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Sie sitzt irgendwo im Unterleib: die Prostata. Für Männer ist das Organ bedeutsam, doch die meisten wissen wenig darüber.

DAS SOLLTEN MÄNNER WISSEN

Hilfe bei einer vergrößerten Prostata

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Die einen müssen nachts mehrmals zur Toilette, andere können plötzlich gar nicht mehr bieseln: Die Prostata wird gerade bei älteren Männern oft zum Problem. Denn die Drüse wächst – und engt häufig die Harnröhre ein. Hier lesen Sie, was hilft.

Sie sitzt irgendwo im Unterleib: Das ist oft schon alles, was junge Männer über ihre Prostata wissen. Der ein oder andere hat vielleicht noch gehört, dass sie wichtig für die Fortpflanzung ist – die Drüse bildet nämlich einen Großteil der Samenflüssigkeit. Doch die meisten Männer werden sich ihrer Prostata überhaupt erst bewusst, wenn diese zum Problem geworden ist.

So erkennen Männer Probleme mit der Prostata

Das wiederum passiert leider oft – und zwar, wenn Männer in die Jahre kommen. Zunächst bemerken sie dann nur, dass der Harnstrahl schwächer wird. „Sie können dann nicht mehr über den Zaun bieseln“, sagt Prof. Christian Gratzke, Leiter des Prostatazentrums, das zur Urologischen Klinik am Münchner Klinikum Großhadern gehört. Aber das gehöre zum Älterwerden und sei völlig normal. Jeder vierte Mann ab 50 Jahren hat jedoch echte Beschwerden: Bei manchen tröpfelt es dann nur noch, oft bleibt auch etwas Urin in der Blase zurück. Viele haben ständig Harndrang, müssen nachts mehrmals zur Toilette.

Prostata: erst Kastanie, dann Pfirsich

Doch wie kommt es zu diesen Problemen? Seinen Patienten erklärt Gratzke das gern so: Er ballt eine Hand zur Faust und legt sie locker um einen Finger der anderen. „Etwa so umschließt die Prostata die Harnröhre“, sagt Gratzke. „Wenn Männer älter werden, wächst die Prostata.“ Erst nur kastaniengroß, bringt sie es später oft auf Pfirsichgröße oder sogar mehr. Was dann passiert, zeigt Gratzke, indem er die Faust fester zusammendrückt. Für den Finger, also die Harnröhre, wird es eng. „Da kommt immer weniger durch.“

Das kann sogar so weit gehen, dass die Harnröhre komplett dicht macht. Und: Ist der natürliche Abfluss blockiert, sei das nicht nur ausgesprochen schmerzhaft. Der Harn kann sich dann bis zur Niere zurückstauen und das Organ sogar schädigen. Wenn also trotz starken Harndrangs gar nichts mehr läuft, ist das ein echter Notfall: Der Betroffene muss sofort ins Krankenhaus.

Helfen Kürbiskerne gegen Beschwerden mit der Prostata?

Das passiert zum Glück nur selten. Doch nervig sind Probleme beim Wasserlassen für jeden Mann. Weil viele aber nicht gern zum Arzt gehen – und schon gar nicht zum Urologen –, setzen manche erst einmal auf die Kraft der Natur: Sie probieren es dann mit Kürbiskernen oder schlucken pflanzliche Mittel, die es rezeptfrei in der Apotheke gibt.

Normale Prostata und vergrößerte Prostata.

Vor solchen Versuchen rät Gratzke zwar nicht generell ab, warnt aber zugleich vor überzogenen Erwartungen: Alle aussagekräftigen Studien hätten gezeigt, dass solche Mittel nicht besser wirkten als Placebos, also Scheinmedikamente ohne Wirkstoff. Nur: Eben diese Untersuchungen hätten auch ergeben, dass der Placeboeffekt ungewöhnlich stark sei. Bei etwa jedem dritten Studienteilnehmer gingen die Beschwerden auch dann zurück, wenn der nur wirkstofffreie Pillen bekommen hatte. Gratzke sieht die Sache daher pragmatisch: „Wer möchte, kann das versuchen, solange die Beschwerden gering sind“, sagt er. „Es schadet zumindest nicht – außer vielleicht dem Geldbeutel.“

Werden die Symptome aber schlimmer, sollte man unbedingt zum Arzt gehen, rät der Urologe. „Viele denken, bei einer vergrößerten Prostata handle es sich um eine Krebsvorstufe“, sagt Gratzke. „Das ist falsch. Prostata-Krebs und eine vergrößerte Prostata sind zwei völlig verschiedene Erkrankungen.“

Was bedeutet der PSA-Wert?

Warum Patienten das oft durcheinander bringen? Es könnte auch am PSA-Wert liegen. PSA steht für „prostataspezifisches Antigen“. Das ist ein Eiweiß, dessen Konzentration sich im Blut messen lässt. Steigt der Wert stark an, kann das tatsächlich auf Krebs hindeuten. Viele Urologen empfehlen den PSA-Test daher ergänzend zur Früherkennung von Prostatakrebs. Aber: Ist der Wert erhöht, heißt das nicht zwangsläufig, dass Krebs die Ursache ist. Er kann zum Beispiel auch bei einer gutartigen Vergrößerung der Prostata etwas ansteigen. Klingt beruhigend. Doch Gratzke warnt davor, sich allzu schnell mit dieser Erklärung zufriedenzugeben. „Erhöhte Werte sollte man nicht leichtfertig abtun, sondern auf jeden Fall abklären“, mahnt er.

Handeln sollte man auch, wenn eine gutartige Vergrößerung der Prostata zu starken Problemen beim Bieseln geführt hat. Dann helfen zunächst oft Medikamente: Sogenannte Alpha-Blocker entspannen die Harnröhre, „5-Alpha-Reduktase-Inhibitoren“ lassen die Prostata schrumpfen. Letztere können sich allerdings negativ auf die Libido auswirken. Im Gegensatz zu den PDE5-Hemmern, die vielen besser als Potenzmittel bekannt sind. Seit wenigen Jahren verordnen Urologen solche Wirkstoffe auch bei einer vergrößerten Prostata – allerdings in deutlich niedrigerer Dosierung.

Prof. Christian Gratzke leitet das Prostatazentrum am Klinikum Großhadern in München.

Wenn die Prostata die Harnröhre stark einengt, rät Gratzke aber oft zu einer Operation. Ein Bauchschnitt ist dabei selten nötig. Operiert wird nämlich meist durch die Harnröhre. Zum Beispiel mit einer Elektroschlinge, mit der überschüssiges Drüsengewebe weggehobelt wird. Bei einer weiteren Methode wird ein Laserstrahl wie ein Skalpell genutzt und die Prostata von innen her regelrecht ausgeschält. Zurück bleibt eine leere Kapsel. Bei der Laser-Vaporisation wiederum wird das störende Gewebe einfach verdampft. Das Risiko für Blutungen ist dadurch geringer. Das ist vor allem für Patienten interessant, deren Blutgerinnung gestört ist, die also Medikamente nehmen oder an der Bluterkrankheit leiden.

Noch in der Erprobungsphase ist ein weiteres Verfahren, „Uro-Lift“ genannt. Im Gegensatz zu den anderen Methoden, die alle eine Vollnarkose erfordern, handelt es sich hierbei um einen kleineren Eingriff. Dabei wird auch nichts weggeschnitten, sondern die Prostata „wie der Vorhang im Theater“ zurückgezogen und dann mit Klammern fixiert, erklärt Gratzke. So hat die verengte Harnröhre wieder Platz. Doch es muss sich noch zeigen, ob dieser Effekt auch von Dauer ist. Männern, die sich schon jetzt dafür entscheiden, sei häufig etwas anderes wichtiger: dass auch danach noch eine normale Ejakulation nach außen möglich ist. Bei den klassischen Methoden ist das nicht so: „Die Ejakulation erfolgt danach in die Blase.“

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