+
Allein in Deutschland kommen jährlich 60.000 Menschen nach einem Herzinfarkt ums Leben.

Herzinfarkt? Fragen Sie Ihre Frau!

Es gibt Fehler, die man nicht wieder ausbügeln kann. Fehler, die sogar tödlich enden. Die Symptome eines Herzanfalls auf die leichte Schulter zu nehmen – das ist so ein fataler Fehler.

Allein in Deutschland kommen jährlich 60.000 Menschen nach einem Herzinfarkt ums Leben. Die meisten Opfer sind Männer – weil sie sich oft davor scheuen, den Notarzt zu rufen. „Fast 30 Prozent der Infarktpatienten sterben, weil sie die ersten Beschwerden verdrängen“, warnt Professor Heribert Schunkert, der neue Chefkardiologe des Herzzentrums. Sein Rat an die Herren der Schöpfung: „Fragen Sie bei Beschwerden am besten Ihre Frau oder Ihre Freundin um Rat!“

Eine Diagnose von der Partnerin, auch wenn diese gar keine Ahnung von Medizin hat? Was zunächst etwas seltsam klingt, hat einen wissenschaftlichen Hintergrund. „Studien haben gezeigt, dass es sehr gut ist, beim Auftreten von Beschwerden andere Personen um Rat zu fragen. Am besten eine Frau“, weiß Schunkert. „Frauen sind gute Ratgeber. Sie reagieren oft sensibler auf gefährliche Symptome als Männer und rufen früher einen Arzt.“

Damit können sie ihren Männern das Leben retten. Denn gerade bei Infarkten komme es auf schnelles Handeln an, betont der Experte. Viele Männer seien zu zögerlich, wollen beispielsweise einen wichtigen beruflichen Termin oder ein spannendes Fußballspiel auf keinen Fall verpassen. Ein oft dramatischer Trugschluss.

Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu viel zum Arzt gehen als einmal zu wenig. Zum Beispiel in die Brustschmerz-Ambulanz des Herzzentrums. Hier stehen rund um die Uhr Spezialisten bereit, die manchmal bereits innerhalb von zehn Minuten eine fundierte Diagnose stellen können. „In die Brustschmerzambulanz zu gehen, ist niemals ein Fehler“, sagt Prof. Schunkert, „selbst wenn sich der Verdacht eines Infarkts nicht bestätigt. Beim Verdacht auf einen Herzinfarkt sollte man immer auf Nummer sicher gehen.“

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Aber wie erkennt man gefährliche Symptome? Schunkert: „Wenn Sie ungewohnte, starke Schmerzen hinter dem Brustbein bekommen und diese über mehrere Minuten anhalten, dann sollten die Alarmglocken läuten – insbesondere dann, wenn diese Schmerzen auch noch in den Oberbauch oder in den Kiefer ausstrahlen und Atemnot dazukommt.“

Bei Frauen sei ein Infarkt in der Regel schwieriger zu deuten. Er kündige sich häufig durch andere Symptome als bei Männern an, etwa durch Übelkeit, Schwindel und Schweißausbrüche. „Das macht die Diagnose komplizierter“, erläutert Schunkert.

Übrigens: Theoretisch können auch Zwergerl einen Infarkt bekommen. „In seltenen Fällen sogar Säuglinge“, wie der neue Kinderkardiologie-Chef Professor Peter Ewert erklärt. Er rät: „Es ist sehr wichtig, dass der Kinderarzt bei den Vorsorge­untersuchungen das Herz gründlich abhört und auf ungewöhnliche Nebengeräusche achtet. Wenn diese auftreten, muss das Kind unbedingt zur Ultraschalluntersuchung.“

Andreas Beez

Mehr zum Thema:

Prof. Heribert Schunkert im Interview: Herzinfarkt – kein Schicksal

Herzinfarkt lässt sich berechnen

Infarkt-Angst: So essen Sie Ihr Herz gesund!

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kreuzschmerzen können auch psychisch bedingt sein
Viele Menschen leiden unter Rückenschmerzen. Das liegt nicht immer an einer falschen Bewegung oder orthopädischen Erkrankung. Die Beschwerden können auch psychische …
Kreuzschmerzen können auch psychisch bedingt sein
Bahnbrechend: Kann Herzinfarkt jetzt vorab verhindert werden? 
US-Forscher haben ein neues und sicheres Anzeichen für Herzinfarkt entdeckt. Wird diese Erkenntnis dabei helfen, Herzinfarkte in Zukunft vorzubeugen?
Bahnbrechend: Kann Herzinfarkt jetzt vorab verhindert werden? 
Bewegend: Diese Frau hat keine Vagina - und kämpft für eine OP
Es klingt unfassbar: Die 22-jährige Kaylee Moats besitzt keine Vagina. Sie leidet unter einer seltenen Krankheit, die ihr (Liebes-)Leben schwer macht.
Bewegend: Diese Frau hat keine Vagina - und kämpft für eine OP
Alzheimer: Wie ein Sendlinger Ehepaar den Alltag mit der Krankheit bewältigt
Volkskrankheit Alzheimer: Erfahren Sie hier, wie ein Sendlinger Ehepaar den schweren Alltag bewältigt. Und wie Ärzte um Heilmittel kämpfen.
Alzheimer: Wie ein Sendlinger Ehepaar den Alltag mit der Krankheit bewältigt

Kommentare