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Rund 130.000 Menschen arbeiten in Bayern in der Pflege. Die meisten von ihnen bei ambulanten Diensten.

Ambulante Dienste entgehen Kontrollen

Geheimakte Pflege: Mieser Trick auf Kosten der Senioren

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München - Krankenkassen überprüfen regelmäßig die Arbeit von ambulanten Pflegediensten. Doch die haben nun eine perfide Masche gefunden, um die Kontrollen zu umgehen.

Wo werden Pflegebedürftige schlecht versorgt? Wo wird Senioren mehr berechnet, als eigentlich geleistet wird? Das herauszufinden, ist unter anderem die Aufgabe des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MdK). Täglich kontrolliert die Pflege-Polizei in Heimen oder bei Menschen zu Hause, die dort von ambulanten Diensten gepflegt werden. Bei rund 350.000 Pflegebedürftigen allein in Bayern kein leichter Job – besonders da manche Pflegeanbieter alles dafür tun, die Arbeit der Kontrolleure zu erschweren. Jetzt haben sie eine neue Masche: Sie lassen kranke Senioren ein Formular unterschreiben, das jede Nachschau des MdK von vornherein verbietet!

„Hier wird versucht, unsere Arbeit regelrecht zu torpedieren“, schimpft Ottilie Randzio, Bayerns Chefin des MdK. Zur Erklärung: Wenn der Medizinische Dienst Patienten mit einer Pflegestufe befragen und untersuchen will, muss er diese erst um ihre Erlaubnis fragen. Datenschutzgründe! Willigen die Senioren nicht ein, dürfen die Pflege-Polizisten theoretisch nicht einmal die Wohnung betreten, wenn Menschen zu Hause versorgt werden. Nun kommt der Trick: Seit Wochen kursiert ein juristisches Schreiben, das manche ambulante Pflegedienste ihren Kunden vorlegen – und unterschreiben lassen. Darin heißt es unter anderem: „Weiterhin widerspreche ich bzw. wünsche ich ausdrücklich nicht, von den Mitarbeitern des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung im Rahmen der Qualitätsprüfung nach §§112 ff SGB XI angerufen, besucht und/oder befragt zu werden.“ Heißt im Klartext: „Ich will keine Kontrolle meiner Versorgung.“ Und das ist nicht alles: Sogar in die Pflegedokumentation darf der MDK keinen Blick mehr werfen. Zur Erinnerung: Erst im Frühjahr ermittelte das Bundeskriminalamt (BKA), dass manche ambulanten Dienste Leistungen abrechnen, die nie erbracht wurden. Der Schaden? Nach Schätzungen der Experten mindestens eine Milliarde Euro!

Und jetzt das Schreiben! „Dieser Brief, den alte Menschen natürlich oftmals einfach unterschreiben, macht unsere Arbeit unmöglich“, so Ottilie Randzio. Und das in einer Zeit, wo die Bewertung von ambulanten Diensten und Pflegeheimen durch den Pflege-TÜV schon seit langem in der Kritik steht. Auch Pflegeexperte Claus Fussek ist geschockt von dem Anti-Prüfschreiben: „Hier sichern sich einige ambulante Dienste ab. So können sie ohne jede Kontrolle machen, was sie wollen. Das geht gar nicht.“

So sieht es auch das Staatsministerium von Melanie Huml (40, CSU). Wie die tz erfuhr, wird in ihrem Haus derzeit überlegt, wie man gegen den Brief vorgehen kann. Fussek warnt alle Betroffenen: „Niemand sollte das unterschreiben. Wer das tut, nimmt sich selber die Möglichkeit, dagegen vorzugehen, wenn er schlecht versorgt oder schlichtweg betrogen wird.“ Aber was tun, wenn der ambulante Dienst dann droht, einfach abzuziehen? Fussek: „Dann soll er. Es gibt viele gute und seriöse Pflegekräfte da draußen.“

Die Arbeit des MdK in Bayern

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MdK) ist der medizinische, zahnmedizinische und pflegerische Beratungs- und Begutachtungsdienst für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung in Deutschland. Im Auftrag der Pflegekassen stellt der MdK unter anderem fest, ob jemand pflegebedürftig ist. Und er hat ein Auge auf die Pflege selbst, überprüft die schriftlichen Nachweise der Anbieter, welche Leistungen wann und wie erbracht wurden. In der Szene ist bekannt: Hier wird oft gefälscht.

Armin Geier

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