzeitig zu stellen. 

Eine ausreichende Vitamin-B12-Aufnahme ohne die Zuführung von Ergänzungspräparaten ist bei veganer Ernährung derzeit nicht möglich. Bei gezielter Planung von Lebensmittelauswahl und Ergänzung hält die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. es für möglich, eine vegane Ernährung ohne Nährstoffmangel für gesunde Erwachsene zusammenzustellen. Von einer veganen Ernährung in Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und Jugend wird aufgrund des erheblichen Risikos für den Mangel essentieller Nährstoffe in diesen vulnerablen Phasen des Nährstoffbedarfs allerdings abgeraten. Mütter und Eltern, die sich dennoch für eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft, Stillzeit oder im Kindesalter entscheiden, sollten diese Vorsichtsmaßnahme n mit allergrößter Sorgfalt verfolgen

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin hält eine vegetarische Ernährung von Säuglingen für unbedenklich, sofern der Eisenstatus regelmäßig überprüft und der Eisenhaushalt gegebenenfalls durch Nahrungsergänzung unterstützt wird. Zudem sollte den Mahlzeiten Vitamin C, zum Beispiel in Form von Obstsäften, hinzugefügt werden, um die Eisenaufnahme zu verbessern. Milch sollte im Rahmen von Mahlzeiten vermieden werden, da sie die Eisenaufnahme hemmt. Von einer veganen Ernährung bei Säuglingen und Kleinkindern wird jedoch mit dem Hinweis auf mögliche schwere neurologische Schäden durch Vitamin B12 abgeraten. Auch hier wird für Mütter und Eltern, die sich dennoch für eine vegane Ernährung in Schwangerschaft, Stillzeit oder im Kindesalter entscheiden, die regelmäßige Blutentnahmen zur Überprüfung der Nährstoffzufuhr empfohlen, zusätzlich zur engmaschigen Überwachung von Wachstum und Gedeihen des Kindes durch den Kinderarzt. 

Wir schließen uns in diesem Gastbeitrag den Empfehlungen der deutschen Gesellschaft für DErnährung und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin an. 

Obwohl eine vegane Ernährung im Erwachsenenalter mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen durchaus ausgewogen sein kann, können wir die vegane Ernährung in besonders nährstoffbedürftigen Lebenssituationen nicht empfehlen. In Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und Jugend übersteigt der Nährstoffbedarf die Grenzen der veganen Ernährung, da sie aus unserer Sicht zu einseitig ist und wichtige Elemente für das Wachstum von Körper und Geist ungenügend berücksichtigt. 

Darüberhinaus besteht für junge Menschen die Gefahr, dass die einseitige Ernährung zu einer allgemeinen Mangelernährung führt. Zudem besteht die Gefahr einer Verselbständigung der einseitigen Diät bis hin zur Essstörung

Daher raten wir (werdenden) Müttern und Eltern zu einer zumindest vegetarischen, am besten auch fleisch- und fischhaltigen Ernährung während dieser Lebensphasen. Mütter und Eltern, die sich doch für eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft, Stillzeit oder im Kindesalter entscheiden, sollten oben genannte Vorsichtsmaßnahmen mit allergrößter Sorgfalt verfolgen.

Potentiell kritischer Nährstoff

Pflanzlicher Nährstofflieferant

Anderweitige Ergänzung

Vitamin B12

-

Zusätzliche Einnahme von Vitamin B12 Präparaten IMMER empfohlen

Eisen

  • Hülsenfrüchte, Nüsse, Ölsamen, Vollkorngetreide, Kleie, Brennessel, Schwarzwurzel
  • Verbesserung der Aufnahme durch Vitamin C
  • Verminderung der Aufnahme durch Kaffee, Tee, Milch

Einnahme eines Eisenpräparates bei Eisenmangel, vor allem in Schwangerschaft und Stillzeit

Proteine

Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Kichererbsen, Linsen), Nüsse, Getreide, Kartoffeln

Calcium

Gemüse (z.B. Broccoli, Grünkohl, Rucola), Nüsse, Soja, Tofu, Mineralwasser

Gegebenenfalls Calciumangereicherte Lebensmittel ergänzen (z.B. Sojamilch mit Calcium)

Jod

-

Jodiertes Speisesalz empfohlen

Langkettige Omega 3 Fettsäuren (zum Beispiel Eicosapentaensäure, EPA, oder Docosahexaensäure, DHA)

Vorstufe alpha-Linolensäure ist in Leinsamen und Walnüssen enthalten.

Supplementierung empfohlen

Tabelle 3: Ersatzmöglichkeiten von potentiell mangelnden Nährstoffen bei veganer Ernährung.


Diesen Gastbeitrag schrieben Alexandra Wagner und Stefan Eber aus der Schwerpunktpraxis für Pädiatrische Hämatologie, Onkologie, Gerinnungsstörungen in München.

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