Erste sechs Stunden sind entscheidend

Hirninfarkt: Experte erklärt Risikofaktoren & Warnsignale

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München - Albtraum Schlaganfall: Auch junge Menschen kann es treffen,wenn auch seltener. Was genau passiert eigentlich beim Gau im Gehirn und kann man sich schützen?

Alleine in Deutschland trifft er jedes Jahr etwa 200 000 Menschen. Bei 80 Prozent der Patienten kommt es infolge eines Blutgerinnsels zu einem Gefäßverschluss und damit zu einer Mangeldurchblutung im Gehirn. Im Volksmund wird diese häufigste Unterart des Schlaganfalls als Hirninfarkt bezeichnet, der Fachausdruck lautet ischämischer Schlaganfall. Die meisten Betroffenen befinden sich in fortgeschrittenem Alter, gerade mal circa 5 bis 15 Prozent erwischt es – wie Roger Cicero – zwischen dem 18. und 45. Lebensjahr. „In diesen Fällen sprechen wir von einem iuvenilen Schlaganfall“, weiß Professor Gernot Schulte-Altedorneburg. Der Schlaganfall-Spezialist vom Städtischen Klinikum Harlaching erklärt die wichtigsten Fakten zum GAU im Gehirn.

Die Entstehung:
Etwa 30 Prozent aller ischämischen Schlaganfälle entstehen aus dem Herzen heraus – das bedeutet: Dort lösen sich Blutgerinnsel, werden ins Gehirn geschleudert und verschließen hier blutversorgende Arterien. Auslöser können unter anderem kardiologische Grunderkrankungen wie Vorhofflimmern (eine Art von Herzrhythmusstörungen), ältere Herzinfarkte, so genannte Wandbewegungsstörungen oder Löcher im Herzen sein. Bei 25 bis 30 Prozent der Hirninfarkte spielen sogenannte arterio-arterielle Embolien eine Rolle – das sind Blutgerinnsel, die sich vor allem in Folge von Ablagerungen an den Gefäßwänden bilden. In 15 bis 20 Prozent sprechen die Spezialisten von lakunären Hirninfarkten aufgrund von Mikroangiopathie. „Darunter versteht man eine Verstopfung der kleinen und kleinsten Hirnarterien“, erläutert Professor Schulte-Altedorneburg. Dazu kommen weitere 10 Prozent, die als seltene Schlaganfälle eingestuft werden. „Sie entstehen zum Beispiel aus Gefäßentzündungen, aus Gefäßwandeinrissen (Fachbegriff Diffektionen) oder aus Blutgerinnungsstörungen heraus.“ Bei weiteren 10 Prozent der ischämischen Schlaganfalle lässt sich die Ursache nicht klären.

Die Gefährlichkeit: 
„Etwa 50 000 Patienten sterben unmittelbar nach einem ­is­chämischen Schlaganfall oder innerhalb des ersten Jahres“, berichtet Professor Schulte-Altedorneburg. Dagegen ist das Risiko nach einem juvenilen Schlaganfall geringer. Nur vier bis fünf Prozent der Patienten sterben im ersten Jahr und 1,5 Prozent im folgenden Jahr. „Rund 80 Prozent haben nach einem juvenilen Schlaganfall ein gutes funktionelles Ergebnis, das heißt: Sie sind unabhängig im täglichen Leben“, so der Experte weiter.

Die klassischen Risikofaktoren: Neben Herzerkrankungen gilt Bluthochdruck als größter Risikofaktor, aber auch erhöhte Blutfettwerte, Zucker, Rauchen und Alkohol können die Entstehung eines Schlaganfalls begünstigen.

Die Warnsignale: 
Typisch sind Taubheitsgefühle oder Lähmungen in einer Körperhälfte, Sprach- und Verständnisstörungen sowie eine Verschlechterung des Sehvermögens bzw. Sehstörungen wie Doppelbilder.

Die Behandlung: 
Im Kampf gegen den Schlaganfall haben Spezialsten den Slogan „Time ist brain“ geprägt – je schneller der Patient behandelt wird, desto größer sind seine Heilungschancen. „Ganz entscheidend sind die ersten sechs Stunden“, betont Prof. Schulte-Altedorneburg. „Denn in den ersten vier bis sechs Stunden nach Auftreten der ersten Symptome ist in der Regel noch eine Therapie mit Medikamenten oder neuerdings mit Hilfe eines sogenannten Stent-Retrievers möglich.“ 

Bei der sogenannte Lyse (altgriechisch für lösen) werden blutgerinnselauflösende Mittel gespritzt. Ein Stent-Retriever ist ein Gittergeflecht, das mit Hilfe eines Katheters bis zum Gefäßverschluss im Gehirn transportiert wird. Damit lässt sich das Gerinnsel umschließen und aus dem Gehirn ziehen. „Leider kommen nur etwa 20 Prozent der Patienten so rechtzeitig zu uns, dass wir sie mit einer der beiden Therapien behandeln können“, so Prof. Schulte-Altedorneburg. Bei den anderen setzt die Therapie bei der Verbesserung der Folgen des Schlaganfalls an.

Rubriklistenbild: © dpa

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