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Wie alt wir werden, hängt von mehreren Faktoren ab. Auch eine Portion Glück gehört dazu.

Auf was es ankommt

Das Geheimnis unseres Alters

Berlin - Auf der ganzen Welt versuchen Forscher, das Geheimnis des Alters zu entschlüsseln. Hängt alles nur von den Genen ab oder ist vor allem der Lebenswandel entscheidend?

Er war älter als alle anderen lebenden Menschen: Jetzt ist der Japaner Jiroemon Kimura mit 116 Jahren gestorben. Ein biblisches Alter, das Kimura jetzt zum Verhängnis wurde – er starb an Altersschwäche. Seine Nachfolgerin als ältester Mensch der Welt kommt auch aus Japan: die 115 Jahre alte Misao Okawa aus Osaka.

Offenbar kein Zufall. Die Statistik zeigt, dass Japaner ohnehin mit einem besonders langen Leben gesegnet sind. Kimuras Rezept für ein gesundes Alter beherzen viele seiner Landsleute: „Maßvoll“ nur Gesundes in kleinen Portionen essen, „ohne Vorlieben und Abneigungen“.

Top 10 der Lebenserwartung

Land Lebenserwartung
Japan 83 Jahre
Schweiz 82,3 Jahre
Italien 81,8 Jahre
Spanien 81,8 Jahre
Australien 81,6 Jahre
Israel 81,6 Jahre
Island 81,5 Jahre
Schweden 81,4 Jahre
Frankreich 81 Jahre
Norwegen 81 Jahre
Deutschland 80,3 Jahre
Quelle: OECD-Factbook

Auf der ganzen Welt versuchen Forscher, das Geheimnis des Alters zu entschlüsseln. Ein Problem dabei: Es gibt zu wenige Ur-Alte. In Deutschland etwa haben im vergangenen Jahr nur neun Menschen ihren 110. Geburtstag gefeiert. Dementsprechend gering ist die Datenbasis.

Trotzdem sind die Forscher schon einigen Gründen für ein langes Leben auf die Schliche gekommen. Ein Forscherteam des Mikrobiologen Prof. Stefan Schreiber von der Uni Kiel hat Proben von 3000 hochbetagten Deutschen untersucht und ist dabei auf drei „Alters-Gene“ gestoßen. „Zwei sind besonders interessant: ein Gen, das die DNA besser repariert und eins, das den Energiehaushalt der Zellen besser steuern hilft“, erklärt Schreiber. Der Clou: Wenn diese Gene wirken, bleiben die Menschen nicht nur gesünder, sie sind auch vor Alterskrankheiten wie Alzheimer oder Diabetes geschützt. Das Gen Foxo3A tritt bei Ur-Alten auf der ganzen Welt auf. Eine wichtige Entdeckung, weil Japaner und Europäer genetisch sehr unterschiedlich sind.

Liegt alles an den Genen?

Ist am Ende also alles nur ein Frage der Gene? Nein, sagt Schreiber. Die Genetik mache im Gegenteil nur 20 bis 40 Prozent aus. „Mit der Lebensführung können wir sowohl die Genetik zunichte machen als auch schlechte Genetik überwinden.“ Forscher der Uni Boston haben etwa herausgefunden, dass fast jeder siebte Mensch über die Gene für langes Leben verfügt. Tatsächlich wird aber nur jeder Hundertste so alt.

Die 5 größten Risikofaktoren

Zwillingsstudien zeigen, dass unser Lebenswandel einen deutlichen Einfluss auf die Lebenserwartung hat. Die fünf größten Risikofaktoren für einen früheren Tod sind Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und Bewegungsmangel. Altersforscher Schreiber hat etwa herausgefunden, dass regelmäßiges Rauchen die Lebenserwartung um zehn bis 15 Jahre verkürzt – dann wirkt auch kein Alters-Gen mehr.

Frauen leben länger

Und schließlich kann es auch helfen, weiblich zu sein. Frauen leben fast überall länger als Männer. In Deutschland sind es rund fünf Jahre – unter den 110- und 111-Jährigen in Deutschland finden sich ausschließlich Frauen. Und nach Kimuras Tod ist jetzt auch wieder eine Frau der älteste lebende Mensch der Welt.

M.K.

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