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Ernährungsmedizinerin Dr. Verena Kamke nimmt die hCG-Diät genau unter die Lupe.

Ratgeber

Großer Diät-Check: Die Zauberformel hCG

Es hört sich erst mal absurd an - doch die Promis schwören drauf. Ihr neuester Abnehm-Trick lautet hcG-Diät - und lassen sich Schwangerschaftshormone spritzen.

Die Hose hat doch vor einem Jahr noch gepasst? Ein paar Kilo weniger wären schön. Doch wie sollen die weg, ohne dass sie gleich wiederkommen? Die Zahl der Diäten ist groß, die angepriesenen Erfolge beeindruckend. Doch was steckt hinter Zauberwörtern wie Paleo, hCG oder Slow Carb, was vermögen solche Programme und was eben nicht?

Ernährungsmedizinerin Dr. Verena Kamke hat gängige Diäten unter die Lupe genommen und auf Anwendbarkeit und Nachhaltigkeit abgeklopft. Heute: Abnehmen mit dem Schwangerschaftshormon hCG. Der Geheimtipp der Hollywood-Diven, sozusagen bekannt aus Film und Fernsehen. Salat und Spritze – hilft das? Oder ist es reine Beutelschneiderei?

Das Prinzip

Nur wenige Wochen nach der Geburt ihres Babys sehen Hollywood-Stars so schlank aus wie vor der Schwangerschaft und stehen mit Modelmaßen wieder vor der Kamera. Das "Geheimrezept" heißt oft hCG-Diät. Sie basiert auf den Arbeiten des britischen Arztes Dr. Albert Simeons, der in den 1950ern mit dem Schwangerschaftshormon hCG ("humanes Choriongonadotropin") experimentierte.

Auf den ersten Blick ähnelt die hCG-Diät anderen Diäten mit radikaler Kalorienreduktion: möglichst fettarme Ernährung, viel (kalorienfreie) Flüssigkeitszufuhr und Bewegung. Der Unterschied: Den Abnehmwilligen wird das Schwangerschaftshormon unter die Haut gespritzt.

Dieses Hormon wird während der Schwangerschaft in der Plazenta gebildet und sorgt dafür, dass der Körper der Frau in der Schwangerschaft bei Unterernährung nicht auf die Muskelmasse, sondern auf die Fettreserven zurückgreift. So wird die Versorgung von Mutter und Kind sichergestellt. Daher verspricht die Diät auch Gewichtsverlust an jenen Körperpartien, die selbst mit Sport und Ernährungsumstellung hartnäckig erhalten bleiben – wie etwa an Bauch und Gesäß.

Die hCG-Diät ist keine geschützte, patentierte oder anders kontrollierte Ernährungsweise. Sie kann von Ärzten oder Kliniken (gegen entsprechend hohe Honorare) durchgeführt und überwacht werden. Im Internet sind auch preiswertere Varianten zu finden, bei denen allerdings nicht mit Hormonen, sondern mit Globuli beziehungsweise Tropfen gearbeitet wird, die vergleichbare Wirkungen haben sollen.

So läuft die Diät ab

Zunächst darf man zwei Tage noch in die Vollen gehen und schlemmen, was das Herz begehrt, dann kommt der große Einschnitt: Mindestens drei Wochen lang darf der Abnehmwillige nur noch 500 Kilokalorien am Tag essen. Diese bestehen beispielsweise aus zwei kleinen Portionen Obst und kleinen Mengen Geflügel sowie magerem Fisch mit etwas Gemüse. Zucker, weißes Mehl, Fett und Alkohol sind völlig tabu. Gemüse, Fisch und Fleisch müssen auch fettfrei zubereitet werden.

Während dieser 21 Tage wird dem Patienten vom behandelnden Arzt eine gewisse Menge des Hormons hCG unter die Haut gespritzt. Das Hormon soll den entstehenden Hunger verhindern, indem es das Absinken des Blutzuckerspiegels bremst, Müdigkeit und Abgespanntheit vorbeugen.

Alternativ werden die erwähnten Globuli eingenommen. Diese haben keine wissenschaftlich nachweisbaren Wirkungen, entsprechend auch keine nachweisbaren Nebenwirkungen. Nach diesen 21 Intensivtagen wird meist auf eine kohlenhydrat- und fettreduzierte Ernährung umgestellt. Eine Fortsetzung beziehungsweise Wiederholung ist nach Bekunden der meisten Anbieter jederzeit möglich.

So viel Gewicht können Sie bei der hCG-Diät verlieren

hCG ist geeignet für finanziell gut gestellte Menschen, die eine extrem schnelle Gewichtsreduktion und die Kontrolle über eine möglichst niedrige Kalorienzufuhr benötigen. Gerade mal 500 Kilokalorien pro Tag sind erlaubt, das sind etwa ein Drittel des durchschnittlichen Tagesbedarfs einer Frau und ein Viertel des Bedarfs eines Mannes. Entsprechend schnell können die Pfunde purzeln. Sieben bis 15 Kilo in acht Wochen sind unter solchen Hungerkur-Bedingungen möglich.

Darf ich während der hCG-Diät Sport treiben?

Während einer radikalen Diät ist sanfte Bewegung an der frischen Luft auf jeden Fall günstig. Intensiver Sport, zum Beispiel längeres Ausdauertraining wie Joggen oder Fahrradfahren, ist bei derart niedriger Nährstoffzufuhr allerdings nicht mehr angesagt.

Vorteile von hCG

Der radikale Verzicht auf Süßes und Fettes, die niedrige Kalorienzufuhr erzeugen das Erlebnis von Askese. Für vom Überfluss gesteuerte Menschen ist das möglicherweise eine wertvolle Erfahrung, als welche ja das überlieferte Fasten auch angesehen werden kann.

Nachteile der hCG-Diät

Die hCG-Diät ist unter Medizinern höchst umstritten. Der schnelle Erfolg kann ernste Folgen haben. Sie sollte, wie alle hormonbasierten Diäten, unbedingt unter ärztlicher Überwachung durchgeführt werden. Die extrem niedrige Nahrungszufuhr birgt das Risiko eines Mangels an Mineralien und Vitaminen.

Auf dem Markt sind alle Arten von Anbietern zu finden, vom anonymen Internetportal bis zu Privatkliniken. Je nach Ausführung und medizinischer Betreuung kann eine hCG-Diät mehrere Tausend Euro kosten.

Fazit der Medizinerin

Alle Radikaldiäten garantieren anfangs eine rasche Gewichtsabnahme. hCG besonders, da die Nährstoffaufnahme genau festgelegt und extrem niedrig ist. Vertretbar ist hCG, wenn überhaupt, nur unter strenger ärztlicher Überwachung. Die sehr niedrige Zufuhr von Kalorien geht fast in Richtung Null-Diät. Wägt man die Risiken und möglicherweise erheblichen Kosten der Diät ab, ist höchste Vorsicht angeraten.

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tz

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