HPV: Fragen aus dem Alltag

Weitere Fragen und Antworten zum Gebärmutterkrebs.

Frau B. (62) aus Rotenburg ist vor zwei Jahren an Brustkrebs erkrankt, wurde operiert und behandelt. Jetzt befürchtet sie, eventuell auch Gebärmutterhalskrebs zu bekommen. Sie möchte wissen, ob sie sich vorsorglich die Gebärmutter und die Eierstöcke entfernen lassen sollte.

Marcus Kampf: Ich habe die Patientin beruhigt und ihr gesagt, dass es keinen inhaltlichen Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs gibt und dass die Entfernung der Gebärmutter sowie der Eierstöcke nur aus Angst vor einer Erkrankung sicherlich ein viel zu großes Risiko birgt. Eine solche Maßnahme ist sicherlich nicht vorzunehmen.

Frau M. ist aufgrund von Berichten über Nebenwirkungen verunsichert. Sie weiß nicht, ob sie bei ihrer 16-jährigen Tochter die Impfung vornehmen lassen soll.

Marcus Kampf: Durch die Erfahrung in der täglichen Praxis zeigt sich, dass Nebenwirkungen sehr selten sind und Todesfälle nicht auftreten, jedenfalls sind mir solche nicht bekannt – und das nach mehr als zwei Jahren Impfung. Bei den von mir geimpften Patientinnen habe ich selbst bisher keine HPV-Infektion feststellen können. Ich bin von der Wirksamkeit der Impfung überzeugt und habe auch meine beiden Kinder geimpft. Schmerzhafter als andere Impfungen ist die HPV-Impfung auch nicht, insofern kann Frau M. ihre Tochter beruhigen.

Behandlungsmöglichkeiten nach auffälligen Untersuchungen

Frau T. (41) aus Scheeßel berichtet davon, dass bei ihr ein PAP 4A festgestellt worden sei. Anschließend habe der Arzt sie in eine Spezialpraxis zur Konisation überwiesen. Frau T. fragt nun, was sie dort erwartet.

Prof. Schröder: Konisation heißt: Entnahme eines Gewebskegels aus dem Muttermund beziehungsweise aus dem Gebärmutterhals. Die Gewebeprobe wird dann dem Pathologen zugeschickt, der die exakte Diagnose – sprich: das Ausmaß der Zellveränderung – feststellen kann. Anhand dieser Diagnose wird anschließend über eventuell mögliche weitere Maßnahmen gesprochen oder es folgt die einfache weitere Nachkontrolle.

Frau B. (60) aus dem Landkreis Diepholz hatte vor einem Jahr ein Vulvakarzinom. Sie sei mehrere Monate auf Pilz und Entzündungen behandelt worden, anschließend habe sie den Frauenarzt gewechselt. Bei einer Gewebeprobe sei dann ein Vulvakarzinom diagnostiziert worden. Frau B. fragt nun, warum es keine routinemäßigen Abstriche beim Vulvakarzinom oder Vorvulvakarzinom in der Vorsorge gibt?

Prof. Schröder: Die routinemäßigen zytologischen Zellabstriche sind an der Vulva nicht mit gleicher Sicherheit diagnostisch zu beurteilen wie am Gebärmutterhals. Deshalb ist im Rahmen der Krebsvorsorgeuntersuchungen der routinemäßige Abstrich an der Vulva nicht vorgesehen.

Unsicherheit bei Kontrolluntersuchungen

Frau R. (48) aus Scheeßel berichtet von ihrer 21 Jahre alten Tochter, bei der HPV-Viren mit leichten Gewebsveränderungen nachgewiesen seien. Sie möchte wissen, wie bei einem HPV-Nachweis das weitere Vorgehen ist. Bisher habe der Frauenarzt lediglich zu einer dreimonatlichen zytologischen Kontrolle geraten.

Prof. Schröder: Die dreimonatliche Überwachung ist bei gleichbleibenden beziehungsweise geringen Zellveränderungen absolut ausreichend. Sollten sich die Zellveränderungen im Rahmen der Abstrichklassifikation nach Papanicolaou weiter verschlechtern, dann ist eine Gewebeprobe – sprich: Konisation – eventuell notwendig. Bei geringen Veränderungen ist auch eine Lasertherapie möglich.

Frau K. (50) aus Riede fragt, ob sie ihre 13-jährige Tochter gegen HPV-Viren impfen lassen soll? Die ältere Tochter sei bereits geimpft.

Prof. Schröder: Die internationale Impfkommission empfiehlt vor dem ersten Sexualkontakt zwischen dem 12. und 17. Lebensjahr die Impfung. Unklar ist bis heute die Frage, wie lange dieser Impfschutz anhält. Laut derzeitigen Daten hält der Impfschutz nur für etwa sieben Jahre vor.

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