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Die meisten Patienten nehmen ihre Lunge erst so richtig wahr, wenn sie Probleme bekommen, etwa hartnäckigen Husten oder furchteinflößende Luftnot.

Luftnot oder Husten

Die Lunge - das vergessene Organ

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Unsere Lunge wird gerne mal vernachlässigt, Spezialisten wie der erfahrene Münchner Pneumologe Professor Dr. Jürgen Behr (54) sprechen von einem „vergessenen Organ“.

Aus gutem Grund: Denn die meisten Patienten nehmen ihre Lunge erst dann so richtig wahr, wenn sie Probleme bekommen, etwa hartnäckigen Husten oder furchteinflößende Luftnot.

Allein in Deutschland leiden Millionen Menschen unter solchen Symptomen, aber viele Betroffene gehen gar nicht oder erst spät zum Arzt. Oft hat ihre Lunge dann bereits mehr oder minder schwere bleibende Schäden davongetragen. „Die Bilanz der Opfer von Lungenerkrankungen ist erschreckend. Angesichts der alarmierenden Zahlen ist das Thema viel zu wenig in den Köpfen der Menschen präsent“, sagt Professor. „Umso wichtiger ist es, mehr Menschen dafür zu sensibilisieren, pfleglicher mit ihrer Lunge umzugehen.“

Pneumologe Professor Dr. Jürgen Behr.

Behr gilt als Vorreiter im Bemühen, die Versorgungssituationen für Lungenpatienten im Großraum München zu verbessern. Seit knapp drei Jahren ist der gebürtige Bamberger Kopf des einzigen Lehrstuhls für Pneumologie in Bayern. Eine Art Leuchtturm der Lungenforschung, der gemeinsam von der Ludwig-Maximilians-Universität (Klinikum Großhadern), den Asklepios Fachkliniken in Gauting und der Helmholtz-Gesellschaft getragen wird. Im großen Medizinreport erklärt Prof. Behr, welche Erkrankungen für die Lunge besonders gefährlich sind und wie man sich dagegen wappnen kann.

Fünf Tipps für eine gesunde Lunge

  • Werden beziehungsweise bleiben Sie Nichtraucher !
    „Je mehr die Lunge mit Schadstoffen belastet wird, desto schneller altert sie“, warnt Professor Behr. Das zeigt sich unter anderem an der Entwicklung des Lungenvolumens. „Es wächst bis zum 25. Lebensjahr, dann beginnt der Alterungsprozess“, erläutert der Experte. „Das atembare Lungenvolumen beträgt in der Regel dreieinhalb bis vier Liter. Ein Nichtraucher verliert pro Jahr etwa 30 Milliliter, bei einem Raucher sind es bis zu 80 Milliliter - also mehr als doppelt so viel. Große wissenschaftliche Studien zeigen, dass Menschen mit einem kleinen Lungenvolumen früher sterben. Dazu kommt, dass das Krebsrisiko durch Rauchen dramatisch erhöht wird.“
  • Lassen Sie regelmäßig Ihre Lungenfunktion testen !
    „Dabei handelt es sich um eine harmlose Untersuchung, die nicht wehtut. Man muss lediglich in einen Schlauch hineinatmen. So wie fast jeder mal seinen Blutdruck kontrolliert, sollte man auch mal seine Lungenfunktion testen lassen. Dadurch können Anhaltspunkte für viele Erkrankungen frühzeitig entdeckt werden“, wirbt Professor Behr für mehr Vorsorge.
  • Tragen Sie beim Heimwerken oder bei staubiger Arbeit im Haushalt unbedingt einen Atemschutz!
    „Diese Empfehlung sollte man beherzigen und nicht einfach sagen: Mei, das passt schon ohne Atemschutz. Besonders im Altbau können noch Asbest- oder Eternitplatten vorhanden sein, kann man Giftstoffe einatmen.“
  • Halten Sie Ihre Lunge mit regelmäßiger Bewegung und Sport fit! „Zwar lässt sich das Lungengewebe dadurch nicht beeinflussen, sehr wohl allerdings die Atemmuskulatur - die sogenannte Atempumpe - trainieren“, erklärt Professor Behr.
  • Nehmen Sie Infekte nicht auf die leichte Schulter, behandeln Sie diese frühzeitig!
    „Eine verschleppte Grippe kann nicht nur den Herzmuskel, sondern auch das Lungengewebe schädigen und zu Spätschäden führen“, warnt der Pneumologe.

Die Liste der Krankheiten

Atemberaubend (schön): Im gesunden Zustand ist die Lunge ein Kunstwerk im Inneren des Körpers. „Man kann sie sich vorstellen wie eine filigrane Folie. Sie ist zwar nur tausendstel Millimeter dünn, hat aber eine Gesamtoberfläche von 100 bis 150 Quadratmetern“, erläutert Professor Behr. Aufgebaut ist die Lunge wie eine Art umgedrehter Baum: mit der Luftröhre als Stamm und den beiden Hauptbronchien als dicken Ästen, die sich wiederum in Bronchien und Bronchiolen gabeln. Am Ende befinden sich etwa 300 Millionen Lungenbläschen, die sogenannten Alveolen. Sie ermöglichen den lebenswichtigen Austausch von Kohlendioxid und Sauerstoff im Blut.

Wenn dieses leistungsstarke, aber hochempfindliche System schwächelt, kann das für den Patienten dramatische Folgen bis hin zum Tod haben. Und die Zahl der Betroffenen wird häufig unterschätzt. Das zeigt unsere Übersicht zu den (Lungen-)Volkskrank­heiten:

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

COPD – im Volksmund oft „Raucherhusten“ genannt. „Dabei verliert die Lunge ihre Elastizität, die Bronchien kollabieren, verengen sich, und es kommt zu Luftnot“, erklärt Professor Behr. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden etwa 64 Millionen Menschen darunter, das sind 14 Prozent der Weltbevölkerung. „Und es werden immer mehr“, warnt Behr, „inzwischen ist die COPD weltweit dritthäufigste Todesursache.“ In Deutschland leiden etwa sieben bis zehn Millionen Patienten an der Krankheit.

Lungenkrebs

An einem sogenannten Bronchialkarzinom erkranken jährlich über 50.000 Bundesbürger, über 40.000 sterben daran. Das geht aus der jüngsten Statistik hervor, die das Robert-Koch-Institut (RKI) für 2011 veröffentlicht hat. In der Analyse des RKI heißt es zudem: „Lungenkrebs gehört zu den häufigeren Krebserkrankungen in Deutschland. Durch seine ungünstige Prognose ist er auch mit Abstand die häufigste Krebstodesursache bei Männern mit einem Anteil von 25 Prozent und die dritthäufigste bei Frauen mit 14 Prozent.“

Asthma

Bei dieser Erkrankung kommt es zu Entzündungsreaktionen in den Atemwegen, die wiederum mit einer Verengung und Luftnot einhergehen. Daran leiden etwa fünf Prozent aller Erwachsenen und etwa sieben bis zehn Prozent aller Kinder. Tendenz steigend.

Lungenentzündung

Eine oft langwierige Erkrankung, die gerade bei älteren und geschwächten Patienten tödlich verlaufen kann. „Im letzten Winter haben wir in Folge der Grippewelle in den Asklepios Kliniken in Gauting mehrere Hundert Patienten mit zum Teil schwersten Lungenentzündungen behandelt, die Fallzahl war so groß wie seit über zehn Jahren nicht mehr“, berichtet Behr.

Tuberkulose:

TBC, so die offizielle Abkürzung, wird durch Bakterien verursacht. Verbreitet ist sie vor allem in unterentwickelten Ländern, weltweit sterben daran etwa 1,4 Millionen pro Jahr. „Aber auch bei uns in Deutschland nimmt die Patientenzahl wieder zu“, weiß Professor Behr, der mit seinen Kollegen in den Gautinger As­klepios Kliniken Deutschlands größte Tuberkulose-Station betreibt. „Diese Entwicklungen dürfen wir nicht auf die leichte Schulter nehmen.“

Andreas Beez

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