+
Dauerhafter Durchfall sollte abgeklärt werden. Foto: Ralf Hirschberger

Keine falsche Scham: Anhaltenden Durchfall abklären lassen

Ständig auf Toilette, Durchfall und Bauchschmerzen: Das sind Beschwerden, die man lieber für sich behält - aber auch Anzeichen für eine chronisch entzündliche Darmerkrankung. Deshalb gilt: Keine falsche Scham und unbedingt zum Arzt gehen.

Kelkheim (dpa/tmn) - Durchfall und Darmprobleme sind ein Thema, über das niemand gerne spricht. Wer die Beschwerden aber über einen längeren Zeitraum hat, sollte sich nicht scheuen und damit zum Arzt gehen.

Denn Schmerzen und mitunter blutiger Durchfall über einen Zeitraum von etwa drei Wochen können ein Anzeichen für eine chronisch entzündliche Darmerkrankung sein. Darauf weist Prof. Franz Hartmann von der Gastro-Liga hin. Auch ungewollter Gewichtsverlust kann ein Warnsignal sein.

Keinesfalls sollten Patienten selbst herumdoktern und etwa Lebensmittel weglassen, die sie als Auslöser im Verdacht haben. "Das ist nicht zielführend", sagt Hartmann. Bei derartigen Beschwerden geht man am besten erst einmal zu seinem Hausarzt. Der kann unterscheiden, ob es sich etwa um einen Infekt handelt oder es weitergehender Diagnostik bedarf. Ist das der Fall, sollte man einen Gastroenterologen aufsuchen, rät Hartmann. Eine gründliche Diagnostik ist beim Verdacht auf eine chronisch entzündliche Darmerkrankung entscheidend.

Die beiden häufigsten sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Bei letzterer ist der Dickdarm chronisch entzündet. Das führt zu starken, auch blutig-schleimigen Durchfällen. Bei Morbus Crohn kann jeder Abschnitt des Verdauungstrakts betroffen sein. Die Beschwerden kommen in Schüben. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen sind nicht heilbar. Aber: "Der Verlauf lässt sich mit Medikamenten günstig beeinflussen", sagt Hartmann.

Aber nicht nur die Beschwerden selbst machen Betroffenen zu schaffen - auch die Tabuisierung ist laut Hartmann ein "Riesenproblem". Weil viele Betroffene ständig auf die Toilette müssen und teilweise Stuhl kaum halten können, trauen sie sich nicht, in öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren, ins Kino zu gehen oder mit Freunden unterwegs zu sein. Er rät, zumindest im familiären Umfeld und engen Freunden von der Erkrankung zu erzählen. "Sonst treibt es einen in die soziale Isolation." Wissen sie Bescheid, können Freunde Rücksicht nehmen, und man trifft sich vielleicht bei jemandem zu Hause.

Manchem Betroffenen hilft auch eine Selbsthilfegruppe: Die Deutsche Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) listet im Internet entsprechende Gruppen auf.

Allgemeingültige Ernährungsempfehlungen oder Diätratschläge kann man Betroffenen nicht geben. Wenn die Diagnose steht, sollte man während eines Schubes auf leicht verdauliche Mahlzeiten achten, sagt Hartmann. Ballaststoffreiche Kost wie Rohkost und Müsli sowie fettreiches Essen und scharfe Gewürze sollte man meiden. "Manchmal werden auch Südfrüchte schlecht vertragen", sagt Hartmann. Außerdem isst man am besten häufiger kleinere Mahlzeiten.

Infos von der DCCV

Gastro-Liga zu Morbus Crohn

Gastro-Liga zu Colitis ulcerosa

Liste mit Selbsthilfegruppen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Keine Lust mehr auf Pizza? Sie könnten schwer krank sein
Sie könnten jeden Tag Salami-Pizza essen – doch plötzlich vergeht Ihnen die Lust? Dann könnte es ein Anzeichen auf etwas Bedrohliches sein.
Keine Lust mehr auf Pizza? Sie könnten schwer krank sein
Frau stirbt an Proteinüberdosis: Kann mir das auch passieren?
Mit nur 25 Jahren starb Bodybuilderin und Mutter Meeghan Hefford an einer Proteinüberdosis. Der Grund: ein seltener Gen-Defekt. Doch was hat es damit auf sich?
Frau stirbt an Proteinüberdosis: Kann mir das auch passieren?
Dokumentation lückenhaft: Kein Beleg für Behandlungsfehler
Bei einem Eingriff kommt es zu Komplikationen. Am Ende steht die Frage im Raum, ob der Arzt einen Fehler gemacht hat. Vor Gericht wäre die Dokumentation der Behandlung …
Dokumentation lückenhaft: Kein Beleg für Behandlungsfehler
Freizeitsportler brauchen keine zusätzlichen Vitamine
Beim Sport wird der Körper meist mehr beansprucht als im Alltag. Da liegt der Gedanke nahe, dass ihm auch mehr Vitamine zugeführt werden müssen. Sollten Freizeitsportler …
Freizeitsportler brauchen keine zusätzlichen Vitamine

Kommentare