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Dr. Steffen Zenta begutachtet eine Röntgenaufnahme eines Fußes.

Jeder Fuß ist anders

Fußkrank: Das sind die häufigsten Beschwerden

Diese Diagnose ist so häufig, dass sie kaum jemand ernst nimmt: Mit zunehmendem Alter leiden bis zu 90 Prozent aller Frauen und Männer an Fußproblemen.

Dr. Steffen Zenta ist Orthopäde und Fußchirurg.

Und meistens lautet die Diagnose: Senkfuß oder Senkspreizfuß. Was jeder hat, kann so schlimm nicht sein, denkt man. Doch jeder Fuß ist ein kleines Wunderwerk: 28 Einzelknochen sowie 107 Sehnen und Bändern sind so ausgerichtet, dass sie eine natürliche Wölbung bilden, die von Muskeln gestützt wird. Auf den Füßen lastet das ganze Körpergewicht. Damit die Muskeln stark genug sind, den Fuß in Form und den Körper in Balance zu halten, müssen sie gut trainiert sein. Doch statt barfuß über Stock und Stein, laufen wir in oft nicht gut passenden Schuhen auf ebenen harten Oberflächen. Über die häufigsten Krankheiten sprach Redakteurin Susanne Stockmann mit Dr. Steffen Zenta, Orthopäde und Facharzt für Fußchirurgie im MVZ München.

Hallux Valgus

Was ist das? Die klassische Ballenzehbildung, die mindestens jede dritte Frau betrifft. Das Gelenk des großen Zehs verschiebt sich nach außen. Durch diese Fehlstellung kommt es zu einer einseitigen Abnutzung des Gelenkknorpels und dadurch zu einer Arthrose. Das verursacht Schmerzen, eine Bewegungseinschränkung und auf Dauer eine Versteifung. Beim Hallux rigidus ist der Ballen nicht so stark ausgeprägt, aber es hat sich eine Arthrose im Gelenk gebildet.

Ursache: Es gibt eine genetische Disposition, meist fängt es mit einem Senkspreizfuß an. Auch das häufige Tragen von zu engen oder zu kleinen Schuhen kann die Fehlstellung des Gelenks fördern.

Behandlung: Stört die Frauen der Ballen, hilft nur eine Operation. Geht es um die Gelenkfehlstellung oder um einen beginnenden Hallux valgus, wird mit einer Nachtschiene oder mit Zwischenzehenpolstern aus Silikon für tagsüber versucht, den großen Zeh zurück in die richtige Gelenksposition zu bringen. Zusätzlich können Einlagen die Fußmuskulatur trainieren. Zenta schätzt, dass sich mit Muskeltraining bis zu einem Drittel der OPs vermeiden lässt. Helfen die konservativen Maßnahmen nicht, kann eine OP das Gelenk in seiner Funktion wieder herstellen. Das Mittelfußköpfchen des großen Zehs wird durchtrennt, und mit einer Schraube in der richtigen Position fixiert. Nerven und Sehnen bleiben unverletzt. Mit einer Klammer kann das Gelenk so stabilisiert werden, dass es sofort belastbar ist. In Entlastungsschuhen kann der Patient gleich wieder laufen. Dr. Zenta: „Mit der Wahl der richtigen Methode haben die Patienten kaum noch Schmerzen. Trotzdem warten viele Patienten zu lange, dann ist ihr Gelenk jedoch auf Dauer geschädigt.“

Fersensporn

Was ist das? Brennender stechender Schmerz unter der Ferse, der beim Auftreten bzw. beim Loslaufen spürbar ist. Der dornartige Sporn, den circa jeder zehnte Erwachsene hat, besteht aus Kalkmaterial, das der Körper am Ansatz der Sehne zum Fersenbein einlagert, vermutlich um kleine Verletzungen zu kitten. Meist tut gar nicht der Sporn weh, sondern am Sehnenansatz kommt es zu einer schmerzhaften Entzündung.

Ursache: Oft handelt es sich um eine Überlastung, aber auch verkürzte hintere Oberschenkelmuskeln können die Spannung auf die Sehne erhöhen, und es kommt zu einer Entzündung. Manchmal ist der Schuh an der Ferse nicht genug gedämpft und der Druck wird zu groß. Auch ein Spreizfuß kann zum Fersensporn führen, durch das abgeflachte Gewölbe erhöht sich der Druck auf die Sehne, es kommt am Ansatz zum Fersenbein zu einer Entzündung, der Sporn bildet sich. Die Patienten ignorieren den leichten Schmerz zu Beginn häufig, dabei wäre die beginnende Entzündung mit einem weichen Fersenkissen schnell heilbar.

Behandlung: Als Therapie sollte der Arzt die Ursache erkennen. Generell muss die Entzündung in Griff bekommen werden. Dr. Steffen Zenta verordnet zunächst eine Fußbetteinlage, die Ferse wird weich gebettet. Hilft das nichts kann eine Injektion mit einem entzündungshemmenden Mittel Linderung bringen. Möglich ist auch, den Sporn mit Stoßwellentherapie zu zerbröseln. Nur sehr selten ist eine Operation nötig.

Senk-Spreizfuß

Was ist das? Ein Fuß ist durchgetreten, die natürliche Gewölbeabstützung ist verloren gegangen. Der große Zeh verfügt über den dicksten Knochen – über ihn sollte man beim Gehen abrollen, so dass der größte Knochen auch den größten Teil des Gewichts auffängt. Doch beim Senk-Spreizfuß verlagert sich zu viel Belastung auf den zweiten bis vierten Zeh und deren Mittelfußköpfchen. Es kommt zu Schmerzen am Ballen, die Sehnen können sich verkürzen und die Zehen hochziehen, Hammerzehen entstehen.

Ursache: Fußprobleme nehmen mit dem Alter zu, weil vor allem bei Frauen hormonell bedingt das Gewebe weicher wird. Männer haben eher Spreizfußbeschwerden und bekommen Arthrose im Großzehengrundgelenk. Das ist z. B. eine Abnutzung des Gelenks oder rührt von einer alten Verletzung wie beim Fußball her. Immer öfter wird bei Kindern eine angeborene Schwäche der Fußmuskeln festgestellt. Sie sind genetisch bedingt nicht stark genug, das Fußgewölbe abzustützen.

Therapie: Einlagen, Muskeltraining

Morton Neurom

Was ist das? Ein schmerzhafter Nervenknoten, der zwischen den Mittelfußknochen eingeklemmt ist.

Ursache: Durch die ständige unausgewogene Druckbelastung bei einem Spreizfuß kann sich einer der Nerven am Fuß verdicken, Am häufigsten geschieht das zwischen drittem und viertem Mittelfußköpfchen. Die Patienten spüren einen brennenden stechenden Schmerz vorne am Fuß. Dr. Zenta erinnert der Anblick des Knotens immer an eine Erbse, allerdings aus hochsensiblen Nervengewebe, das wahnsinnige Schmerzen verursachen kann. Das Morton Neurom wird von Ärzten oft nicht erkannt, dabei ist es oft die Ursache von besonders quälenden Schmerzen.

Behandlung: Helfen Einlagen und Injektionen mit schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten nicht, ist eine Operation nötig, bei der der Knoten herausgeschnitten wird. Dadurch wird der Fuß vorübergehend teilweise taub. Dr. Zenta: „Die Patienten stört das meist überhaupt nicht, sie sind nur froh, die quälenden Nervenschmerzen loszuwerden, die ihre Lebensqualität massiv eingeschränkt haben.“

Susanne Stockmann

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