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Im Winter gilt es besonders, möglichen Erkrankungen entgegenzuwirken.

Fit bleiben und fit werden

Wichtige Tipps: So kommen Sie gesund durch den Winter

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München - Es ist schon fast eine Kunst, über den Winter hinweg nicht zu erkranken. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die besten Voraussetzungen dafür schaffen.

Nach dem Abschied vom goldenen Herbst winken viele Münchner mit dem Taschentuch, sie schniefen und schnäuzen sich dem Winter entgegen. „Die erste größere Erkältungswelle der Saison hat die Stadt bereits erwischt“, weiß Dr. Karlheinz Zeilberger. Im großen tz-Report erklärt der erfahrene Münchner Internist und Sportmediziner, wie Sie vernünftig mit einem Infekt umgehen. Und darüber hinaus gibt er Tipps zur Erkältungs-Abwehr - damit es Sie (hoffentlich) gar nicht erst erwischt …

So bleiben Sie fit

Viel Wasser oder Tee trinken, um die Schleimhäute zu schmieren: Mindestens 1,5 bis 2 Liter am Tag machen Sinn. Der Hintergrund: In der kalten Jahreszeit wird geheizt und die Raumluft dadurch trockener. „Sie macht die Schleimhäute spröder und damit durchlässiger für Bakterien“, erläutert Dr. Zeilberger. Die Schleimhäute sind praktisch die erste Barriere des Körpers gegen Krankheitserreger.

Immer wieder die Hände waschen - auch wenn es nervt! Auf unserer Haut siedeln sich allein über 200 verschiedene Virenarten an, die Erkältungskrankheiten verursachen können. Mehr als 90 Prozent dieser Erreger kann man durch gründliches Händewaschen mit Seife beseitigen.

Impfen lassen! „Die Grippe-Impfung ist für jeden sinnvoll, der viel Kontakt mit anderen Menschen hat“, rät Dr. Zeilberger. Der Impfstoff steht in München zur Verfügung. Nur in Ausnahmefällen müssen die Patienten die Kosten selbst übernehmen - wenn die Kasse den Versicherten nicht zu einer Risikogruppe zählt. Dann werden etwa 30 Euro fällig. „Ab 60 Jahren empfiehlt sich zusätzlich eine Pneumokokken-Impfung“, rät Dr. Zeilberger weiter. Diese Erreger können eine Lungenentzündung verursachen.

Dr. Karlheinz Zeilberger.

Den Vitamin-D-Spiegel überprüfen lassen: Vitamin D wird zum allergrößten Teil in der Haut gebildet - und zwar unter Einfluss von Sonnenlicht. Dementsprechend besteht gerade im Winter ein erhöhtes Risiko für Vitamin-D-Mangel. Er kann fatale Folgen haben, denn Vitamin D ist unter anderem wichtig für die Psyche und für die Knochen. „Gerade Patienten mit Osteoporose leiden oft an einem Vitamin-D-Mangel und laufen dadurch noch stärker Gefahr, sich beispielsweise bei Stürzen zu verletzen“, weiß Dr. Zeilberger.

Auf tückische Temperaturwechsel einstellen: „Gerade in der Übergangszeit zwischen Herbst und Winter können die Außentemperaturen stark schwanken - vor allem dann, wenn man von der Sonne in den Schatten geht oder umgekehrt“, erläutert der Münchner Mediziner. Darauf sollte man sich mit einer flexiblen Kleidung nach dem sogenannten Zwiebelschalen-Prinzip einstellen, die aus mehreren Schichten besteht. „Wichtig ist: Lieber öfter umziehen, auch wenn es etwas aufwändig erscheint. Denn sowohl ein Auskühlen als auch ein Überhitzen können Gift für den Körper sein.“

Die schlechteste Variante wäre übrigens, bei wechselhaftem Wetter die eigenen vier Wände überhaupt nicht zu verlassen. „Wir müssen unserem Körper auch die Chance geben, sich daran zu gewöhnen“, mahnt Dr. Zeilberger.

Die verstopfte Nase regelmäßig spülen: „Die Nase dient als eine Art Filter, um Krankheitserreger aus der Luft zu ziehen. Wenn sie verstopft ist, kann sie nicht so gut arbeiten. Deshalb sollte man sie mit Spülungen freimachen.“ Wer Nasensprays verwenden möchte, sollte sich ein Produkt auf Meersalzbasis besorgen. Klassische Nasensprays sollte man nur für kurze Zeit benutzen. „Sie bergen die Gefahr, die Schleimhäute auszutrocknen - und damit ihre Abwehrkraft gegen Viren und Bakterien zu schwächen.“

Tägliche Wechselduschen und regelmäßige Saunagänge in den Alltag einbauen: „Sie stärken das Immunsystem - ebenso wie eine vitaminreiche Ernährung mit viel Gemüse und Obst sowie regelmäßiger Sport“, weiß Dr. Zeilberger.

So werden Sie wieder fit

Die Erkältung ernst nehmen und ihren Verlauf beobachten: Die meisten klassischen Erkältungen - Mediziner sprechen von Infekten der oberen Atemwege - werden von Viren verursacht. Damit muss man nicht zwingend zum Arzt gehen, die Beschwerden wie moderater Husten und Schnupfen bessern sich in der Regel rasch und klingen nach ein bis zwei Wochen auch ohne Medikamente wieder ab. Zur Orientierung gibt es eine alte Volksweisheit. Sie beschreibt den Verlauf einer banalen Erkältung so: Drei Tage kommt sie, drei Tage bleibt sie, drei Tage geht sie. „Als grobe Richtschnur stimmt das nach wie vor“, bestätigt Dr. Zeilberger.

Alarmsignal Fieber nicht ignorieren: Allerdings dürfe man manche Symptome einer Erkältung auch nicht auf die leichte Schulter nehmen, warnt der Internist. Bedenklich sei vor allem höheres Fieber. „Wenn das Thermometer über 38,5 Grad steigt, sollte man lieber einen Arzt aufsuchen - insbesondere dann, wenn die Temperatur trotz der Einnahme von fiebersenkenden Mitteln wie beispielsweise Paracetamol nicht runtergeht oder sogar noch steigt“, sagt der Mediziner. Dies könnte beispielsweise auf eine Influenza, die sogenannte echte Virus-Grippe, hindeuten.

Übrigens: Es macht überhaupt keinen Sinn, sich mit Fieber in die heiße Badewanne zu legen. Dadurch wird der Körper nur zusätzlich gestresst, weil er eine Überhitzung vermeiden muss. Er verbraucht Energie, die dem Immunsystem fehlt.

Vorsicht auch bei grünlich-gelbem Hustenauswurf: Er lässt auf Eiter schließen - ein Abbauprodukt bei bakteriellen Infektionen. Wenn sich zusätzlich zu den Viren auch Bakterien angesiedelt haben, sprechen Mediziner von einer Superinfektion. „Um sie zu bekämpfen, wird in der Regel ein Antibiotikum eingesetzt“, erläutert Dr. Zeilberger.

Die Einnahme eines Antibiotikums kritisch hinterfragen und auf den Darmschutz achten: Grundsätzlich sind Antibiotika wirkungsvolle, gut erprobte Medikamente. Ihre Einnahme macht aber nur dann Sinn, wenn der Infekt von Bakterien verursacht worden ist - gegen Viren helfen diese Mittel nicht. „Im Zweifelsfall lässt sich mit einem Abstrich oder einer Blutuntersuchung feststellen, ob Bakterien vorhanden sind“, so Dr. Zeilberger. Manchen Patienten können Antibiotika Darmprobleme bereiten. „Deshalb sollten sie sich zum Schutz gleichzeitig Präparate verschreiben lassen, die natürliche Darmbakterien beinhalten.“

Rücksicht aufs Herz nehmen: Eine Erkältung sollte man unbedingt richtig auskurieren - das bedeutet: sich auch nach dem Abklingen der Symptome noch zu schonen. Sonst besteht die Gefahr, dass man den Infekt verschleppt. Die schleichende Gefahr dabei: „Viren oder Bakterien, die bei einer Erkältung im gesamten Körper verteilt sind, können auch die Herzmuskelzellen angreifen“, erklärt Dr. Zeilberger. In diesem Fall drohen eine Herzmuskelentzündung (Fachbegriff Myokarditis) oder - seltener - auch eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis). Beide Erkrankungen können sehr gefährlich werden, bleibenden Schäden am Herzen verursachen und im schlimmsten Fall sogar tödlich enden.

Hausmittel wie Kamillentee verschaffen Linderung: „Gegen den Husten hilft inhalieren - beispielsweise mit Kamillentee“, berichtet Dr. Zeilberger. „Am besten mehrmals täglich. Das befeuchtet die Schleimhäute und macht sie dadurch wieder widerstandsfähiger gegenüber Krankheitserregern. Außerdem hat Kamille in den Bronchien einen entzündungshemmenden Effekt.“

Beim Sporteln den Open-Window-Effekt nicht unterschätzen: Nach größeren sportlichen Belastungen ist das Immunsystem geschwächt und braucht einige Zeit, um sich zu erholen. In dieser Phase ist der Körper anfälliger für einen Infekt - Experten sprechen von einem „Open-Window-Effekt“, was aus dem Englischen übersetzt soviel bedeutet wie offenes Fenster. Diese Phase kann zwischen drei und 72 Stunden andauern. Auch kalte Luft beim Sporteln macht dem Immunsystem zu schaffen. „Deshalb sollte man sich beispielsweise beim Joggen oder Radeln in der Kälte ein Tuch vor den Mund binden. Dadurch wird die Atemluft etwas angewärmt, bevor sie auf die Schleimhäute trifft“, erläutert Dr. Zeilberger.

Hilfe für die Haut

Dr. Christoph Liebich.

„In der kalten Jahreszeit braucht auch unsere Haut besondere Pflege“, betont Dr. Christoph Liebich. Für die tz-Leser hat der renommierte Münchner Hautarzt einige Tipps parat:

Fetthaltige Cremes verwenden: „Wenn die Temperaturen sinken, produziert die Haut nicht mehr so viel Talg“, so der Dermatologe. „Die Haut wird spröder - und das Problem durch die trockene Heizungsluft noch verstärkt. Deshalb sollten wir uns regelmäßig mit fetthaltigen Cremes pflegen. Das gilt insbesondere auch für die Hände.“

Die Haut fetthaltig „ernähren“: Dazu empfiehlt Dr. Liebich vor allem fetthaltigen Seefisch, zum Beispiel Lachs. Er liefert der Haut wertvolle Fettsäuren.

Die Herbst- und Wintersonne nicht unterschätzen: Sie hat einen hohen UVB-Anteil und kann der Haut dadurch empfindlich zusetzen. Deshalb sollte man immer eine Sonnencreme verwenden, die mindestens den Schutzfaktor 30 hat, besser noch 50. „Am besten greift man zu einem fetthaltigen Produkt und trägt es dick auf“, empfiehlt Dr. Liebich.

Auch die Lippen beim Sonnenschutz nicht vergessen: „Ein Sonnenblocker verhindert beispielsweise, dass sich Herpesbläschen bilden.“

Andreas Beez

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