Klinikum Bielefeld
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An einer deutschen Klinik kam es zu einer Verwechslung, die ein Leben kostete.

Vertauschte Medikamente

26-Jähriger bekommt in deutscher Klinik falsches Medikament – mit dramatischen Folgen

  • Juliane Gutmann
    vonJuliane Gutmann
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Nach einem Routine-Eingriff verstarb ein 26-jähriger Mann vergangene Woche im Klinikum Bielefeld. Grund für die Tragödie war eine Verwechslung.

  • Er stand kurz vor der Entlassung, weil eine Routine-Operation erfolgreich verlaufen war.
  • Doch nachdem der junge Mann versehentlich das falsche Medikament verabreicht bekommen hatte, verschlechterte sich sein Zustand rapide.
  • Die behandelnden Mediziner verlegten ihn auf die Intensivstation, doch bald erlag der 26-Jährige den Nebenwirkungen des Medikaments.

Eine Arzneimittelverwechslung kann harmlos verlaufen – etwa wenn eine Schmerztablette* statt einer Magenschutztablette geschluckt wird. Doch es gibt auch extrem gefährliche Fehler bei der Gabe von Medikamenten, die nicht passieren dürfen. Vergangene Woche kam es zu einem derartigen Vorfall an der kommunalen Klinik in Bielefeld. Ein 26-jähriger Mann war wegen eines Talgknotens in der Brust operiert worden. Während eines Routine-Eingriffs wurde der Knoten erfolgreich entfernt. Schon bald hätte der junge Mann die Klinik verlassen können – doch es kam zu einer folgenschweren Medikamentenverwechslung.

Der 26-jährige Mohammad S. lag in einem Zimmer mit einem weiteren Patienten, der aufgrund einer Krebserkrankung behandelt wurde. Für diesen soll das Medikament eigentlich gedacht gewesen sein, das versehentlich Mohammad S. verabreicht wurde. Bild.de zitierte den Vater des jungen Mannes, Asaad S. damit, dass Mohammad seinen Vater noch angerufen und erzählt habe, dass er ein Medikament bekommen habe, von dem er müde wurde. Doch dabei sollte es nicht bleiben.

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26-Jähriger stirbt aufgrund einer Medikamentenverwechslung

Der Zustand des 26-Jährigen verschlechtere sich rapide, die Ärzte entschieden daraufhin, ihn auf die Intensivstation zu verlegen. Danach habe man ihn in die Neurologische Fachabteilung der Evangelischen Klinik in Bielefeld gebracht, wie die Deutsche Apotheker Zeitung (DAZ) berichtete. Dort sei er am vergangenen Donnerstag verstorben. Einzelheiten wurden bisher aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht veröffentlicht. Fest stehe allerdings, dass es sich bei dem fälschlicherweise verabreichten Mittel nicht um ein Krebsmedikament gehandelt habe.

Der Fall wird aktuell noch untersucht, die Ermittlungen laufen. Der Geschäftsführer des Klinikums Bielefeld, Michael Ackermann, sagte laut einer WDR-Mitteilung: „Wir sind bestürzt über diesen tragischen Todesfall. Wir trauern mit der Familie des verstorbenen Patienten.“ Man werde „mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten“ für Aufklärung sorgen, ergänzte der Sprecher.

Um derart tragische Vorfälle in Zukunft zu vermeiden, plädiert die Stiftung Patientenschutz für eine digitale Kontrolle. Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung, spricht sich dafür aus, dass die Entnahme und Zusammensetzung der Medikamente auf der Station und die Zuteilung an den Patienten digital und lückenlos erfasst werden solle. „Etwa mithilfe eines Barcodes kann festgestellt werden, ob das richtige Medikament beim richtigen Patienten landet“, so der Stiftungsvorstand focus.de zufolge: „Geschieht ein Fehler, schlägt das System sofort Alarm.“ Vergleichbare Scanner-Systeme gebe es an jeder Supermarktkasse. (jg) *Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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