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„Das müssen Sie leider selbst zahlen“: Für viele Untersuchungen müssen Patienten in die eigene Tasche greifen.

PSA-Test oder Glaukom-Vorsorge

IGeL: Wo es sich lohnt, selbst zu zahlen

PSA-Test, Glaukom-Vorsorge oder Knochendichte-Messung – viele Leistungen beim Arzt kosten extra. Doch was bringt wirklich einen Bonus für die Gesundheit? Und gibt es dabei auch Risiken? Eine Entscheidungshilfe für Patienten.

Ob beim Zahnarzt, Gynäkologen oder Orthopäden – diesen Satz haben wohl die meisten Patienten schon mal gehört: „Das müssen Sie leider selbst bezahlen.“ Die Rede ist dann von einer individuellen Gesundheitsleistung, kurz: IGeL. Weil die Kasse „ja ohnehin nichts mehr bezahlt“, wird der eine sofort zustimmen, wenn der Arzt zu so einer Zusatz-Untersuchung rät. Der andere argwöhnt vielleicht Abzocke – und lehnt ab.

Dabei wären beide gut beraten, sich vorher zu informieren: Für manche IGeL sprechen nämlich gute Gründe. Andere kosten nicht nur Geld, sondern können auch Risiken bergen. Jeder muss selbst entscheiden, ob für ihn der mögliche Nutzen oder etwaige Nachteile stärker wiegen. Diese Übersicht über einige IGeL zur Früherkennung soll Ihnen dabei helfen.

Wie entdeckt man ein Glaukom früher?

Eine tückische Erkrankung des Auges ist das Glaukom (Grüner Star): Betroffene haben lange keine Beschwerden. Ohne dass sie etwas ahnen, sterben in ihren Augen immer mehr Sehnervenfasern ab. „Das ist ein wenig so wie bei der Zuckerkrankheit“, sagt Dr. Petra Weckerle, Augenärztin in Murnau. Es tut nicht weh, die Patienten merken nichts davon. Zwar gibt es im Gesichtsfeld immer mehr Ausfälle. Doch das fällt den Patienten zunächst nicht auf. „Das Gehirn ergänzt einfach die Lücke im Bild“, erklärt Dr. Dietrich Doepner, Augenarzt in Schongau und Stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbandes der Augenärzte in Oberbayern. Erst wenn die Erkrankung weit fortgeschritten ist, klagen Patienten über Sehstörungen. „Dann ist aber meist schon ein großer Teil des Sehnervs zerstört“, sagt Doepner. Erst neulich hätte er wieder zwei solche Fälle in der Praxis gehabt.

Weltweit gilt das Glaukom als die zweithäufigste Ursache für Erblindung. In Deutschland trifft es jährlich 1500 bis 2000 Menschen. Die Untersuchung zur Früherkennung ist dennoch keine Kassenleistung. Patienten müssen die etwa 20 Euro selbst zahlen. Begründung: Die Messung des Augeninnendrucks könne ein Glaukom „nicht zuverlässig vorhersagen“. So heißt es im IGeL-Monitor (www.igel-monitor.de), einem Bewertungsportal des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen.

Dass diese Aussage richtig ist, bezweifeln auch Augenärzte nicht. Denn nur bei einem Teil der Glaukom-Patienten ist der Augeninnendruck erhöht. Doch ist die Messung auch nur ein Teil der Vorsorge. „Einer von vielen möglichen Faktoren“, sagt Doepner. Der Augenarzt muss daher nicht nur weitere Risikofaktoren einbeziehen. Zur Früherkennung gehört auch die Untersuchung des Sehnervenkopfs. „Das Wichtigste von allem“, sagt Weckerle. Der Augenarzt untersucht, meist mit Spaltlampe und Lupe, ob es bereits Schäden am Sehnerv gibt. Er prüft dazu die Größe und Form des Nervs sowie die Größe, Tiefe und Ausdehnung seiner Aushöhlung.

Wird ein Glaukom früh erkannt, lässt sich der Augeninnendruck senken, unter anderem mit speziellen Augentropfen. So kann man das Fortschreiten der Erkrankung bremsen oder sogar stoppen. Reparieren lassen sich Schäden am Sehnerv nicht. Ist allein der Augeninnendruck erhöht, ist dies vergleichbar mit Bluthochdruck: Beide sind selbst keine Krankheiten, erhöhen aber das Risiko für Folgeschäden und andere Erkrankungen. Augenärzte raten daher zur Glaukom-Vorsorge. Weckerle empfiehlt, ab 40 Jahren alle zwei Jahre zur Früherkennung zu gehen.

Prostatakrebs mit PSA-Test erkennen?

Um Prostatakrebs früh zu erkennen, bieten die Kassen für alle Männer ab 45 Jahren eine Untersuchung zur Früherkennung. Der Arzt tastet die Prostata dabei über den Enddarm ab und untersucht die äußeren Geschlechtsorgane. Bei der Deutschen Gesellschaft für Urologie empfiehlt man die Untersuchung indes schon ab 40 Jahren – und zusätzlich den PSA-Test, für den Patienten etwa 30 bis 45 Euro zahlen müssen. Denn lässt sich ein Tumor tasten, ist er oft schon weit fortgeschritten.

Beim PSA-Test wird die Konzentration des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut ermittelt. Dieses Eiweiß wird von der Prostata gebildet. Beim Gesunden findet sich nur wenig davon im Blut. Zeigt der Test einen zu hohen Wert, sollte das aber noch keinen Mann in Panik versetzen: Denn dies ist nicht immer ein Hinweis auf Krebs. Auch eine Entzündung oder eine gutartige Vergrößerung der Prostata, wie sie vor allem bei älteren Männern oft vorkommt, kann dazu führen. Je nach Höhe des Werts rät der Urologe eventuell zu einer Gewebeprobe, um diese auf Krebszellen zu untersuchen.

Prostatakrebs ist die zweithäufigste Krebsart bei Männern. In Deutschland wird die Diagnose jährlich etwa 58.000 Mal gestellt. Doch schreitet der Krebs oft langsam voran. Da der Krebs häufig bei älteren Männern auftritt, kann es passieren, dass Betroffene nicht am, sondern mit dem Krebs sterben. Ist die Diagnose aber gestellt, folgt nicht selten eine belastende Therapie. Kritiker lehnen den PSA-Test zur Früherkennung daher ab. Dieser würde zudem oft falschen Alarm auslösen, Männer unnötig in Angst versetzt.

Jedoch: Nicht bei jedem Patienten wächst der Krebs so langsam und es trifft durchaus auch Jüngere. Pro Jahr sterben in Deutschland etwa 12.000 Männer an den Folgen der Erkrankung. Heilen lässt sie sich nur, wenn sie früh entdeckt wird. Überdies wichtig zu wissen: Ist der Vater oder ein Bruder erkrankt, verdopppelt dies das Krebsrisiko.

Was bringt ein HPV-Test?

Die Diagnose Gebärmutterhalskrebs wird in Deutschland bei etwa 4800 Frauen pro Jahr gestellt. Die Zahl wäre deutlich höher, gäbe es kein Krebsscreening: Mit dem Pap-Test lässt sich nicht nur Krebs früh entdecken. Er erkennt bereits Vorstufen davon. Der Test, bei dem Zellen von Gebärmutterhals und Muttermund untersucht werden, ist Teil der Vorsorge, die für alle Frauen ab 20 einmal jährlich von den Kassen übernommen wird. Wer zusätzlich einen HPV-Test wünscht, den die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie allen Frauen ab 30 empfiehlt, muss diesen aber selbst zahlen. Hierbei werden Zellen auch auf Humane Papillomaviren (HPV) untersucht. Einige Virustypen gelten als Auslöser von Gebärmutterhalskrebs.

Etwa 80 Prozent der Frauen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HP-Viren, die durch Sexualkontakt übertragen werden. Die Infektion bereitet keine Beschwerden und heilt meist schnell von selbst – aber nicht immer. Wird sie chronisch, kann dies dazu führen, dass Krebs entsteht.

Mit einem HPV-Test lässt sich eine Infektion erkennen. Behandeln kann man diese zwar nicht. Doch hilft dies, das Krebsrisiko einzuschätzen. Auch beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht man Hinweise für einen Nutzen des Tests. Um ihn als Teil des Screenings einzuführen, reichen die Daten aber nicht. Der HPV-Test ist darum eine IGeL: Patientinnen müssen etwa 50 Euro bezahlen. Weitere Infos und weitere IGeL in der Krebsfrüherkennung gibt es unter www.krebsinformationsdienst.de.

Knochendichte messen oder nicht?

Eine Knochendichte-Messung soll helfen, Osteoporose (Knochenschwund) früher zu erkennen – und zwar, bevor es zu Knochenbrüchen gekommen ist oder solche zu chronischen Rückenschmerzen geführt haben. Zur Früherkennung ist diese aber keine Kassenleistung – offenbar vor allem deshalb, weil ihr Nutzen nicht ausreichend untersucht ist. Es mangle an aussagekräftigen Studien, heißt es in einem Bericht des IQWiG. Immerhin eine Studie habe Hinweise auf einen Nutzen für Frauen ab 65 Jahren ergeben. Dies galt nur für die „zentrale DXA-Messung“.

Denn um die Knochendichte zu messen, gibt es nicht nur eine Methode. Spezifisch genug ist laut IQWiG nur die DXA-Messung – und so sieht man das auch beim Dachverband der Osteologen (DVO). Gemessen wird dabei mit Röntgenstrahlen. Die Strahlendosis ist dem DVO zufolge aber „äußerst gering“. Fünf bis acht Messungen zusammen entsprächen etwa der Strahlendosis, die ein Mensch pro Tag durch natürliche Umgebungsstrahlung abbekommt.

Gemessen werden sollte dabei die Knochendichte der Hüfte und Lendenwirbelsäule. Doch reicht diese allein nicht aus, um die Stabilität der Knochen zu beurteilen. Ebenso wichtig ist der innere Aufbau der Knochen. Um den Zustand abzuschätzen, muss der Arzt auch andere Faktoren einbeziehen, etwa das Alter, Gewicht und Geschlecht – auch das ist Teil der Vorsorge. Dafür müssen die Patienten insgesamt meist etwa 40 bis 50 Euro bezahlen.

Von Andrea Eppner

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