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Jeder zweite Orchestermusiker klagt über körperliche Beschwerden

Jeder zweite Orchestermusiker leidet

Musik hat eigentlich eine positiven Einfluss auf unsere Gesundheit. Doch Musik kann auch krank machen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass jeder zweite Orchestermusiker körperliche Beschwerden hat.

Jeder zweite professionelle Orchestermusiker in Deutschland hat bei der Arbeit spürbare körperliche Beschwerden.

Alarmierend ist dabei: Nicht nur zwei Drittel der über 50-Jährigen klagen darüber, sondern bereits 30 Prozent der unter 35-Jährigen, wie aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie „Altern im Orchester“ im Auftrag der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) hervorgeht. 77 Prozent der Musiker wünschten sich ein Angebot an gesundheitsfördernden Maßnahmen wie etwa Physiotherapie.

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

„Altern im Orchester“ ist den Angaben zufolge die weltweit umfassendste Studie zu dem Thema. 2010 verschickte die DOV den 19 Seiten langen Fragebogen mit 254 Fragen an 9.922 Musiker in 133 Kulturorchestern. 2.536 Bögen wurden in die Auswertung einbezogen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei 46 Jahren, die Spanne reichte von 20 bis 68 Jahre. Die durchschnittliche Berufserfahrung betrug rund 18 Jahre, bei den Ältesten reichte sie bis 42 Jahre.

Vor allem Streicher und Harfenistinnen haben Beschwerden

Weitere Ergebnisse der vom Institut für Begabungsforschung in der Musik an der Universität Paderborn durchgeführten Studie: Streicher (62 Prozent) und Harfenistinnen (61 Prozent) gaben besonders häufig körperliche Beschwerden an. Bläser lagen mit 47 Prozent etwas unter dem Gesamtdurchschnitt, am wenigsten Beschwerden nannten die Perkussionisten (39 Prozent). Die häufigsten Beschwerden betreffen den Bewegungsapparat (83 Prozent), am zweithäufigsten sind Probleme mit dem Gehör (34,3 Prozent). Mit Blick auf Therapie und Prävention böten die Orchester bisher nur wenig Unterstützung, hieß es.

Durchschnittlich 41 Prozent der Orchestermusiker stellten schon mal bei sich selbst altersbedingte Leistungseinbußen fest. Etwa ein Drittel der Musiker (32 Prozent) dachte schon mal ernsthaft an eine Aufgabe des Berufes. Als ideales Pensionierungsalter wurde im Durchschnitt 61 Jahre genannt. Eine Mehrheit (67 Prozent) plädierte auch für Teilzeitbeschäftigung als möglichem Übergang zur Pensionierung. 83 Prozent der Musiker gaben zudem an, das Thema „Älter werden“ in den Orchestern offen thematisieren zu wollen.

Mertens: Gesundheit für Qualität eines Orchesters wichtig

DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens sagte, das Musizieren im Orchester fordere körperliche und mentale Höchstleistungen. „Wo ein Profifußballer oder Leistungssportler die Karriere mit Mitte 30 beendet, da hat ein Musiker noch mehr als 30 Jahre vor sich.“ Die Orchester müssten nach Wegen suchen, die Leistungsfähigkeit der Musiker möglichst lange zu erhalten. Dazu zähle auch die Umsetzung der an vielen Orchesterstandorten bisher nur mangelhaft realisierten EU-Richtlinie zum Gehörschutz. „Eine gute Gesundheit ist die Voraussetzung der Qualität eines Orchesters“, betonte Mertens.

dapd

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