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Daddeln bis der Arzt kommt: Chatten, Gamen, Surfen, Online-Porno-Konsum.

Suchtfaktor Internet

Daddeln bis der Arzt kommt

In Deutschland steigt Experten zufolge die Zahl derjenigen, die süchtig nach Computerspielen sind und auch ohne Internet nicht auskommen können. Eine Konferenz in Berlin widmet sich dem Problem.

Rund eine halbe Million Menschen in Deutschland kann sich kein Leben ohne Internet und Computerspiele vorstellen. Ihr Freizeitverhalten deklarieren Ärzte als Sucht. Die Jahrestagung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung beschäftigt sich an diesem Mittwoch in Berlin mit den Gefahren und Lösungen.

Wie entsteht Internet-Abhängigkeit?

Die eine Sucht gibt es nicht, vielmehr kann sie sich in verschiedenen Formen äußern: Chatten, Gamen, Surfen, Online-Porno-Konsum. Ebenso unterschiedlich sind die Gründe. „Von Frustration über Mobbing, Depressionen oder soziale Phobien: Der Computer bietet davon Ablenkung“, sagt die Oberärztin Susanne Pechler vom Isar Amper Klinikum München-Ost.

Wer ist besonders gefährdet?

„Das Phänomen zieht sich durch alle Gesellschafts-Schichten. Ich habe Patienten im Alter von 14 bis 67 Jahren, vom Akademiker bis zum Hartz-IV-Empfänger“, sagt Pechler. Allgemein sei aber zu beobachten, dass mehr Männer betroffen seien.

Was sind die Anzeichen für eine mögliche Computersucht?

Immer schlechtere Noten in der Schule, täglich länger als vier bis fünf Stunden vor dem Rechner, in der Freizeit nur Zocken im Kopf: Eltern sollten alarmiert sein, wenn sie Signale wie diese bei ihren Kindern feststellen, sagt Psychologe Florian Rehbein vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen. Pechler meint: „Ab 30 Stunden pro Woche wird es kritisch.“ Bei Älteren machen sich negative Folgen wie ein schlechterer Schlaf, weniger soziale Kontakte oder geringere Leistungsfähigkeit im Beruf bemerkbar.

Welche Rolle spielen mobile Games?

Die mobilen Endgeräte, also Smartphones oder Tablets, sind für Computerspielabhängigkeit immer bedeutsamer, erklärt Bert te Wildt, Oberarzt der Ambulanz der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikums Bochum. Denn mobile Spiele würden immer professioneller und interaktiver. Dennoch: „Die meisten Betroffenen spielen eher auf leistungsfähigen Standrechnern“, sagt te Wildt. Durch die zunehmende Zahl der Virtual-Reality-Spiele könnte sich das Problem verschärfen.

Wie gefährlich ist die digitale Sucht im Vergleich?

In der Wissenschaft ist das Thema Internet- und Computerspielsucht erst seit wenigen Jahren etabliert. Deshalb fehlen Untersuchungen, mit denen sich das Suchtpotenzial vergleichen lässt, sagt Rehbein. Unklar ist auch, wie sich Computerspielsucht langfristig auswirkt. „Sicher ist aber, dass sie viel geringere Auswirkungen auf finanzielle Schäden hat wie etwa bei der Glücksspielsucht.“

Wie gelingt eine Heilung?

„Fürchten muss sich niemand. Man wird nicht eingesperrt“, sagt Oberärztin Pechler. Oft sei schon eine ambulante Therapie hilfreich. „In der Psychotherapie wird über die Probleme gesprochen, und es werden Auswege erarbeitet.“ Auch Hausaufgaben wie ein Wochenprotokoll bekommen die Patienten. Darin müssten sie notieren, wie oft sie am Computer sitzen und wie es ihnen dabei geht. Zudem könne ein geregelter Tagesablauf helfen.

Von David Fischer, dpa

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