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Kampf gegen Demenz

Experten testen Impfung gegen Alzheimer

München - Der Albtraum quält 1,5 Millionen Deutsche. Sie gelten als dement – sozusagen ein Sammelbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die mit dem Verlust der geistigen Fähigkeiten einhergehen. Wissenschaftler haben nun aber große Fortschritte gemacht.

Die häufigste Unterart heißt Alzheimer: Etwa 60 Prozent aller Dementen leiden an dieser Volkskrankheit, die der Münchner Arzt Dr. Alois Alzheimer bereits 1901 entdeckte. Im Kampf gegen diesen schleichenden Sterbeprozess des Gehirns haben die Wissenschaftler große Fortschritte gemacht. Professor Dr. Christian Haass vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) bringt die tz-Leser auf den neuesten Stand.

Diagnose: Bei Alzheimer bilden sich Eiweißablagerungen im Gehirn. Diese sogenannten Amyloid-Plaques wirken wie ein Gift und lassen umliegende Nervenzellen sterben. „Inzwischen können Spezialisten die Ablagerungen sehr gut sichtbar machen. Das gelingt ihnen mit Hilfe eines modernen Bildgebungsverfahrens namens Amyloid-PET“, erklärt Professor Haass.

Dabei handelt es sich – vereinfacht ausgedrückt – um eine Untersuchung in der Röhre, die Laien an eine Magnetresonanztomografie (MRT, Kernspin) erinnert. Vor dieser Untersuchung wird dem Patienten ein harmloser radioaktiver Stoff gespritzt, der die Plaques später auf den Computer-Bildern rot einfärbt. So kann man beispielsweise ermitteln, ob eine beginnende Alzheimer-Erkrankung vorliegt oder deren Verlauf beobachten. „Das Amyloid-PET-Verfahren wird bereits in beiden Münchner Uniklinken eingesetzt – derzeit allerdings noch zu Forschungszwecken.“ Es könnte in naher Zukunft auch Patienten zur Vefügung stehen – wann genau, vermag Professor Haass jedoch nicht vorherzusagen.

Vielversprechende Substanzen werden erprobt

Behandlung: „Es gibt zwar im Moment kein Medikament, das Alzheimer heilen könnte, aber es werden bereits vielversprechende Substanzen erprobt“, erläutert Professor Haass. So werde auf internationaler Ebene in klinischen Studien eine Impfung gegen Plaques getestet – an Patienten mit genetisch vererbter Alzheimer-Erkrankung. Sie machen zwar weniger als zehn Prozent aller Betroffenen aus, rund 90 Prozent aller Alzheimer-Fälle treten „sporadisch“ auf, wie die Wissenschaftler sagen, also willkürlich im Laufe des Alterungsprozesses. Aber die Patienten mit genetischer Veranlagung eignen sich sehr gut als klinische Testpersonen, weil man sicher weiß, wann erste Symptome auftreten.

Dies soll die Impfung verhindern. „Dabei werden dem Patienten künstlich hergestellte Antikörper gegen die Plaques gespritzt“, erläutert Professor Haass. „Erst im April wurden die Ergebnisse einer entsprechenden amerikanischen Studie vorgestellt. Sie waren vielversprechend. Allerdings muss man einschränken, dass die Studie nur über ein Jahr lief“, so der Großhaderner Experte weiter. „Die Crux ist immer, dass bei einer neuen Therapie Nebenwirkungen auftreten können. Das lässt sich aber oft erst nach einigen Jahren sicher beurteilen. Auch im Falle der Impfung ist es zu früh, die Erfolgschancen beurteilen zu können. Da warne ich – wie bei allen erhofften Alzheimer-Medikamenten – vor übertrieben Erwartungen. Ein Zeitpunkt, wann uns ein Mittel zur Verüfgung steht, lässt sich derzeit nicht seriös vorhersagen.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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