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Auf gesunden Füßen stehen

Unsere Füße sorgen für Stütze, Gleichgewicht und Fortbewegung. Fast dreißig Knochen, beinahe dreißig Gelenke, sechzig Muskeln, mehr als hundert Bänder und Sehnen machen sie zu einem ausgeklügelten Meisterwerk.

Leider sind heutzutage bei vielen Menschen die Fußgewölbe mehr oder weniger deformiert.

 „Hauptursachen dafür sind Übergewicht, eine untrainierte Fußmuskulatur, falsches Schuhwerk und altersbedingte Veränderungen“, sagt der Kasseler Orthopäde Thomas Wiedmann. Besonders weit verbreitet seien Spreiz- und Senkfüße. Diese Fehlstellungen der Füße verursachen im Laufe der Jahre wiederum Folgeveränderungen, so zum Beispiel den so genannten Ballenzeh, lateinisch unter dem Namen „Hallux valgus“ bekannt.

Thomas Wiedmann

„Der Hallux valgus ist die häufigste und bedeutsamste Zehendeformität beim Menschen. Sie ist charakterisiert durch eine Abweichung der Großzehe im Grundgelenk nach außen und eine Drehung der Zehe nach innen“, erklärt der Orthopäde. Häufig kommt es zusätzlich zu einer schmerzhaften Arthrose, so genannter Hallux rigidus, im Großzehengrundgelenk. Außerdem können sich die kleineren Zehen zu so genannten Krallenzehen oder Hammerzehen verformen. Zunächst verursachen diese Vorfuß-Fehlstellungen kaum Beschwerden. „Im weiteren Verlauf kann sich jedoch eine erhebliche Schmerzsymptomatik entwickeln, die letztlich das Gehen erschwert und damit die Beweglichkeit und Mobilität erheblich beeinträchtigt“, warnt Wiedmann.

Konservative und operative Behandlung

Zunächst werden in der Regel konservative Behandlungsmaßnahmen wie Einlagen, Zehengymnastik, Korrektur-Bandagen, Abrollhilfen und orthopädische Schuhversorgung ausgeschöpft. Diese Behandlungen können die Fehlstellung letztlich aber nicht heilen, sondern nur verlangsamen. Erst durch eine ambulante oder stationäre Operation werden die Problemfaktoren beseitigt und die Fehlstellung korrigiert. Der Patient hat keine Schmerzen am Vorfuß mehr und kann schnell wieder in seinen beruflichen und privaten Alltag zurückkehren.

Um einen Hallux valgus zu korrigieren, gibt es mehrere Operationstechniken. „Allen Techniken gemeinsam ist die Korrektur der Knochenachse und die entsprechende Anpassung der umgebenden Weichteile“, erläutert Thomas Wiedmann. In den frühen Stadien einer Arthrose des Großzehengrundgelenks bei noch vorhandenem Knorpel sei eine so genannte Cheilektomie die Methode der Wahl, sagt der Arzt. Mit ihr wird die eingeschränkte Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks wiederhergestellt. Dabei werden bestimmte geschädigte Knochen- und Knorpelareale und Knochenüberstände abgetragen, die sich im Laufe der Erkrankung abgelagert haben und die Gelenkbeweglichkeit störend beeinflussen.

„Eine operative Behandlung des Hallux valgus erfordert weiterführende Maßnahmen, insbesondere eine Korrektur der Knochenachse. Eine häufige Operation dieser Art ist die so genannte Operation nach Chevron“, sagt der Orthopäde. Diese OP-Methode kommt bei mittleren bis schweren Formen des Hallux valgus zur Anwendung. Voraussetzung bei diesem gelenkerhaltenden Verfahren ist eine allenfalls mäßig vorhandene Arthrose im Großzehgrundgelenk. Neben der Abtragung von Knochenüberständen wird dabei eine dreidimensionale Umstellung des Knochens mit Sehnenverlagerung und Anpassung der umgebenden Weichteile durchgeführt, sodass die Anatomie des Vorfußes wieder funktionsfähig wird.

Die Nachbehandlung erfolgt in speziellen Verbandsschuhen, die konstruktionsbedingt eine Teilentlastung des operierten Vorfußes bei voller Belastung des „Restfußes“ erlauben und nach der Operation drei bis sechs Wochen getragen werden. (rdm)

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