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Gesetzlich Krankenversicherte, deren Kassen einen Zusatzbeitrag eingeführt haben, haben ein Sonderkündigungsrecht. Vor einem Kassenwechsel sollten Versicherte aber nicht nur Beiträge, sondern auch Leistungen und Service vergleichen.

Wann sich ein Kassenwechsel lohnt

Die günstigsten Kassen in Bayern

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Berlin - Gesetzliche Krankenkassen können seit dem Jahreswechsel über einen Teil ihrer Beiträge selbst bestimmen. Unter den Kassen, die Versicherten in Bayern zur Verfügung stehen, gibt es erhebliche Preisunterschiede. 

Zum 1. Januar ist der allgemeine Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenkasse gesunken – von 15,5 auf 14,6 Prozent des beitragspflichtigen Brutto-Einkommens. Das reicht jedoch bei so gut wie keiner Kasse für die laufenden Kosten. Was fehlt, müssen die Versicherten deshalb in Form eines kassenindividuellen Zusatzbeitrags bezahlen. Damit unterscheiden sich seit Jahresbeginn nicht nur die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen, sondern auch die Beiträge – und zwar zum Teil spürbar.

Insgesamt gibt es in Deutschland 124 gesetzliche Krankenkassen, von denen 32 nur für Angehörige bestimmter Betriebe wählbar sind. Der GKV-Spitzenverband ist verpflichtet, die Beiträge aller Kassen im Internet zu veröffentlichen. Die Liste, die nun online steht, zeigt: Die Beiträge reichen von 14,6 bis 15,9 Prozent. Allerdings sind die beiden einzigen Kassen, die keinen Zusatzbeitrag erhoben haben, in Bayern nicht verfügbar. Die BKK Euregio steht nur Versicherten in Hamburg und Nordrhein-Westfalen offen, die Metzinger BKK nur Versicherten in Baden-Württemberg. Auch die Kasse mit dem bundesweit höchsten Beitragssatz hat keine Versicherten im Freistaat. Die Brandenburgische BKK, die 15,9 Prozent vom Bruttolohn verlangt, ist auf das Bundesland Brandenburg beschränkt.

Beiträge zwischen 14,95 & 15,8 Prozent

Den Versicherten in Bayern stehen insgesamt 61 Kassen zur Auswahl. Bei ihnen reichen die Zusatzbeiträge von 0,35 Prozent bis zu 1,20 Prozent. Damit ergeben sich Beiträge zwischen 14,95 und 15,8 Prozent. Die Kasse mit dem niedrigsten Zusatzbeitrag in Bayern ist die BKK Faber-Castell & Partner. Sie erhebt einen Zusatzbeitrag in Höhe von 0,35 Prozent des Bruttolohns – damit ergibt sich ein Gesamtbeitrag von 14,95 Prozent für Versicherte.

Die Kassen mit den höchsten Beiträgen in Bayern sind dagegen die BKK Braun-Gillette, BKK family, BKK Pfalz sowie die Vereinigte BKK (jeweils 15,8 Prozent).

Die mit Abstand größte Krankenkasse im Freistaat, die AOK Bayern, ging mit einem Beitragssatz von 15,5 Prozent ins neue Jahr. Sie blieb damit bei dem Betrag, den die Bundesregierung bis zum Jahreswechsel als Einheitsbeitrag festgelegt hatte. Auch die bundesweit geöffneten großen Kassen Barmer GEK und DAK Gesundheit legten sich auf 0,9 Prozent Zusatzbeitrag fest. Die Techniker Krankenkasse (TK) blieb mit 0,8 Prozent leicht darunter.

Nachdem die Beiträge für 2015 feststehen und die Versicherten per Post von ihren Kassen informiert wurden, stellt sich für viele nun die Frage: Lohnt ein Wechsel?

Mehrere hundert Euro Ersparnis

Fest steht: Mit einem Kassenwechsel können je nach Einkommen und Beitragssatz der Kasse mehre hundert Euro im Jahr gespart werden. Die Stiftung Warentest hat dazu folgende Rechnung aufgestellt: Verdient jemand 4125 Euro brutto im Monat, spart er in einer Kasse mit 14,6 Prozent Beitragssatz gegenüber einer mit 15,5 Prozent fast 450 Euro pro Jahr. Bei 2000 Euro Verdienst bringt ein Wechsel immerhin noch ein Plus von mehr als 200 Euro. Versicherten in Bayern steht zwar keine Kasse mit 14,6 Prozent offen. Doch auch bei einem Wechsel zu einer Kasse mit 14,95 Prozent ergibt sich eine Ersparnis von gut 270 Euro (Bruttogehalt 4125 Euro), beziehungsweise 132 Euro (Bruttogehalt 2000 Euro) pro Jahr.

Recht auf Sonderkündigung

Normalerweise können Versicherte die Krankenkasse erst wechseln, nachdem sie 18 Monate Mitglied waren. Erheben Krankenkassen allerdings einen Zusatzbeitrag, können Verbraucher von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen, informiert der GKV-Spitzenverband. Dieses Recht gilt, wenn ein Zusatzbeitragssatz erstmalig festgelegt oder später erhöht wird – also aktuell für fast alle gesetzlich Versicherten. Die Frist für den Wechsel beträgt zwei Monate zum Monatsende. Wer also noch im Januar kündigt, ist bereits ab April in seiner neuen Kasse. Für die Kündigung reicht laut Verbraucherzentrale Hamburg ein formloser Brief an die bisherige Krankenkasse. Danach folgt der Beitritt in die neue Kasse. Diese muss innerhalb von 14 Tagen eine entsprechende Bestätigung ausstellen, die wiederum an die alte Kasse geschickt wird.

Beim Wechsel auch Leistungen beachten

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) warnen allerdings davor, der bisherigen Kasse übereilt den Rücken zu kehren. Die Versicherten sollten „nicht nur auf die Preise, sondern auch auf die Leistungen und den Service einer Krankenkasse“ schauen, sagt Huml.

Auch Verbraucherzentralen raten von einer Schnäppchenjagd ab. Die Stiftung Warentest gibt zu bedenken: Die medizinische Grundversorgung ist zwar bei allen Kassen gleich – sie ist gesetzlich geregelt. Immer mehr Kassen haben aber auch Extraleistungen im Programm. So bieten laut Stiftung Warentest zum Beispiel 33 Kassen in Deutschland mittlerweile an, für schwerkranke Versicherte eine ärztliche Zweitmeinung zu organisieren. 36 Kassen zahlen bei künstlichen Befruchtungen mehr als gesetzliche vorgeschrieben. Solche Extras sollten Versicherte vor einem Wechsel berücksichtigen.

Weitere Informationen

Unterstützung bei der Kassensuche bietet der Produktfinder von Stiftung Warentest (gegen drei Euro Gebühr) unter www.test.de/krankenkassen. Eine Liste mit allen gesetzlichen Krankenkassen, die Versicherten in Bayern offen stehen, ist auf der Internetseite des GKV-Spitzenverbands (www.gkv-spitzenverband.de) einsehbar. Hier sind auch die Zusatzbeiträge verzeichnet.

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