+
Supersound: Junge Erwachsene setzen ihr Gehör aufs Spiel, wenn sie Musik über Kopfhörer maximal laut hören.

Internationale Studie

Irreversibler Hörverlust vorprogrammiert

Viele Jugendliche riskieren leichtfertig einen Hörverlust: 36 Prozent hören täglich mindestens eine Stunde Musik über Kopfhörer, 18 Prozent sehr laut. Das fördert die internationale Studie „So hört die Welt“ der „Hear the World Foundation“ zu Tage.

91 Prozent der befragten Deutschen gaben an, dass ihnen gutes Hören wichtig sei, 50 Prozent schützen sich allerdings nie vor Alltagslärm. Mögliche Gründe dafür? Viele wissen nicht, dass der Hörverlust irreversibel ist: eine gefährliche Wissenslücke. Denn das Gehör ist das leistungsfähigste, aber auch empfindlichste Sinnesorgan des Menschen. Es ist 24 Stunden am Tag im Einsatz und hat großen Einfluss auf die körperliche und seelische Gesundheit. Dennoch wird seine Bedeutung in der visuell geprägten Welt oft unterschätzt.

„Für mich eine zentrale Erkenntnis der Studie: Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen dem Wissen rund um die Themen Hören und Hörverlust und dem persönlichen Hörverhalten. Die Tatsache, dass vielen Menschen nicht bewusst ist, dass Lärm ihr Gehör irreparabel schädigen kann, erklärt den oftmals fahrlässigen Umgang mit Alltagslärm“, erläutert Prof. Annette Limberger vom Studiengang Hörakustik an der Hochschule Aalen. Zu lautes Musikhören über Kopfhörer sei der Hauptgrund, dass besonders die Zahl der Jugendlichen, die von Hörverlust betroffen seien, in den letzten Jahren deutlich gestiegen sei. Deshalb sei es so wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten, um das Wissen und das Bewusstsein rund um unser Gehör zu verbessern.

Und das sind die wichtigsten Fakten der Studie, für die je 1000 Menschen in Deutschland, der Schweiz, den USA, Brasilien und China im Alter von 16 bis 55 Jahren befragt wurden:

  1. 36 Prozent der befragten deutschen Jugendlichen und jungen Erwachsenen (16-24 Jahre) hören mindestens eine Stunde täglich Musik über Kopfhörer, 13 Prozent mindestens zwei Stunden. Spitzenreiter sind international junge Brasilianer, von denen 64 Prozent mindestens eine Stunde und 18 Prozent sogar mindestens vier Stunden täglich Musik über Kopfhörer hören.
  2. Ihr Gehör setzen 18 Prozent der Jugendlichen (16-24 Jahre) aufs Spiel, indem sie sehr laut und bei maximaler Lautstärke Musik über Kopfhörer hören. Hier siegt mit zunehmendem Alter die Vernunft: Bei den 25- bis 34-Jährigen sind es 13 Prozent, die Musik so laut hören, bei den 35- bis 55-Jährigen sind es nur noch 3 Prozent. Damit liegt Deutschland an der Spitze, gefolgt von den Brasilianern.
  3. Nur 15 Prozent der befragten Deutschen geben an, dass sie ihr Gehör immer vor Alltagslärm – etwa Verkehrs-, Flug- oder Baustellenlärm – schützen, indem sie beispielsweise Ohrstöpsel tragen oder sich die Ohren zuhalten. 36 Prozent der Befragten tun dies manchmal, 50 Prozent nie.
  4. Gutes Hören ist für 54 Prozent der Befragten in Deutschland sehr wichtig, für 37 Prozent ist es wichtig.
  5. Nur 49 Prozent der befragten Deutschen wissen, dass Hörverlust irreversibel ist. Am wenigsten Bewusstsein gibt es hierbei in China, wo nur 14 Prozent der Befragten wissen, dass zerstörte Haarsinneszellen im Innenohr irreparabel sind.
  6. Generell gibt es eine große Verunsicherung, ob Hörverlust nur alte Menschen oder alle Altersgruppen betrifft. So gehen 15 Prozent der Deutschen davon aus, dass der Hörverlust ein Altersphänomen sei, 28 Prezent geben an, dass er alle betreffen könne. Tatsache ist, dass der Alterungsprozess die häufigste Ursache für den Verlust des Gehörs ist – im Alter von rund 80 Jahren leidet über die Hälfte der Menschen an Hörverlust. Die zweithäufigste Ursache dafür ist aber bereits Lärm im Alltag, vor dem man sich durchaus schützen kann. 

Wichtige Tipps zum Schutz des Gehörs

Nicht zu laut aufdrehen: Ein Lärmpegel unter 85 dB gilt als sicher für das Gehör. Wenn man Musik über Audio-Geräte hört, die Lautstärke auf nicht mehr als 60 Prozent des Maximalvolumens aufdrehen.

Die Kopfhörer müssen gut sitzen und die Umgebungsgeräusche ausblenden: So kann man Musik in lauter Umgebung auch bei niedrigeren Lautstärken genießen.

In lauten Umgebungen Ohrstöpsel tragen: Sie können den Lärmpegel um 5 bis 45 dB reduzieren.

Spezielle Smartphone-Apps nutzen: Mit ihnen lässt sich der Umgebungslärm messen.

Akustische Pausen: Zur Regeneration alle Lärmquellen ausschalten. Spezialisten aufsuchen: Das Gehör regelmäßig überprüfen lassen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Keine Lust mehr auf Pizza? Sie könnten schwer krank sein
Sie könnten jeden Tag Salami-Pizza essen – doch plötzlich vergeht Ihnen die Lust? Dann könnte es ein Anzeichen auf etwas Bedrohliches sein.
Keine Lust mehr auf Pizza? Sie könnten schwer krank sein
Frau stirbt an Proteinüberdosis: Kann mir das auch passieren?
Mit nur 25 Jahren starb Bodybuilderin und Mutter Meeghan Hefford an einer Proteinüberdosis. Der Grund: ein seltener Gen-Defekt. Doch was hat es damit auf sich?
Frau stirbt an Proteinüberdosis: Kann mir das auch passieren?
Dokumentation lückenhaft: Kein Beleg für Behandlungsfehler
Bei einem Eingriff kommt es zu Komplikationen. Am Ende steht die Frage im Raum, ob der Arzt einen Fehler gemacht hat. Vor Gericht wäre die Dokumentation der Behandlung …
Dokumentation lückenhaft: Kein Beleg für Behandlungsfehler
Freizeitsportler brauchen keine zusätzlichen Vitamine
Beim Sport wird der Körper meist mehr beansprucht als im Alltag. Da liegt der Gedanke nahe, dass ihm auch mehr Vitamine zugeführt werden müssen. Sollten Freizeitsportler …
Freizeitsportler brauchen keine zusätzlichen Vitamine

Kommentare