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Komplexes Organ: Das Ohr besteht aus vielen Komponenten, die durch verschiedenste Erkrankungen in ihrer Funktion gestört werden können.

Therapiemöglichkeiten für Schwerhörige

Das Hören zählt zu den Sinnen, die von zentraler bedeutung für die Teilnahme am sozialen Leben sind. Schwerhörigkeit beeinträchtigt die Betroffenen daher in ihrem Alltag immens. Doch die moderne Hals-Nasen-Ohrenmedizin bietet implantierbare Hörgeräte, Operationen und weitere Therapien, um den Patienten zu helfen.

"Etwa 16 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Schwerhörigkeit. Die Ursachen dafür sind ganz vielfältig“, erklärt Professor Dr. Christoph Matthias, Direktor der Abteilung für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Universitätsmedizin Göttingen. Neben dem Gehörorgan, dem innersten Teil des Ohres, können auch Teile des Übertragungsapparates (Trommelfell, Gehörknöchelchen) durch verschiedenste Erkrankungen in ihrer Funktion beeinträchtigt sein.

„Erkrankungen im Bereich des äußeren Ohres und Mittelohres sind meist gut zu behandeln, indem der Weg zum Trommelfell wieder hergestellt wird, Entzündungen oder Defekte im Bereich des Trommelfells beseitigt werden, oder Defekte an den Gehörknöchelchen überbrückt werden“, erklärt der HNO-Chefarzt Prof. Matthias.

Lässt sich dies nicht mit den körpereigenen Gehörknöchelchen erreichen, so steht den Medizinern heute eine Vielzahl von künstlichen Prothesen – meist aus Titan – zur Verfügung. An diese kann in Einzelfällen zusätzlich ein Hörverstärker, ein implantierbares Hörgerät, angekoppelt werden.

Partyeffekt beeinträchtigt Hörgeschädigte

„Der Einsatz des Lasers bei Ohroperationen ist bisher an ganz wenigen Hals-Nasen-Ohrenkliniken etabliert und hat in den letzten Jahren erneut einen enormen Fortschritt gebracht“, erläutert Prof. Matthias seine Operationstechnik. Dafür wurde kürzlich am Universitätsklinikum Göttingen eine spezielle Operationseinheit mit modernstem Mikroskop und computergesteuertem Laser im Wert von über 200 000 Euro in den Operationssälen der HNO-Klinik installiert.

„Bei vielen Schwerhörigen liegt jedoch eine Erkrankung des Gehörorgans, der Hörschnecke, vor. Bei einer dadurch bedingten Schwerhörigkeit bleibt oft nur die Hörgeräteversorgung“, sagt Prof. Matthias. Obwohl die technischen Möglichkeiten auch hier in den letzten Jahren deutlich verbesserte Geräte hervorgebracht haben, bleibt das prinzipielle Problem, dass Hörgeräte den Schall lediglich verstärken können. Die Filterfunktion des erkrankten Gehörorgans ist eingeschränkt und kann nur unzureichend ausgeglichen werden. Das merkt der Schwerhörige am so genannten ‚Party-Effekt’. Während die Verständigung mit einem Gesprächspartner in ruhiger Umgebung meist noch gut möglich ist, stellt das Zuhören einer Person in der Umgebung anderer Gespräche den Hörgeschädigten vor große Probleme.

Hörimplantat kann helfen

 „Bei Patienten, bei denen die Schallübertragung zum Gehörorgan durch Erkrankungen oder Operationen zusätzlich beeinträchtigt ist, kann heute mit einem Hörimplantat geholfen werden“, berichtet HNO-Chefarzt Matthias. Vorteil dieser Technologie ist, dass der Schall nicht wie beim konventionellen Hörgerät verstärkt wird, sondern über einen kleinen Schwinger direkt am Gehörorgan gereizt werden kann. Das Hörverstehen und die Klangqualität sind dadurch deutlich besser. Sollte auch das nicht mehr ausreichen, so bleibt noch die Möglichkeit einer Innenohrprothese, dem Cochlea Implantat. Bei diesem Verfahren wird eine Elektrode in die Hörschnecke eingelegt und der Hörnerv direkt gereizt. „Mit dieser Technologie kann in vielen Fällen sogar taub geborenen Kleinkindern oder im späteren Leben ertaubten Erwachsenen wieder zu einem Gehör verholfen werden“, sagt Prof. Matthias abschließend.

Von Vera Glass

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