Die wichtigsten Tipps

Wie finde ich ein gutes Heim?

München - Alleine in München gibt es mehr als 25.000 Pflegebedürftige. Und es gibt sie, die guten Heime. Wir verraten, was Sie beachten müssen, um sie auch zu finden.

Heidrun B. erinnert sich mit Schrecken an den vergangenen Sommer: Von einer Sekunde auf die andere war ihr 81-jähriger Vater pflegebedürftig. „Es war ein Schlaganfall, er brach plötzlich zusammen.“ Es war auch der Beginn einer Odyssee für die gesamte Familie. Schnell musste ein gutes Pflegeheim gefunden werden. Aber wie? „Wir wollten für meinen Vater nur das Beste, aber ich wusste gar nicht, an wen ich mich wenden sollte.“ Heidrun B. ist kein Einzelfall. Alleine in München gibt es mehr als 25 000 Pflegebedürftige, bayernweit wurden nach einer am Freitag vorgestellten Statistik Ende vorigen Jahres 109 835 Menschen in Pflegeheimen betreut – 2000 mehr als zwei Jahre zuvor. Es gibt sie, die guten Heime. Wir verraten, was Sie beachten müssen, um sie auch zu finden.

1.) Die wichtigste Grundregel ist schlichtweg: Seien Sie kritisch, schauen Sie genau hin. Sie sind es, der eine Leistung einkauft – also haben Sie das Sagen.

2.) Zuerst müssen Sie herausfinden: Welche Heime gibt es in meiner Gegend, in meinem Stadtteil? Hier können Sie sich an die Alten- und Servicezentren wenden (diese finden Sie im Internet unter www.muenchen.de). Sehr hilfreich ist auch ein Altenheim-Führer (wie beispielsweise der von Konrad Franke: Gut wohnen im Alter in München: Ratgeber über alle Münchner Seniorenheime und andere Wohnformen; Homilius-Verlag, 220 Seiten, 12,90 Euro). Dort können Sie auch genau nachlesen, was welches Heim bietet und wo besondere Kompetenzen liegen.

3.) Fragen Sie unbedingt auch in Ihrem Bekanntenkreis und bei Ihrem Hausarzt nach, welches Heim sie als gut erachten. Betroffene haben den besten und ehrlichsten Blick.

4.) Sie haben ein Haus gefunden, das in Frage kommen könnte? Rufen Sie dort an, fragen Sie, ob es eine Warteliste gibt. Und wichtig: Schauen Sie bei dem Haus vorbei. Gute Häuser haben nichts dagegen, wenn Sie sich im Inneren mal umschauen (natürlich müssen Sie auf die Privatsphäre achten – also nicht einfach in Zimmer von Bewohner stapfen!)

5.) Achten Sie bei Ihrem Heimbesuch auf Folgendes: Wie sauber ist alles, wie riecht es, wie ist die Stimmung beim Personal, wie bei den Bewohnern beispielsweise im Essensraum? Sprechen Sie Bewohner oder deren Angehörige an, fragen Sie, wie zufrieden sie mit dem Haus sind.

6.) Achten Sie darauf, wie viele Extra­räume das Haus bietet: Gibt es ein Café, eine Bibliothek, einen gemütlichen Fernsehraum? Und: Wie hoch ist die Anzahl von Ein- und Zwei-Bett-Zimmern?

7.) Vergleichen Sie unbedingt die Preise! Ein teures Heim muss nicht zwangsläufig gut pflegen. Zur Orientierung: Ein preislich durchschnittliches Haus kostet um die 100 Euro pro Tag – abhängig von der jeweiligen Pflegestufe.

8.) Fragen Sie, ob Sie generell auch Einblick in die Pflegedokumentation haben dürfen. Gute Häuser haben nichts dagegen, wenn Sie dort einen Blick hineinwerfen.

9.) Wenn ein Haus in Frage kommt – lesen Sie sich ganz genau den Heimvertrag durch, bevor Sie unterschreiben. Wichtig: Die Kündigungsfrist darf nicht zu lang sein, sonst können Sie nur schwer reagieren, wenn Sie mit den Leistungen nicht zufrieden sind. Und: Die Kosten sollten genau aufgeschlüsselt sein. Also: Wie viel muss der Bewohner für Verpflegung bezahlen, wie viel für bauliche Maßnahmen, wie viel fürs Waschen der Wäsche etc.?

10.) Fragen Sie, ob es eine Bezugsperson für Ihren Angehörigen in dem Haus gibt. Das heißt eine Pflegekraft, die sich hauptsächlich um Ihren Liebsten kümmert (wenn sie nicht frei hat). Das bringt Vorteile, denn dieser Mitarbeiter kennt bald die Vorlieben, Ängste, aber auch Macken des Bewohners und kann darauf reagieren.

11.) Wie viele Fachkräfte gibt es in dem ausgesuchten Haus? Vorgeschrieben sind 50 Prozent (also die Hälfte müssen ­examinierte Pflegekräfte sein). Fakt ist aber: Gute Häuser haben oftmals eine höhere Quote.

12.) Und wenn Sie erst nach einigen Wochen im Heim merken, dass Ihr Angehöriger nicht optimal versorgt wird? Und auch Beschwerden nichts bringen? Dann gibt es nur eine Lösung: Nichts wie raus aus dem Haus. Natürlich ist das mit Mühe und Arbeit verbunden (die Suche geht wieder von vorne los), aber es muss sein. Setzen Sie sich mit Ihrer Krankenkasse in Verbindung und klären Sie den Umzug.

A. Geier

Rubriklistenbild: © dpa

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