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Häufiger Husten kann stark belasten.

Schutzmechanismus kann krank machen

Experte erklärt: Darauf müssen Sie beim Husten achten

München - Der Herbst ist auch immer die Zeit, in der sich Erkältungen häufen. Entsprechend husten wir häufiger als in anderen Jahreszeiten. Doch worauf gilt es dabei zu achten?

Einen Hustenreiz zu unterdrücken, ist fast unmöglich - und das ist auch gut so: Denn mit dem heftigen Atemstoß befördert der Körper Schleim, Staub oder Fremdkörper mit einem Tempo von bis zu 480 km/h ins Freie. Es handelt sich also um einen Schutzmechanismus der Atemwege, der sehr häufig angewendet wird. An jedem Tag im Jahr haben zwischen zehn und dreißig Prozent der Bevölkerung einen Husten! Meist tritt er in Begleitung einer Erkältung auf und verschwindet binnen zwei Wochen wieder. Doch gar nicht so selten wird Husten chronisch oder kündigt eine ernsthafte Erkrankung an. Welche Mittel bei Husten gut tun und bei welchen Alarmzeichen man zum Arzt gehen sollte, darüber sprach die tz mit Professor Klaus Kenn, Chefarzt der Schön-Klinik in Berchtesgaden, die auf die Therapie von Lungenkrankheiten spezialisiert ist.

In der Apotheke wird man immer gefragt, ob der Husten trocken oder produktiv sei. Was ist damit gemeint?

Professor Klaus Kenn.

Professor Klaus Kenn: Trocken ist ein bellender Husten, bei dem kein Sekret im Spiel ist. Wo der Patient auch nicht das Gefühl hat, er muss jetzt etwas abhusten. Das gibt es nicht nur zu Beginn von Erkältungen, so ein trockener Reizhusten quält häufig auch Asthmatiker. Bei einem produktiven Husten wird Sekret aus den Atemwegen abgehustet. Eine chronische Erkrankung, die meist mit einem produktiven Husten einhergeht, ist die COPD, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Das ist eine chronische Bronchitis mit Lungenemphysem und sie ist oft durch ein zähes, schwer hustbares Sekret in den Atemwegen gekennzeichnet. Dieses Sekret behindert zusätzlich die Atmung und daher ist das Abhusten für den Patienten oft wichtig und erleichternd, weil sie danach wieder leichter atmen können.

Kann man Husten lernen?

Kenn: Das kann man tatsächlich. Bei Reizhusten z.B. kann man Hustenvermeidungsstrategien erlernen. Denn Husten, der keinen Sinn hat, hilft dem Körper nicht und kann sich auf Dauer sogar negativ auswirken. Neben diesen Vermeidungstechniken gibt es Atemübungen, mit denen man die Effektivität des Hustens steigern kann, damit das Sekret leichter abgehustet wird. Der Patient lernt in der Therapie ein ganz bestimmtes Hecheln, mit dem er dem Körper hilft, den Schleim aus den Atemwegen hinaus zu transportieren. Es kann auch sein, dass das Sekret so zäh ist, dass man eine Atemhilfe braucht, um es aufzulockern. Das Bekannteste ist ein kleines “Blasgerät“, in dem eine Kugel zwischendurch den Atemfluss unterbricht, so dass das Bronchialsystem ein wenig durchgerüttelt wird, und sich dadurch das Sekret löst, so dass es abhustbar wird.

Was hilft beim normalen Erkältungshusten?

Kenn: In der Regel ist es so, dass dieser Husten letztendlich zur klassischen Erkältung dazugehört. Das ist ein Selbstreinigungs- und Heilungsprozess, der dem Körper hilft Sekret und Krankheitserreger loszuwerden. Allenfalls hilfreich sind abschwellende Nasentropfen, Halslutschtabletten und wenn es ganz, ganz schlimm ist Tropfen, die den Hustenreiz unterdrücken, die man sich jedoch vom Arzt verschreiben lassen müsste. In der Regel verschwindet der Husten nach dem Infekt. Wenn sich extrem zähes Sekret gebildet hat, das man nicht loswird, gibt es Medikamente, um es lockerer zu bekommen, das bekannteste Mittel ist z. B. ACC. Aber das ist eigentlich nicht immer wirklich nötig.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Kenn: Wenn man einen schweren Infekt mit Fieber hat und richtig abgeschlagen ist, dann sollte man zum Arzt gehen. Und die meisten Menschen tun das ja auch. Man muss sich dann auch schonen. Husten wird dann bedeutsam, wenn er beginnt, chronisch zu werden. Wenn ein Husten sechs bis acht Wochen da ist, ohne dass man weiß, warum man ihn hat, dann sollte ihn sich ein Arzt genauer anschauen. Der gefährlichste Husten ist der des Rauchers, der seinem Husten keine Bedeutung mehr beimisst. Er hält ihn für die Raucherbronchitis, mit der er eben leben muss. Aber leider entwickeln Raucher ja nicht nur häufig eine COPD, sondern auch Bronchialkarzinome und für beide Erkrankungen kann Husten ein erstes Alarmzeichen sein. Das sollte also auf jeden Fall untersucht werden.

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr beim Husten? Wenn der Gegenüber in der S-Bahn oder im Bus hustet, sollte ich dann besser den Platz wechseln?

Kenn: Wenn zwischen dem anderen Menschen und mir selbst ungefähr ein Abstand von 1,20 bis 1,50 Meter ist, muss ich mir keine Sorge machen. Im Stehen auf engem Raum sollte man sich vom Gesicht des Husters/Hustenden wegdrehen oder den Abstand vergrößern. Was wir alle uns prinzipiell angewöhnen müssen, ist in die Ellenbeuge zu husten oder zu niesen. Niesen wir in die Hand und fassen dann etwas an, was der Nächste auch anfasst, ist der Übertragungsweg schon vorgegeben. Unsere Hände übertragen 80 bis 90 Prozent aller Infekte. Wenn wir die Hände außen vor lassen, tun wir eine Menge zur Vermeidung von Ansteckungen. Das sollte jeder bedenken.

Keuchhusten bei Erwachsenen nimmt zu. Erstaunt Sie das?

Kenn: Keuchhusten gilt als klassische Kinderkrankheit. Aber wir wissen mittlerweile, dass man als Erwachsener Keuchhusten zum zweiten Mal bekommen kann. Bei einem wirklich furchtbaren und quälenden Husten sollte jeder, auch Ärzte, daran denken, dass es sich um Keuchhusten handeln könnte - auch wenn der Patient als Kind die Krankheit bereits durchgemacht hat. Eine erneute Ansteckung kommt gar nicht so selten vor. Wenn man weiß, man hat Keuchhusten, kann man verantwortlich mit dazu beitragen, dass man die Übertragungswege blockiert. Damit schützt man vor allem die ganz kleinen Kinder, die noch keinen Impfschutz haben und für die Keuchhusten bedrohlich werden kann.

Professor Klaus Kenn ist Chefarzt der Schön-Klinik in Schönau am Königssee.

Weitere Infos: www.schoen-kliniken.de

Erkältungszeit

Von November bis April ist Erkältungssaison. Zwei- bis viermal im Jahr bekommen Erwachsene eine Erkältung, auch grippaler Infekt genannt. Kinder erkranken sogar sechs- bis zehnmal pro Jahr. Erkältungen werden von rund 300 Viren verursacht, daher schützt eine überstandene Erkrankung nicht unbedingt vor der nächsten Ansteckung. Bei Viruserkrankungen sind Antibiotika übrigens wirkungslos! Bettruhe und Schonen ist die beste Medizin. Insgesamt drei Jahre seines Lebens verbringt der Mensch mit Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Eine Erkältung dauert üblicherweise einige Tage, selten länger als zwei Wochen. Fieber ist selten und weist in der Regel eher auf eine echte Grippe hin.

So sehr leiden chronisch Kranke

Jeder hat mal einen Husten, daher wird er oft nicht ernst genommen. Ein chronischer Husten jedoch kann die Lebensqualität der Patienten stark beeinträchtigen. Das Tragische: Nicht immer kann der Arzt sofort helfen! “Trotz aller Untersuchungen, die uns zu Verfügung stehen, können wir bei ungefähr 20 Prozent der Patienten keine richtige Ursache finden“, bedauert Professor Kenn.

Wer ständig hustet, rutscht in die soziale Isolation: Wer immer vor sich hin bellt und räuspert, ist weder im Kino noch in Konzerten ein gern gesehener Gast. Erschwerend kommt hinzu, dass gerade bei älteren Frauen die Blase oft schwach ist und beim Husten inkontinent wird. Professor Kenn: “Diese Menschen leiden sehr. Sie nehmen kaum am gesellschaftlichen Leben teil, weil sie wissen, dass sie nirgendwo willkommen sind. Auch im privaten und im beruflichen Umfeld kommt es oft zu Problemen.“

Dazu kommt, dass ständiger Husten eine Membran der Atemwege ausleiert, was den Husten wieder unterhalten kann. Es ist also wichtig, auch wenn keine Ursache gefunden wird, den Husten zu therapieren. Gute Erfahrungen haben die Spezialisten in der Berchtesgadener Schön-Klinik mit Atemphysiotherapie gemacht, also mit Krankengymnastik für die Atemwege. Die Patienten können mit speziellen Techniken lernen, den Hustenreiz zu vermeiden und einzudämmen.

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