8,4 Prozent der Erstklässler zu dick

Kampagne gegen Übergewicht bei Kindern

München - Übergewicht ist eines der größten Gesundheitsprobleme in den wohlhabenden Industrieländern. Und übergewichtig sind immer häufiger auch Kinder. Gesundheitsministerin Huml will gegensteuern.

Angesichts der steigenden Zahl übergewichtiger Kinder macht Gesundheitsministerin Melanie Huml im nächsten Jahr die Kindergesundheit zum Schwerpunktthema. In Bayern sind laut Ministeriums mittlerweile 8,4 Prozent der Erstklässler übergewichtig. Da Übergewicht in jungen Jahren ein erhöhtes Krankheitsrisiko im Erwachsenenalter nach sich zieht, will die CSU-Politikerin mit ihrer Informationskampagne gegegensteuern.

„Mir geht es darum, ein Bewusstsein zu schaffen“, sagte Huml der Deutschen Presse-Agentur. Kurz vor Weihnachten appelliert sie an die Eltern: „Man möchte seinen Kindern Gutes tun. Aber das heißt nicht, dass man die Kinder alles schlemmen lassen sollte.“ In den Vordergrund rücken sollen gesunde Ernährung und Bewegung.

Huml will sowohl die Eltern als auch Kinder und Jugendliche in den verschiedenen Altersgruppen ansprechen. „Es wird bayernweit Kindergesundheitstage geben. Wir werden mit einer Road Show durch das Land ziehen, mit Bewegungsparcours für die Kinder.“ Die Kindergesundheit ist Teil des bayerischen Präventionsplans, den Huml im nächsten Jahr vorlegen will.

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der übergewichtigen oder sogar fettleibigen Kinder in den meisten Industriegesellschaften gestiegen. Der Trend ist aber nicht in allen Regionen und Gesellschaftsschichten gleich. So sind in Oberbayern 7,8 Prozent der Erstklässler übergewichtig, in Mittelfranken 9,4 Prozent. „In Nordbayern ist der Anteil der übergewichtigen Kinder höher als in Südbayern“, sagte Huml. „Kinder mit Migrationshintergrund sind stärker übergewichtig als Kinder ohne Migrationshintergrund.“ Kinder aus ärmeren Familien sind nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts häufiger übergewichtig. Huml will im kommenden Jahr erstmals einen detaillierten Kindergesundheitsbericht für Bayern vorlegen.

Kopfzerbrechen bereiten ihr und den Fachleuten im Gesundheitsministerium auch die Impfgegner unter den bayerischen Eltern. Huml startet deshalb eine „Impfoffensive“. „Wir hatten im vergangenen Jahr allein in Bayern fast 800 Masernfälle“, sagte sie. „Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit“: Wenn Kinder im ersten Lebensjahr infiziert würden, könne es vorkommen, dass sie sich zunächst normal weiterentwickelten, um dann in einigen Jahren erneut zu erkranken und zu sterben. „Solche tragischen Todesfälle können wir vermeiden“, sagte Huml.

„Jeder, der sich gegen die Impfung seiner Kinder entscheidet, muss sich bewusst sein, dass damit das Krankheitsrisiko in den Kinderkrippen und Kindergärten an andere Kinder weitertransportiert wird“, mahnte sie. „Einen sicheren Schutz bieten nur beide Masernimpfungen.“

Die Weltgesundheitsorganisation WHO will eigentlich bis zum Jahr 2015 eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent für beide Impfungen erreichen. „Das werden wir in Bayern voraussichtlich nicht erreichen“, räumte Huml ein. „Wir haben derzeit bei der zweiten Impfung eine Quote von 90,5 Prozent.“ Und auch bei der Masernimpfung gibt es regionale Unterschiede: „In Nordbayern ist die Impfquote höher als in Südbayern. Deswegen wollen wir auch bei der Impfoffensive einen regionalen Ansatz wählen.“

Derzeit leben etwa 1,7 Millionen Kinder unter 15 Jahren in Bayern, etwa 300 000 weniger als vor zehn Jahren.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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