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Wie erkenne ich einen Herzinfarkt?

Anzeichen und Therapie

Herzinfarkt: Wenn der Motor des Körpers streikt

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Ein Herzinfarkt bedeutet Lebensgefahr: Die verstopfte Arterie muss schnell geöffnet werden – per Herzkatheter. Doch nicht immer klappt diese Therapie auf Anhieb. Aber es gibt neue Methoden. 

Die Katastrophe beginnt kurz vor dem Gipfel: Es ist Ende Januar, ein sonniger Wintertag. Gottfried Graf, 73, passionierter Bergsteiger, will auf den „Eckbauer“ nahe Garmisch-Partenkirchen – „ein gutmütiger Berg“, wie er sagt. Genau richtig, um die neuen Schneeschuhe zu testen. Graf kommt gut voran, fühlt sich fit. Er ist fast oben, da kann er plötzlich nicht mehr weiter. Er fühlt sich wie gelähmt, seine Kraft ist weg. „Das war, als ob jemand den Stecker zieht“, erzählt er.

Herzinfarkt - die Anzeichen

Was Graf da noch nicht ahnt: Das sind erste Anzeichen eines Herzinfarkts. Eine wichtige Arterie, die das Herz mit Blut versorgt, ist verstopft. Das Organ – der Motor des Kreislaufs – bekommt plötzlich zu wenig Treibstoff. Graf stützt sich schwer auf seine Wanderstöcke, er ist der Ohnmacht nahe. Mit letzter Kraft schleppt er sich zu einem nahen Heustadel. Jetzt spürt er auch Schmerzen in der Brust. Er ist völlig durchgeschwitzt, bald beginnt er zu frieren. Da wird ihm klar: Jetzt geht es um Leben und Tod.

Dass Graf überlebt hat, verdankt er moderner Medizin. Und einem glücklichen Zufall: Er kann zwar noch selbst den Notruf wählen, doch letztlich ist es ein einsamer Wanderer, der ihm zu Hilfe eilt und den Rettern erklärt, wo genau er ist. Per Hubschrauber wird Graf bald darauf in ein nahe gelegenes Klinikum geflogen. Er bekommt Medikamente, sein Zustand stabilisiert sich schnell. Aber: Der Versuch, das verstopfte Gefäß per Herzkatheter frei zu bekommen, misslingt. Zu fest sitzt der Pfropf. Damit ist klar: Graf hat zwar den Infarkt überlebt. Doch so fit wie zuvor würde sein Herz nicht mehr werden. Eine große Bergtour? In Zukunft unmöglich.

Die Geschichte könnte hier zu Ende sein. Vielleicht hätte sich Graf dann auch in einigen Jahren einer Bypass-Operation unterziehen müssen – einem großen Eingriff am offenen Herzen. Doch von den Ärzten im Klinikum hat er einen Tipp bekommen: Er solle sich ans Deutsche Herzzentrum in München wenden. Die Mediziner dort würden noch weitere Methoden anbieten. 

Graf befolgte diesen Rat und fühlt sich inzwischen sogar fitter als vor dem Herzinfarkt. Wie man ihm helfen konnte, das erklärt Dr. Robert Byrne, Kardiologe am Deutschen Herzzentrum, so: Um zu dem verstopften Gefäß zu gelangen, punktierte der Arzt zunächst unter örtlicher Betäubung in der linken und der rechten Leiste je ein Blutgefäß mit einer speziellen Nadel; bei der gängigen Methode ist nur ein Zugang nötig.

Durch eine Öffnung schob er dann einen Katheter – einen dünnen, biegsamen Schlauch – in die Blutgefäße und darin bis zu der Engstelle im Herzen. Wie dieser Schlauch bewegt werden muss, sieht er dabei auf einem Monitor, der eine Röntgenaufnahme zeigt. Damit auch die Gefäße gut zu erkennen sind, spritzt der Arzt Kontrastmittel.

Hat der Arzt den Pfropf in der Arterie erreicht, macht er Folgendes: Er versucht einen feinen Draht hindurchzuschieben. Gelingt dies, schiebt er eine Art zusammengefalteten Ballon nach. Und der wird genau im Bereich der Engstelle aufgeblasen. So dehnt sich das verstopfte Gefäß. Das Blut kann wieder durchfließen. Damit das Blutgefäß dauerhaft offen bleibt, platziert der Arzt dann noch eine Art Metallgerüst darin: einen Stent. Auch der steckte zuvor zusammengefaltet im Katheter.

Den Draht durch die besagte Engstelle im rechten Herzkranzgefäß zu bekommen, hatte bei Graf aber schon zuvor nicht geklappt. Die Ärzte im Herzzentrum haben jedoch einen Trick: Wenn sie von einer Seite nicht durch den Pfropf kommen, versuchen sie es eben von der anderen Seite, also von hinten (retrograd). Dazu wird ein weiterer Katheter gebraucht, der durch den zweiten Zugang bis in eine gesunde Herzkranzarterie geschoben wird – bei Graf die linke – und von dort über Umwege bis zur Engstelle gelangt.

Methode erfordert Fingerspitzengefühl

Dennoch: Bei Graf scheiterte auch dieser Versuch. Jetzt hatten die Ärzte noch zwei Optionen: Klappt es nicht, den Draht direkt durch die Engstelle zu schieben, führen sie ihn stattdessen innerhalb der Gefäßwand daran vorbei. Das erfordert Fingerspitzengefühl, denn diese ist nur wenige Millimeter dünn. Sie besteht aus Schichten, „wie nasse Pappe“, erklärt Byrne. Zwischen diesen Schichten schiebt der Arzt den Draht voran. Auch bei dieser Variante kann man sich der Engstelle von vorn oder von hinten nähern – bei Graf klappte erst der letzte Versuch.

Dank der Kombination der verschiedenen Methoden könne man etwa 90 Prozent der Patienten helfen, erklärt Byrne. Das Deutsche Herzzentrum in München sei eine der ersten Kliniken in Deutschland, die dieses Hybrid-Konzept anbiete, sagt Professor Heribert Schunkert, Direktor des Deutschen Herzzentrums.

Der Eingriff bei Graf dauerte mehr als drei Stunden. Doch die aufwändige Behandlung hat sich gelohnt: Denn danach erholte sich sein Herz erstaunlich schnell. Trotz des Infarkts habe der Herzmuskel keinen Schaden genommen, sagt Schunkert. „Die Pumpleistung des Herzens ist daher erhalten geblieben“, bestätigt auch Byrne.

Und die hat Graf inzwischen nicht nur auf dem Ergometer in der Klinik getestet, sondern auch im echten Leben: Im Sommer ist er noch einmal auf den Eckbauer gewandert – diesmal schaffte er es problemlos auf den Gipfel.

So halten Sie Ihr Herz gesund!

Ein Herzinfarkt kommt nur scheinbar aus dem Nichts. Betroffene leiden häufig schon lange Zeit an der „Koronaren Herzkrankheit“ – oft ohne es zu wissen. Die Deutsche Herzstiftung (www.herzstiftung.de) will darüber aufklären, die Erkrankung steht daher auch im Fokus der „Herzwochen“ im November. 

Koronare Herzkrankheit: Was genau ist das eigentlich? Die Herzkranzgefäße umspinnen das Herz wie ein Netz. Sie versorgen den Herzmuskel mit Blut. Bei der Koronaren Herzkrankheit bilden sich in diesen Gefäßen Ablagerungen. Sie ist eine Folge der Arteriosklerose, der Arterienverkalkung. 

Warum merkt man lang nichts? Engstellen bilden sich nicht über Nacht, sondern über Jahrzehnte. Und: Auch in einem verengten Herzkranzgefäß kommt zunächst noch genug Blut durch. Das ändert sich erst, wenn es zu mehr als 70 Prozent verengt ist. 

Was sind Alarmsignale? Zu ersten Beschwerden kommt es, wenn das Herz mehr Sauerstoff braucht. Also: wenn man sich anstrengt, etwa beim Treppensteigen. Dann sind Betroffene sehr schnell außer Atem, oft haben sie auch „Angina pectoris- Beschwerden“: Sie spüren ein Enge- und Druckgefühl in der Brust oder ein Brennen im Brustkorb. Auch wenn diese Beschwerden von selbst verschwinden, sollte man bald zum Arzt. „Das sind Warnzeichen, die sollte man ernst nehmen“, sagt Dr. Robert Byrne vom Deutschen Herzzentrum in München.

Wie kommt es zum Infarkt? Hält das Engegefühl in der Brust an oder kommt es zu weiteren Symptomen gilt: Sofort den Notruf wählen! Denn es könnte ein Herzinfarkt sein. Dabei verschließt sich ein Blutgefäß plötzlich vollständig. Und das kommt so: Die Ablagerungen greifen die Gefäßwand an und diese kann einreißen. Als Folge davon bildet sich ein Blutgerinnsel – das Gefäß verstopft.

Warum ist das so gefährlich? Das Herzgewebe hinter dem verstopften Gefäß wird nicht mehr mit Blut versorgt: Es stirbt ab, wenn es nicht innerhalb weniger Stunden in der Klinik geöffnet werden kann. Das aber schwächt das Herz auf Dauer. Zudem droht ein Herzstillstand.

Wie bleibt das Herz gesund? Sport stärkt den Herzmuskel und hält die Gefäße elastisch. Mindestens 30 Minuten und das wenigstens drei Mal pro Woche sollten es schon sein, rät Experte Byrne. Auch gesunde Ernährung ist wichtig. Beides beugt Risikofaktoren wie zum Beispiel Übergewicht vor.

Was schadet dem Herzen? Gift für die Gefäße sind Bluthochdruck, ein zu hoher Blutzucker und erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin etc.). Ein gesunder Lebensstil hilft, diese Werte zu regulieren. Reicht das nicht, sind oft Arzneien nötig. Auch das Rauchen ist ein Gefäßkiller. „Es ist nie zu spät aufzuhören“, sagt Byrne. Sogar bei langjährigen Rauchern sinke das Risiko für einen Herzinfarkt schon nach ein bis drei Jahren auf das eines Nichtrauchers.

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

von Andrea Eppner


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