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Topmodel mit zwei Hautfarben: „Es gibt Menschen mit schwarzer Haut und Menschen mit weißer. Ich habe beides!“ So selbstbewusst ist das Topmodell Chantelle Brown-Young erst seit Kurzem: Seit die 20-jährige Kanadierin unter ihrem Künstlernamen Winnie Harlow von Modemarken als Markenbotschafterin engagiert wird, kann sie vergessen, dass sie früher als Kuh und Zebra verspottet wurde und deshalb die Schule abbrach. Entdeckt wurde Chantelle vom früheren Topmodel Tyra Banks, die in den USA eine TV-Show moderiert.

Hautkrankheit Vitiligo

Die Krankheit der weißen Flecken

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Diese Krankheit macht weder richtig krank, noch ist sie ansteckend – dennoch ist sie für die Betroffenen sehr belastend. Bei der Weißfleckenkrankheit entstehen auf der Haut unregelmäßige, sehr helle Stellen.

Meist beginnt sie an Händen oder Füßen, im Gesicht, im Nacken, in den Armbeugen, am Ellbogen, in der Genitalregion oder an den Knien. Wer eine Vitiligo (so der medizinische Name) bekommt, sieht anders aus als andere Menschen, das kann zu Ängsten, unsensiblen Nachfragen und einem großen Leidensdruck führen. Wir sprachen mit dem Hautarzt Dr. Hans-Ulrich Voigt über die Behandlung der Krankheit, die je nach Region 0,5 bis 1,5 Prozent der Bevölkerung betrifft und damit in etwa so häufig ist wie Diabetes oder Schuppenflechte!

Am schlimmsten sind vermutlich die psychischen Probleme, oder?

Dr. Hans-Ulrich Voigt.

Dr. Hans-Ulrich Voigt: Das stimmt. Diese Hautkrankheit erzeugt einen besonders hohen psychischen Leidensdruck, weil sie so auffällig ist. Viele denken zunächst, sie sei ansteckend, oder es müsse sich hinter den hellen Hautflecken etwas Schlimmes verbergen, z. B. Lepra oder ein innerer Krebs, der auf diese Weise nach außen sichtbar wird. Aber in Wirklichkeit ist sie weder eine lebensverändernde noch lebensbegrenzende Krankheit. Das Erscheinungsbild ist eben einfach ästhetisch unschön. Viele Betroffene können sich auch ganz gut mit den Flecken arrangieren. Die meisten lassen sich nur behandeln, wenn z. B. das Gesicht oder die Hände betroffen sind.

Was passiert in der Haut?

Voigt: Die pigmentbildenden Zellen, die Melanozyten, werden vom körpereigenen Immunsystem attackiert. Die Melanozyten werden zunächst in der Funktion geschädigt und dann ganz vernichtet. In diesem Areal kann die Haut also den Hautfarbstoff Melanin nicht mehr bilden. Wodurch das ausgelöst wird, ist bisher noch weitgehend Spekulation. Es handelt sich um Autoimmunprozesse. Es gibt ja einige Hautkrankheiten, bei denen der Körper eigene Zellen attackiert, so auch beim kreisrunden Haarausfall. Möglicherweise ist die Erkrankung Folge einer Infektion, oder von zu starkem psychischem Stress.

Wie beginnt die Erkrankung meistens?

Voigt: Zum ersten Mal tritt es sie meist schon in eher jungen Jahren, so in den 20ern auf. Frauen sind ein bisschen häufiger betroffen. Die ersten hellen Stellen gibt es meist an den Spitzen der Extremitäten, an den Händen, Füßen, oft aber auch an Achseln, im Genitalbereich oder am Hals. Das sind typische Stellen. Es geht irgendwo mit einer hellen Stelle los, die im Sommer, wenn man insgesamt brauner ist, stärker sichtbar ist. Die breitet sich langsam aus, dann kommt eine zweite, dritte, vierte Stelle dazu. Bei einigen Menschen bleibt es bei wenigen Stellen. Bei manchen breiten sie sich immer weiter aus, bis zum Maximalbefund, wenn alles weiß ist. Wenn mehr als 80 Prozent der Körperoberfläche betroffen sind, wird oft eine umgekehrte Behandlung, nämlich eine Bleichbehandlung der restlichen bräunenden Haut vorgenommen, damit die Haut wieder einheitlich wird. Auch Haare können übrigens betroffen sein, das äußert sich in weißen Stellen oder Locken, wir nennen die Krankheit dann Poliosis. Weiße Haare lassen sich mit Färben jedoch relativ einfach überdecken.

Worauf muss der Arzt bei der Diagnose achten?

Voigt: Es gibt Autoimmunerkrankungen, die mit der Vitiligo assoziiert sind. Dazu gehört besonders die Schilddrüsenerkrankung Hashimoto. Weil das Immunsystem das Gewebe der Schilddrüse attackiert, kommt es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse. Man wird auch immer eine Blutuntersuchung machen, um zu sehen, ob es im Körper irgendwelche Entzündungsprozesse gibt. Aber solche Befunde sind eher selten, sehr oft findet man die Vitiligo alleine, ohne dass man eine richtige Ursache findet.

Kann man die pigmentbildenden Zellen retten?

Voigt: Am Anfang, solange die Melanozyten nur durch Entzündungszellen attackiert werden, kann man diesen Prozess durch antientzündliche Maßnahmen unterbrechen und dadurch auch eine Repigmentierung erreichen. Gute Erfahrungen habe ich mit den neueren Calcineurininhibitoren gemacht, das sind antientzündliche Mittel, die nicht die Nebenwirkungen des Cortisons haben, welches allerdings auch gut hilft.

Wenn der entzündliche Prozess gestoppt ist, werden Maßnahmen zur Repigmentierung eingeleitet. Das heißt, es wird versucht, den Hautfarbstoff Melanin wieder in die hellen Areale hineinzulocken, z. B. mittels einer speziellen Lichttherapie.

Heute wird in der Regel das schmalbandige UVB-Licht verwendet, das über einen langen Zeitraum mit einer sehr niedrigen Dosis verabreicht wird. Dadurch werden die restlichen Pigmentzellen stark angeregt, neues Pigment zu bilden. Es werden auch pigmentbildende Zellen aus dem Randbereich angelockt, sich in den Herd hineinzubegeben. Die Erfolge, wenn man damit frühzeitig, also innerhalb der ersten drei Jahre beginnt, sind recht gut.

Wenn die Krankheit schon zu lange besteht und die Pigmentzellen zu schwer geschädigt sind und sich auch durch eine Lichtbestrahlung nicht mehr aktivieren lassen, kann in sichtbaren Arealen wie Händen, Gesicht oder Hals eine Melanozytentransplantation vorgenommen werden. Aus gesunden Arealen werden Melanozyten gewonnen und in diese Areale hineinverpflanzt. Das geht, wenn die betroffenen Areale nicht zu groß sind, oft recht gut. Diese Therapie ist allerdings technisch sehr aufwendig und wird nur von spezialisierten Zentren angeboten.

Kann man einer Vitligo vorbeugen?

Voigt: Es gibt Familien, in denen mehrere Mitglieder befallen sind. Genetische Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen. Diese kann man noch nicht beeinflussen. Schwere Sonnenbrände stehen im Verdacht, ein Auslöser zu sein. Aber Sonnenbrände sollte man auch aus anderen Gründen möglichst vermeiden. Wer eine Autoimmunkrankheit hat, sollte diese behandeln lassen. Aber ansonsten kann man vorbeugend nicht viel machen. Wer erkrankt ist, muss darauf achten, die betroffenen Stellen besonders gut vor der Sonne zu schützen, da die Haut hier deutlich empfindlicher geworden ist.

  • Dr. Hans-Ulrich Voigt ist Inhaber des Hautzentrums Dermatologie am Dom in München. Weitere Infos unter: www.dermatologie-am-dom.de.
  • Infos für Betroffene gibt es z. B. bei den Selbsthilfeorganisationen Deutscher Vitiligo Verein: www.vitiligo-verein.de; und dem Deutschen Vitiligo Bund: www.vitiligo-bund.de.

Susanne Stockmann

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