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Täglicher Begleiter: Für viele Deutsche geht ohne Schmerzmittel nichts mehr.

Unsere große Gesundheitsserie

Darauf ist bei Einnahme von Schmerzmitteln zu achten

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München - Wer an Volkskrankheiten wie Diabetes leidet, ist auf Schmerzmittel angewiesen. Bei der Einnahme von Ibuprofen oder Diclofenac gilt es einige Menge zu beachten.

Schleichende Gefahren fürs Gefäßsystem: In der großen tz-Gesundheitsserie informieren Experten der Deutschen Herzstiftung über sogenannte stille Killer. Dazu zählt auch Diabetes - eine Volkskrankheit, die häufig spät erkannt und unterschätzt wird. Auch bestimmte Schmerzmittel können das Herz-Kreislaufsystem unter Druck bringen. In dieser Folge erfahren tz-Leser, worauf sie bei der Einnahme von Tabletten wie Ibuprofen oder Diclofenac sowie bei erhöhten Blutzuckerwerten achten müssen.

Tipps von Prof. Massberg vom Uniklinikum Großhadern

Der Schädel brummt, die Arthrose im Knie macht sich wieder bemerkbar, der Rücken tut nach einem anstrengenden Bürotag wieder mal höllisch weh: Bei solchen Beschwerden greifen viele Patienten schnell mal zu einer frei verkäuflichen Schmerztablette wie Ibuprofen oder Diclofenac (Handelsname Voltaren). Dagegen ist auch nichts einzuwenden, allerdings sollte die Einnahme nicht zur Regel werden. Denn wer diese Mittel auf Dauer schluckt, der riskiert Schäden an den Nieren und am Herzen. Davor hat Professor Dr. Steffen Massberg, Chefkardiologe des Unikilinikums Großhadern in einem tz-Gespräch gewarnt.

Professor Dr. Steffen Massberg.

„Die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika sind sehr effiziente Medikamente für eine kurze Therapiedauer - auch deshalb, weil sie entzündungshemmend wirken. Allerdings sollten sie über mehrere Wochen nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden. Sie können nämlich chronische Nierenschädigungen verursachen, die sich nicht mehr beheben lassen - mit Bluthochdruck als einer typischen Folge“, sagt Professor Massberg, der dem Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung angehört.

Die renommierte Patientenorganisation veranstaltet derzeit bundesweit ihre traditionellen Herzwochen. Dabei geht es unter anderem um die Bekämpfung der sogenannten stillen Killer, zu der auch Bluthochdruck gehört. Bluthochdruck kann ebenso wie Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte oder chronischer Stress zu massiven Schäden an den Blutgefäßen führen. Die häufigsten dramatischen Komplikationen sind Schlaganfälle und Herzinfarkte - sie treffen allein in Deutschland jährlich insgesamt knapp 600.000 Menschen. Wie man sich dagegen wappnen kann, erläutern Experten der Herzstiftung in einer großen tz-Gesundheitsserie.

„Nieren wirken wie Sensor“

Schmerzmittel.

Die Nieren, die durch Ibuprofen und Diclofenac in Mitleidenschaft gezogen werden können, spielen bei der Blutdruckregulation eine wichtige Rolle. „Sie wirken wie eine Art Sensor. Wenn die Nieren geschädigt werden, kann dieser Sensor langfristig seine Funktion verlieren.“

Das Hauptproblem: Nicht-steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen und Diclofenac greifen in zentrale Stoffwechselprozesse ein, hemmen unter anderem die Salzausscheidung über die Nieren, wie der Pharmakologe Professor Dr. Thomas Eschenhagen im aktuellen Bluthochdruck-Ratgeber der Deutschen Herzstiftung erklärt. „Die Gesamtmenge an Salz im Blut und im ganzen Körper entscheidet über die Blutmenge und die Empfindlichkeit der Blutgefäße gegenüber Blutdruckerhöhern wie Adrenalin und Angiotensin. Wenn man zu wenig hat, ist der Blutdruck zu niedrig. Hat man zu viel, ist der Blutdruck rasch erhöht.“

Besonders vorsichtig sollten Patienten mit Diabetes sein und jene, die bereits seit längerem mit Bluthochdruck und den Folgen zu kämpfen haben. „Viele leiden bereits an einer Nierenschädigung, die durch die Schmerzmittel noch verschärft werden kann“, erklärt der Kardiologe Massberg.

Dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln unter ärztlicher Kontrolle

Wer auf eine dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln angewiesen sei, solle diese nur strenger ärztlicher Kontrolle einnehmen, raten Experten. Eine mögliche Alternative sei das Medikament Naproxen, wie der Pharmakologe Dr. Felix Friedrich in einem Expertenbeitrag für die Herzstiftung erläutert.

Manche Patienten schwören auch auf Paracetamol. Doch auch dieses Mittel sei nicht für eine regelmäßige dauerhafte Einnahme geeignet, warnt der Großhaderner Herzspezialist Massberg. „Es greift zwar nicht die Nieren an, kann aber - wenn auch selten - stattdessen die Leber schädigen. Dennoch ist eine adäquate Schmerztherapie wichtig, da insbesondere chronische Schmerzen auch negative Auswirkungen auf den Blutdruck haben können. Insbesondere bei chronischen Schmerzen ist daher eine individuelle Einstellung durch einen Schmerzmediziner zu empfehlen. “

Andreas Beez

Gratis-Ratgeber

Neue Ratgeber informieren über Bluthochdruck, Cholesterin, Diabetes und Stress. Für Patienten und Angehörige bietet die Deutsche Herzstiftung vier neue Experten-Ratgeber zu Bluthochdruck, Diabetes, Cholesterin und Stress (je nach Band 32-56 Seiten). Leicht verständlich informieren renommierte Kardiologen, Diabetologen und ein Psychokardiologe über aktuelle Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten sowie über die Vorsorge. Alle Ratgeber mit wertvollen Tipps sind bei Angabe des Titels kostenfrei erhältlich bei: Deutsche Herzstiftung e.V., Bockenheimer Landstr. 94-96, 60323 Frankfurt/M., Tel. 069 955128-400, E-Mail: bestellung@herzstiftung.de. Die Ratgeber und Herzwochen-Veranstaltungen in Ihrer Nähe sind erreichbar unter: www.herzstiftung.de/herzwochen.html

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