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Dr. Igor Tominschek, Leiter der Psychosomatischen Tagklinik Westend in München.

„Burn-out ist ein Prozess“

Ab wann wird Stress gefährlich? Dr. Igor Tominschek, Leiter der Psychosomatischen Tagklinik Westend in München kennt die Symptome.

Dr. Igor Tominschek, Leiter der Psychosomatischen Tagklinik Westend in München: Stress wird sehr subjektiv wahrgenommen. Gefährlich wird es dann, wenn der Betroffene die Belastungsfaktoren selber nicht mehr kontrollieren kann. Dann fühlen sich die Betroffenen der Situation ausgeliefert.

Wann kann man erkennen, dass etwas schiefläuft?

Tominschek: Burn-out ist kein Zustand, sondern eine Entwicklung. Das fängt an mit dem Gefühl des Gehetztseins. Dann kommen Schlafstörungen oder vermehrter Alkoholkonsum, um abends wieder runterzukommen, dazu. Das geht bis hin zu Konzentrationsstörungen und Störungen des Kurzzeitgedächtnisses. Ein weiteres Symptom: Stimmungseinbrüche. Betroffene werden zynisch und identifizieren sich nicht mehr mit ihrer Arbeit. Das kann sich zu einer regelrechten Depression auswachsen.

Wie kann man gegensteuern?

Tominschek: Die Work-Life-Balance ist extrem wichtig, ein Ausgleich zu den Belastungen am Arbeitsplatz. Da hilft ein intaktes familiäres Umfeld, damit die Freizeit nicht auch noch konfliktbehaftet ist.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Tominschek: Wenn sich körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust dauerhaft einstellen. Wenn der Betroffene sich chronisch gehetzt fühlt und seinen Freundeskreis und seine Hobbys nicht mehr pflegt.

Können Kollegen helfen?

Tominscheck: Ja. Wenn Kollegen chronisch gehetzt und gereizt sind, sollte man das Gespräch mit ihnen suchen und fragen, ob sie nicht kürzer treten sollten und ob sie mit ihrer persönlichen Situation zufrieden sind.

Interview: Marc Kniepkamp

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